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Keine Angst vor dem Hotel-Boom in Kiel

Neubau-Pläne Keine Angst vor dem Hotel-Boom in Kiel

In den kommenden Jahren sollen in Kiel neue Zwei- bis Drei-Sterne-plus-Hotels entstehen. Trotzdem macht sich in der Hotelbranche keine Angst vor einem großen Verdrängungswettbewerb breit. Kiel hat in dem Segment Nachholbedarf, sind Branchenkenner überzeugt.

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Die Kaistraße entwickelt sich weiter zur Kieler Hotel-Meile: Auf der Freifläche links neben dem B&B-Hotel will die Lindner-Gruppe 2017 ein Hotel eröffnen.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Die Hotelbranche in Kiel ist gewaltig in Bewegung geraten. Nach vier Jahren Stillstand haben Investoren die Landeshauptstadt als lohnenden Standort entdeckt und planen in den nächsten zwei, drei Jahren neue Zwei- bis Drei-Sterne-plus-Hotels ohne Vollgastronomie und Wellnessbereich. Trotzdem macht sich in der Branche keine Angst vor einem großen Verdrängungswettbewerb breit. Kiel hat in dem Segment Nachholbedarf, sind Branchenkenner überzeugt.

 Vor allem rund um den Hauptbahnhof entsteht eine Hotelmeile. Die Letzten, die dort nach dem Intercity-Hotel an den Start gingen, waren das Atlantic-Hotel 2010 und die französische B&B-Herberge 2012. Jetzt plant die Lindner-Gruppe (165 Zimmer) direkt neben B&B an der Kaistraße die Eröffnung ihres Hotels im Sommer 2017, die Zech-Gruppe hat nach wie vor ein starkes Interesse, auf dem ZOB-Gelände hinter dem Atlantic ein weiteres Hotel zu bauen. Auch das gewaltige Neubauprojekt zwischen Andreas-Gayk- und Kaistraße kommt weiter voran. Dort will die Deutsche Immobilien AG (DI) unter anderem ein Boarding House (60 Zimmer) und ein Hotel inklusive Blick auf den Bootshafen errichten. Nach Informationen der Kieler Nachrichten verhandelt die Ibis-Kette darüber, mit ihrer grünen Styles-Linie (160 Zimmer) einzuziehen. Je nach Standort greift das Unternehmen im Stil der Ausstattung ein lokales Thema auf.

  Erste Entwürfe gibt es auch für ein Hampton by Hilton Hotel (200 Zimmer) neben der Sparkassen-Arena. Interesse soll zudem ein Investor angemeldet haben, das frühere Karstadt Sport-Gebäude an der Holstenstraße in ein Hotel umzuwandeln. Während dies aber noch ein Gerücht ist, hat die Dirk Cordes Beteiligungsgesellschaft als Eigentümerin des Wissenschaftsparks bestätigt, dass B&B plant, ein zweites Hotel mit 90 Zimmern auf dem uni- nahen Gelände zu betreiben: Geschäftsführer Sven Jahnke erhofft sich durch das Projekt, für das aber noch keine Baugenehmigung beantragt wurde, eine Belebung des Areals nach 18 Uhr: „Es ist ein weiterer Mosaikstein in der Gesamtentwicklung des Wissenschaftsparks.“

Kämpfer: Kiel wird attraktiver

 Für Oberbürgermeister Ulf Kämpfer dokumentieren die Hotelpläne, dass Unternehmen die gewachsene Attraktivität der wachsenden Stadt erkennen: „Das ist eine fantastische Entwicklung. Kiel gewinnt auch als Urlaubs- und Freizeitort an Renommee. Eine Positivspirale, über die sich jeder freuen kann.“ Mehr Hotels, machen auch der Hotel- und Gaststättenverband wie auch Kiel-Marketing die Rechnung auf, bedeuten mehr Arbeitsplätze, Chancen auf gute Geschäfte für Lokale, Taxifahrer und Einzelhandel und mehr Leben in der Innenstadt nach Geschäftsschluss.

 Deutschlandweit profitiert die Tourismusbranche vom Trend zu Kurzurlauben, zu Städtetouren und angesichts der Terrorgefahr zu Reisen im eigenen Land. Kiel kommt auch der Kreuzfahrer-Boom mit deutlich mehr als 400000 Passagieren im Jahr zugute.

„Da ist noch Potenzial zu heben. Es ist ein freier Markt, den sich die Investoren abgeschaut haben und zum Ergebnis gekommen sind, dass es sich lohnt, in Kiel zu investieren“, erklärt Dehoga-Hauptgeschäftsführer Stefan Scholtis. Erst vor wenigen Tagen bescheinigte der Hotelverband IHA Kiel und Lübeck, im Vorjahr gefragt wie nie zuvor gewesen zu sein. In Kiel gab es einen Zuwachs bei der Hotel-Auslastung um 6,2 Prozentpunkte auf 72,4 Prozent.

Hotelstudie muss angepasst werden

 Das Risiko von Überkapazitäten sieht Scholtis daher ebensowenig wie Kiel-Marketing-Chef Uwe Wanger, obwohl die 2012 herausgegebene Hotelstrategie bis 2022 einen Bedarf von lediglich 1200 zusätzlichen Betten prognostizierte. Würden alle Hotelpläne realisiert, dann erreicht der Zuwachs schon jetzt diese Marke. Man müsse die Hotelstudie anpassen, verweist Wanger auf die Übernachtungsrekorde in den vergangenen Jahren, die so niemand habe erwarten können. Das gilt mittlerweile auch für die schwache Nebensaison. Schleswig-Holstein knackte nach Angaben des Statistikamtes Nord erstmals die Millionengrenze bei Übernachtungen im Februar.

 Auch Kiel müsse versuchen, außerhalb der gut ausgelasteten Sommermonate sein Angebot aufzupeppen, mahnen Scholtis und Wanger an. Der zusätzliche Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz könne zum Beispiel neue Besucherströme in die Innenstadt spülen. Sorgen macht Wanger, dass die neuen Hotels nahezu gleichzeitig an den Markt drängen. Hotelier Rainer Birke sieht Kiels Hotel-Boom gelassen entgegen, weil er außerhalb seines Segments liegt. „Es wird aber ein Preiskampf kommen. Und auch die Vier-Sterne-plus-Hotels wie wir werden Übernachtungen verlieren.“ Kiel müsse mit der gesamten Infrastruktur nachziehen und mehr Attraktionen anbieten, meint er und teilt Wangers und Kämpfers Ansicht: Kiel braucht ein Kongress- und Tagungszentrum.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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Neues Hotel
Foto: Auf der Freifläche in der Kaistraße soll neben dem B&B-Hotel ein weiteres Hotel und ein siebengeschossiges Büro-Gebäude entstehen. Beide Bauten sollen bereits bis Mitte 2017 fertig sein.

Geht alles nach Plan, erhält Kiel durch ein weiteres Bau-Projekt in der Innenstadt eine neue Stadteinfahrt. Denn die Lücke an der Kaistraße füllt sich: Neben dem B&B-Hotel errichtet die Lindner-Gruppe zusammen mit der Hanseatic Group ein neues 3- bis 4-Sterne-Hotel.

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