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Kieler Kraftwerk: Baustart ist zum Greifen nah

KWK-Förderung Kieler Kraftwerk: Baustart ist zum Greifen nah

Eines der bedeutendsten Investitionsprojekte Schleswig-Holsteins hat die letzte Hürde so gut wie gemeistert. Nach einer mehr als einjährigen Hängepartie zeichnet sich nun ab, dass die EU-Kommission die Novellierung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes (KWKG) genehmigen wird.

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Investiert wird auf dem Ostufer schon länger in das Fernwärmesystem der Stadt: Das Bild zeigt die Fläche für den Kraftwerksbau vom neuen Pumpenhaus aus gesehen.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel/Brüssel. Damit steht die Tür zum Bau des neuen Gasmotorenkraftwerkes auf dem Kieler Ostufer weit offen. In einigen Punkten muss die Bundesregierung ihr Gesetz allerdings nachbessern. So bestehen die europäischen Wettbewerbshüter auf die Einführung von Ausschreibungsmodellen. Davon jedoch wäre das Kieler Projekt aufgrund seiner Größe nicht betroffen.

 Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) hat keine Zweifel daran, dass das für die Kieler Wärmeversorgung existenzielle, insgesamt rund 290 Millionen Euro teure Projekt nun auf seine Realisierung zusteuert: „Ich freue mich sehr über den endgültigen Durchbruch des zentralen Kieler Zukunftsprojekts.“ Nach dem erfolgreichen Verlauf der Finanzierungsverhandlungen geht der OB davon aus, dass der Baubeschluss „nun sehr schnell“ getroffen und damit das „größte industrielle Investitionsprojekt Schleswig-Holsteins“ zügig umgesetzt werden könne. Eigentlich wollte der Aufsichtsrat der Stadtwerke die offizielle Bauentscheidung längst getroffen haben, doch beide bislang angesetzten Termine im März und im Juni waren wegen der unklaren Förderperspektiven verstrichen.

 Nicht euphorisch, aber erfreut reagierte Stadtwerke-Vorstandschef Frank Meier auf die neue Entwicklung. „Die Verständigung zwischen Bundeswirtschaftsministerium und EU-Kommission ist positiv zu bewerten.“ Allerdings müsse das EU-Notifizierungsverfahren noch förmlich abgeschlossen werden. Dies, so Meier, wird nach Aussagen des Bundeswirtschaftsministeriums Mitte September erwartet. Erst danach kann das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) Anträge auf KWK-Förderung bearbeiten. Meier: „Insgesamt bin ich derzeit positiv gestimmt, dass wir innerhalb der nächsten Wochen unseren Bescheid erhalten werden.“ Wenn alles so eintrete wie erhofft, könne im Herbst der Generalunternehmer mit dem Bau des Kraftwerks beauftragt werden: „Wir gehen weiterhin davon aus, im Herbst 2018 in Betrieb zu gehen.“

 Bereits im August 2015 hatten die Stadtwerke Kiel, die Kraftanlagen München GmbH als Generalunternehmer und ein Tochterunternehmen des amerikanischen Konzerns General Electric (GE) als Motoren-Hersteller die entscheidenden Verträge für den Bau des neuen Kraftwerks unterzeichnet. Im Gegensatz zum bisherigen Kohlekraftwerk lässt sich das Gaskraftwerk innerhalb weniger Minuten auf die Nennleistung von 190 Megawatt hochfahren. So können Schwankungen im Stromnetz ausgeglichen und der Strom in diesen Zeiten gewinnbringend verkauft werden. Zudem werden im Betrieb 192 Megawatt Fernwärme für das Kieler Verbundnetz erzeugt, die rund 70000 Haushalte mit Wärme versorgen. Das neue Kraftwerk soll das in die Jahre gekommene Gemeinschaftskraftwerk (GKK) ersetzen. Das Neubau-Vorhaben hatte zwischenzeitlich für Konflikte zwischen der Landeshauptstadt und dem Mehrheitseigner der Stadtwerke, dem Mannheimer Energieversorger MVV, gesorgt. Erst im Mai 2015 hatte MVV seine Beteiligung am Projekt bekräftigt, nachdem sich der Energieversorger ein Jahr zuvor eigentlich von dem Bauvorhaben verabschieden wollte.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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