2 ° / 0 ° Schneeschauer

Navigation:
Kampfansage an die Keime

UKSH in Kiel Kampfansage an die Keime

Mit der Einweihung des Erweiterungsbaus der internistischen Intensivstation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel hat die Landesregierung am Mittwoch eine zentrale Maßnahme zur Eindämmung multiresistenter Keime umgesetzt.

Voriger Artikel
4300 mehr Erwerbstätige in einem Jahr
Nächster Artikel
Trickbetrüger bestreitet Tat

Freuen sich darauf, Patienten künftig eine optimale Intensivmedizin in neuen Räumlichkeiten bieten zu können: Stefan Schreiber, Jens Scholz, Hans-Adolf Bilzhause, Norbert Frey und Steffen Ochs (von links) bei der symbolischen Schlüsselübergabe.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Der weiße Modulbau im Innenhof der Gebäude für die Innere Medizin I und III ist in einer Rekordzeit von 14 Monaten realisiert worden und soll in den kommenden fünf Jahren als Übergangslösung dienen. Neben modernsten Räumen und verbessertem Hygiene-Management sollen neue molekulare Labormethoden das Risiko von Keimübertragungen minimieren. „Das ist ein echter Quantensprung“, sagte Prof. Stefan Schreiber, Direktor der Klinik für Innere Medizin I.

 Der zweistöckige Anbau hat eine Grundfläche von 950 Quadratmetern und bietet Platz für zwölf Einzelzimmer mit „besten Standards“, wie Klinikchef Prof. Jens Scholz bei der symbolischen Schlüsselübergabe betonte. Eine Isolierung im Einzelzimmer, ausreichender Abstand zwischen Geräten, die Trennung von reinen und unreinen Arbeitsflächen und eine künstliche Klimatisierung gehören zu den Maßnahmen, mit denen man einer Ausbreitung von Keimen vorbeugen kann, erklärte die leitende Hygiene-Expertin Dr. Bärbel Christiansen. „Eine optimale Hygiene ist nur möglich, wenn die baulichen Voraussetzungen stimmen.“ Ausreichend große Flächen müssten den funktionalen Bedarf decken. Die neue Intensivstation bietet mehr Raum für die Sicherheit der Patienten. Am 30. Mai nimmt sie ihre Arbeit auf.

 Nach der Keim-Krise Anfang 2015, bei der sich der Keim Acinetobacter baumannii von einem Notfallpatienten auf 30 weitere Patienten übertragen hatte, hatte das schleswig-holsteinische Gesundheitsministerium ein Maßnahmenpaket mit acht Punkten geschnürt, zu dem auch der Interimsbau der Intensivstation als Kernelement gehört. Die Kosten von rund 7,9 Millionen Euro trägt das Land. Gesundheitsministerin Kristin Alheit lobte die schnelle Umsetzung als „weiteren Meilenstein auf dem Weg zur Modernisierung“. „Wir werden den Ausbruch von Keimen wahrscheinlich nie hundertprozentig verhindern können, aber wir können sie auf höchstem Niveau eindämmen.“

„Outbreak Monitoring“

 Auf höchstem Niveau ist nach Angaben von Stefan Schreiber künftig auch die molekulare Labortechnik. Die genetische Sequenzierung des Keims erlaubt eine genaue Analyse aller Varianten, die man dann miteinander vergleichen und ihre Übertragungswege nachvollziehen kann. „Das ist sehr spannend, denn jetzt kann man genau sagen, wie der Keim sich ausgebreitet hat.“ In Deutschland sei dieses „Outbreak Monitoring“ bisher einmalig. Jeder Risikopatient werde sowohl bei der Aufnahme als auch bei der Entlassung in kurzer Zeit durch Keim-Sequenzierung untersucht, so dass kein Patient die Abteilung mit gefährlichen Keimen verlassen könne. „Wenn wir bestimmte Besiedelungen schnell erschließen und mögliche Hygienelücken schließen können, ist das eine ultimative Qualitätskontrolle.“

 Auch Prof. Norbert Frey, Direktor der Klinik für Innere Medizin III, freut sich über die schnelle Realisierung des Erweiterungsbaus. „Die moderne Infrastruktur des Neubaus ermöglicht eine optimale Intensivmedizin und verkürzt zudem die Wege der Krankenversorgung.“ In fünf Jahren soll die Intensivstation ein weiteres Mal umziehen, dann wird sie in das neue Zentralklinikum integriert.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr zum Artikel
Kommentar

Eines muss man der Landesregierung lassen: Die Rekordzeit, in der der Erweiterungsbau der Intensivstation für 7,9 Millionen Euro aus dem Boden des Innenhofs gestampft worden ist, wirkt beeindruckend konsequent. Und alternativlos.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3