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Ein erster Schritt in den Arbeitsmarkt

Kausa-Servicestelle Ein erster Schritt in den Arbeitsmarkt

Der 26-Jährige Mudar Muhammad aus Aleppo teilt sich mit zwei Landsleuten eine Flüchtlings-WG im Stadtteil Gaarden. Gerade hat er begonnen, zu arbeiten. Möglich gemacht hat diesen die Kieler Kausa-Servicestelle – ein vor drei Monaten gestartetes Projekt, das bei der Türkischen Gemeinde Schleswig-Holstein angesiedelt ist.

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Mudar Muhammad (26) aus dem syrischen Aleppo lebt seit knapp 15 Monaten in Deutschland. Er freut sich über seine Anstellung im Wiener Grillhaus.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Seit Mitte September steht Mudar Muhammad im Wiener Grillhaus in der Kirchhofallee in der Küche und hinter dem Verkaufstresen. Es ist ein erster Schritt in den deutschen Arbeitsmarkt.

 Jugendliche mit Migrationshintergrund und Flüchtlinge haben es gemeinhin schwer, einen Job zu finden. Die Kausa-Servicestelle will sie dennoch in Lohn und Brot vermitteln – vor allem, indem sie bei kleinen und mittelständischen Unternehmern, die selbst ausländische Wurzeln haben, für die potenziellen Mitarbeiter wirbt. Und bei diesen auch generell einmal über die Möglichkeiten der dualen Ausbildung aufklärt: „Viele wissen oft nicht, dass ihre Firmen zu Ausbildungsbetrieben werden können“, sagt Projektleiter Özgür Yurteri. Zusammen mit seinen fünf Mitarbeitern hat er bisher mit knapp 90 Unternehmen in der Region Kiel gesprochen. Außerdem stellen sie ihre Aktivitäten bei Elternabenden und in Jugendzentren vor.

 Die Vermittlung des jungen Syrers Mudar Muhammad in das Lokal von Askim Güngör und seiner Frau Ayse ist ein erster Erfolg. Projektmitarbeiter Özcan Yildirim hat beide Seiten zusammengebracht. Zwar jobbt Mudar Muhammad hier zunächst lediglich auf 450-Euro-Basis – doch für ihn überwiegt ein anderer Aspekt: Im Kundenkontakt will er seine Deutschkenntnisse verbessern. Schnellstmöglich will er mit einer Prüfung das Sprachniveau B1 („Fortgeschrittene Sprachverwendung“) nachweisen, sagt der junge Mann. Ein erster Versuch, das Zertifikat zu erwerben, misslang ihm. „Aber ich gebe nicht auf.“

 Dass er in Bezug auf Sprachen nicht gänzlich untalentiert ist, hat er zuletzt in der Türkei bewiesen. Bevor Mudar Muhammad nach Deutschland kam, verbrachte er zwei Jahre in der Türkei und erlernte die dortige Sprache. Dasselbe Ziel hat er jetzt für die deutsche. Denn die Sprachbarriere – das sagen alle Beteiligten – ist das größte Hindernis auf dem Weg in den deutschen Arbeitsmarkt. „Ohne Deutsch geht es nicht“, fasst Ayse Güngör zusammen und erinnert sich zurück an ihren eigenen Start vor einem guten Jahrzehnt: „Ich kenne das Gefühl, das Mudar hat.“ Sie selbst habe die Sprache unter anderem beim Putzen im Altenheim gelernt.

 Ihr Mann, der Koch und Hotelmanager ist, betreibt das Grillhaus seit knapp acht Jahren. Ayse Güngör selbst hat Wirtschaftswissenschaften studiert und kann sich um die Abrechnung und Fragen der Bürokratie rund ums Familienunternehmen kümmern. Bald steht in dieser Hinsicht noch ein neues Projekt an: die Ausbildereignungsprüfung. Sobald Mudar Muhammads Deutsch gut genug ist und sobald die Güngörs einen Ausbilderschein haben, könnte aus dem Minijob auch eine Ausbildung werden.

 Im Anschluss an eine Ausbildung wäre für den 26-jährigen Syrer sogar ein Studium möglich. In seiner Heimat war er bereits an einer Hochschule eingeschrieben und hat gelernt, wie man Baumaschinen konstruiert. Im Vergleich dazu ist die Tätigkeit im Imbiss sicherlich nicht gerade sein Traumjob – aber eben auch nicht weniger als ein erster Schritt auf den deutschen Arbeitsmarkt.

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Ein Artikel von
Thomas Paterjey
Lokalredaktion Kiel/SH

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