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Kandidaten beantworten Gretchenfrage

OB-Wahl in Kiel Kandidaten beantworten Gretchenfrage

Wer sich unters Kruzifix setzt, sollte sich auf die Gretchenfrage gefasst machen – auch wenn er nicht Seelsorger, sondern Kiels neuer Oberbürgermeister werden will: Susanne Gaschke (SPD) und Gert Meyer (CDU), mussten gleich in den ersten Minuten in der Ellerbeker Runde Farbe bekennen.

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Bugenhagen-Kirchengemeinde: Diskussionsrunde mit den Kandidaten für die Oberbürgermeister-Stichwahl in Kiel am 11. November 2012 mit Gert Meyer (CDU, links) und Susanne Gaschke (SPD). Diskussionsleiter war Pastor Eckart Dietrich.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Am Donnerstagabend waren sie einer Einladung zur Ellerbeker Runde ins Gemeindehaus der Bugenhagenkirche gefolgt waren und mussten Pastor Eckart Dietrich und rund 50 Zuschauern gleich in den ersten Minuten zur Religion Farbe bekennen.

„Ich bin im Herzen ein sehr protestantischer Mensch“, sagte die 45-jährige Kandidatin Gaschke. Irgendwann nach dem Abitur, „als ich meine sehr sozialistische Phase hatte“, sei sie aus der Kirche ausgetreten. „Das fanden wir damals fortschrittlich.“ Sie habe jedoch nie einen atheistischen Standpunkt vertreten, und längst bewerte sie ihren Austritt kritisch. Allerdings hätte sie auch Schwierigkeiten damit, wieder einzutreten. Wer sich mit einer großen Organisation befasse, „ob nun Partei oder Kirche“, finde immer problematische Punkte.

 Der 41-jährige OB-Kandidat Meyer gestand, dass er zwar getauft sei, in seiner Jugend aber lieber Fußball spielte. Erst einen Monat vor seiner Hochzeit sei er konfirmiert worden. „Ich habe ein sehr positives und unkompliziertes Verhältnis zur Kirche und insbesondere zu unserer Gemeinde“, stellte er fest. Seine Frau Sigrid und er verteilen heute noch den Gemeindebrief.

 In den zwei Wochen vor der Stichwahl war die Veranstaltung am Donnerstag die einzige, bei der Gaschke und Meyer noch einmal direkt aufeinander trafen, und mancher hatte sich eine Diskussion erhofft. Die kam nicht zustande. Wie in den Wochen zuvor antwortete jeder, ohne direkt auf den Konkurrenten einzugehen. Nach Ellerbek befragt, forderte Meyer, dass die Ausbildungswerkstatt auf dem Marinearsenal erhalten werden müsse, „weil alles andere Auswirkungen auf den Stadtteil hätte“. Junge Familien müssten ins Quartier geholt werden, und darüber hinaus solle Kiel weiter an der Infrastruktur des Ostufers arbeiten.

 Gaschke bezeichnete die geplante Schließung des Arsenals als falsche Entscheidung des CDU-Bundesverteidigungsministers. Und die Ausbildungswerkstatt mit ihren 150 Lehrlingen sei etwas, das Kiel dringend benötige. Darüber hinaus machte sie auf die Straßen rund um die Alte Räucherei aufmerksam, „wo man einen Grad von Verwahrlosung wahrnimmt“. Möglicherweise müsse die Stadt hier die Straße sanieren, möglicherweise aber auch Eigentümer stärker unter Druck setzen.

 Zwei Details seien nachgetragen. Gert Meyer gestand, dass er in den vergangenen Wochen unfreiwillig sechs Kilo Gewicht verloren habe. Und Susanne Gaschke musste einem Bürger die Frage beantworten, ob sie das Amt nur als Sprungbrett zu höheren Weihen nutzen wolle. „Ganz klare Antwort: Sechs Jahre will ich mindestens bleiben.“ zel

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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Foto: "Ist das nicht der Münte?" Ja, er war es. SPD-Urgestein Frantz Müntefering nutzte einen Auftritt in Schwentinental für einen Abstecher in die Kieler Fußgängerzone, um seine Parteifreundin Susanne Gaschke im Wahlkamprf um die Stichwahl zum Oberbürgermeister zu unterstützen. Auch Aline Winkelmann (Mitte) ließ sich von dem Poltiker ansprechen und versprach, "brav zur Wahl zu gehen".

Rückenwind für Susanne Gaschke: Die Kieler Grünen unterstützen die SPD-Kandidatin für das Oberbürgermeisteramt. Eine Kreismitgliederversammlung beschloss am Dienstagabend ohne Gegenstimme eine entsprechende Wahlempfehlung für die Stichwahl am 11. November. Dort tritt die 45-Jährige gegen Gert Meyer (CDU) an.

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