17 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Kampf ums Kieler Rathaus

SPD: Vier Bewerber fürs OB-Amt Kampf ums Kieler Rathaus

Die Kieler SPD macht es spannend: Wochenlang traute sich keiner, für die Oberbürgermeisterwahl anzutreten, bis ein Paukenschlag auf den nächsten folgte. Zum ersten Mal in der Parteigeschichte treten gleich zwei Frauen an, um das Rathaus zu erobern. Von den beiden Männern, die auf SPD-Ticket an die Verwaltungsspitze wollen, ist einer parteilos.

54.32242 10.132468
Google Map of 54.32242,10.132468
Mehr Infos
Nächster Artikel
Pkw überrollt Fahrradfahrer

Gleich vier SPD-Kandidaten wollen das Kieler Rathaus erobern.

Quelle: hfr

Kiel.   Innerhalb der SPD flirrt es richtig. Denn es gilt, die „extrem wichtige Direktwahl“ in der Landeshauptstadt zu gewinnen, erklärte Landeschef Ralf Stegner. Verlöre man am 28. Oktober den OB-Posten, der durch Torsten Albigs Wahl zum Ministerpräsidenten vakant geworden ist, wäre das ein schlechtes Signal für die Kommunalwahl sechs Monate später. Das „Trauma“, nach einer verlorenen Kommunalwahl 2003 erleben zu müssen, dass in der SPD-Hochburg ausgerechnet die CDU mit Angelika Volquartz auch noch die erste Oberbürgermeisterin Kiels stellte, sitzt bei den Genossen tief. Das räumt Kreischef Rolf Fischer unumwunden ein.

Zeit-Redakteurin Susanne Gaschke gehört der SPD seit 25 Jahren an.

Zur Bildergalerie

Vor diesem Hintergrund ist es zu verstehen, dass sich eher ein SPD-Frauen- denn ein Männerduell abzeichnet: Danach werden die „Zeit“-Redakteurin Susanne Gaschke (45) sowie die Landeswahlleiterin und Leiterin der Kommunalabteilung im Innenministerium, Manuela Söller-Winkler (50), das Rennen unter sich ausmachen. Die beiden Männer werden es schwer haben, sich zu behaupten, obwohl auch sie politisch und/oder beruflich keine Leichtgewichte sind. Der gebürtige Kieler Thomas Engel (54) ist seit fast 20 Jahren im Landesdienst – derzeit als stellvertretender Leiter der Abteilung „Berufliche Bildung“ im Bildungsministerium. Der Jurist gehört seit 29 Jahren der SPD an. Kapitän zur See Jan C. Kaack (49), der 1982 in die Marine beim Schnellbootgeschwader in Kiel eintrat, bewirbt sich dagegen ohne Parteibuch. Heute ist er Stellvertretender Kommandeur und Chef des Stabes der Einsatzflottille 1 in Kiel – und damit sozusagen Büronachbar von Söller-Winklers Mann, Marine-Sprecher Achim Winkler.

Für die Kieler SPD steckt die Suche nach Oberbürgermeister-Kandidaten voller Überraschungen. Zum ersten Mal treten mit Susanne Gaschke und Manuela Söller-Winkler zwei Frauen gegeneinander an. Es wird spannend am 11. August, wenn die Partei ihre Kandidatin kürt.

Zur Bildergalerie

Alle vier Personen, freut sich Fischer, seien aufgrund ihrer unterschiedlichen Profile nicht nur für die Partei, sondern auch für die Öffentlichkeit interessant. Um wieder das Oberbürgermeister-Amt besetzen zu können, muss der SPD-Kandidat oder die Kandidatin auch über Parteigrenzen hinweg mehrheitsfähig sein. Da die Kandidaturen der Frauen schon früher als die der Männer bekannt wurden, blieb Zeit für Lagerbildung.

Danach schält sich folgende Gemengelage heraus: Die Kielerin Susanne Gaschke, seit 25 Jahren gut vernetzt in der Sozialdemokratie und während ihres Promotionsstudiums in Kiel AStA-Vorsitzende, findet ihre Unterstützer meist bei Jusos und im Umfeld ihres Mannes, des Kieler SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Bartels. Als Journalistin machte sie vor allem mit wertkonservativen Artikeln über Erziehung und Bildung von sich reden, die oft der sozialdemokratischen Hauptlinie widersprachen. Frisch, streitbar, intellektuell – aber als großes Manko gilt ihre fehlende Erfahrung in der Führung einer Verwaltung mit 4400 Mitarbeitern. „Es gibt im Kieler Rathaus eine überwiegend erstklassige Verwaltung, ohne die man die Stadt gar nicht regieren könnte“, hält sie dagegen: „Die Aufgabe der Oberbürgermeisterin ist Politik und Kommunikation an der Schnittstelle zwischen Bürgern, Ratsversammlung und Verwaltung. Das kann ich.“

Bei Manuela Söller-Winkler ist es umgekehrt. Ungewöhnlich offen ließen Ministerpräsident Albig und Innenminister Andreas Breitner ihre Favoritin erkennen, als sie die Juristin als profilierte Verwaltungsexpertin mit 20 Jahren Kommunalerfahrung lobten. Ihr fehlt jedoch der Stallgeruch der Partei: Die Kandidatin trat mit der Bewerbung in die SPD ein. Für das Amt der Oberbürgermeisterin komme es vorrangig auf berufliche Kompetenzen an, sagt sie: „Mein Herz schlägt schon lange für die SPD. Was mir an parteiinternen Strukturkenntnissen fehlt, denke ich schnell kompensieren zu können. Dabei hoffe ich auf Unterstützung der Genossen und Genossinnen.“

Trotz des Frauenbonus ist noch nichts entschieden: Denn die Würfel fallen erst am 11. August bei einer SPD-Mitgliederversammlung. Und da, heißt es, werde es auch darauf ankommen, wer sich am besten bei den für alle Bürger offenen Vorstellungsrunden präsentiert. Sie finden statt am 3. August (18 Uhr, Ricarda-Huch-Schule) und am 7. August (19 Uhr, Restaurant Megasaray).

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

Events in Kiel

Veranstaltungen in Kiel
Aktuelle Termine, News, Infos.

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Anzeige
Mehr zum Artikel
Gemeindewahlausschuss
Der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Torsten Albig (SPD) eröffnete am 16. Juni mit einem Typhon-Signal offiziell die Kieler Woche in Kiel.

Die Kieler werden am 28. Oktober ihren neuen Oberbürgermeister wählen. Dies beschloss der Gemeindewahlausschuss am Mittwoch.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr