21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Für Frauen ist Kiel ein schlechtes Pflaster

Karriere Für Frauen ist Kiel ein schlechtes Pflaster

Bei der Gleichstellung und Frauenförderung in Politik und Verwaltung hat Kiel nach wie vor Nachholbedarf. Das geht aus dem städtischen Gleichstellungsbericht für 2014 hervor, den die Ratsversammlung am 21. Mai beraten wird.

Voriger Artikel
Neues Portal zeigt Raritäten
Nächster Artikel
Fahrer flüchtet bei Kontrolle
Quelle: hfr

Kiel. Zwar erkennt die Gleichstellungsbeauftragte Helga Rausch auch Fortschritte an, aber an der negativen Tradition solcher Berichte ändert das nichts: „Vieles ist bereits erreicht, an anderen Stellen gleicht jedoch das Thema Gleichstellung noch einer Baustelle.“ So sind von 5163 Beschäftigten der Stadt (einschließlich der Beurlaubten, der Auszubildenden und des Abfallwirtschaftsbetriebes) mehr als die Häfte (2882) Frauen, von denen ein Drittel in Teilzeit arbeitet. In politischen Gremien, städtischen Aufsichtsräten und vor allem in Führungspositionen sind sie jedoch unterrepräsentiert.

 Beim „Gender Ranking“ der Heinrich-Böll-Stiftung und der Fernuniversität Hagen hat die Stadt Kiel 2013 den 30. Platz erreicht, nachdem sie 2010 auf den 57. Platz abgerutscht war. Nur mehr als ein Drittel der 56-köpfigen Ratsversammlung ist weiblich, kritisiert Rausch den zu niedrigen Frauenanteil, der dazu führt, dass die meisten Aufsichtsräte, Werkausschüsse und Verwaltungsräte fest in männlicher Hand sind. Es existiert sogar ein Aufsichtsrat ohne eine einzige Frau. Rausch schließt sich der Forderung ihrer Kolleginnen nach einem 50-prozentigen Frauenanteil auf allen Ebenen an. Für sie die „logische Konsequenz, wenn das selbstgesteckte Ziel der Geschlechtergerechtigkeit ernst genommen werden soll“.

 Vor allem auf der oberen Führungsebene und in höheren Besoldungs- und Entgeltstufen wird es für Frauen dünn. Zwar gibt es ähnlich viele Amtsleiterinnen wie Amtsleiter. Doch in den fünf Dezernaten steht mit Bildungsstadträtin Renate Treutel nur eine Frau an der Spitze. Rausch macht sich dafür stark, dass Frauen gezielte Förderungen durch Fortbildungen erfahren und sich auch Teilzeitkräfte auf Spitzenpositionen bewerben können. Rückendeckung erfährt sie dabei von Lydia Rudow, die ebenfalls eingefahrene, männlich dominierte Strukturen in Verwaltung und Politik kritisiert: Die Grüne führt als einzige Frau eine der sechs Fraktionen im Rat. Die Politik müsse ihre Hausaufgaben machen und Wahllisten sowie Wahlkreise zur Hälfte weiblich besetzen, sagt sie. Probleme mit Vorgesetzten, am Arbeitsplatz und Überlastung – um diese Themen drehten sich die meisten Gespräche des Referates mit Ratsuchenden – zu 80 Prozent Frauen. Im Berichtszeitraum vom 31. November 2013 bis Dezember 2014 gab es demnach auch drei Fälle möglicher sexueller Belästigung.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

Events in Kiel

Veranstaltungen in Kiel
Aktuelle Termine, News, Infos.

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Anzeige