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Mitarbeiter sollen zu viel gezahlte Leistungen eintreiben

Arbeitsagentur Kiel Mitarbeiter sollen zu viel gezahlte Leistungen eintreiben

Die Landeshauptstadt wird mit Hannover und Halle zum Inkassobüro für ganz Deutschland: Mitarbeiter der Arbeitsagenturen sollen per Telefonanruf 4,5 Milliarden Euro Außenstände eintreiben – vor allem Kindergeld, Arbeitslosengeld und Hartz-IV-Leistungen, die zu viel gezahlt worden sind. In Kiel werden dafür 70 zusätzliche Stellen geschaffen.

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Peter Leder setzt auf Gespräche statt sturer Verwaltung.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. 4,5 Milliarden Euro sollen Bürger dem Steuersäckel oder dem Topf der Arbeitslosenversicherung schulden. „Millionenfacher Betrug oder eine Volkskrankheit mit Namen ‚miserable Zahlungsmoral‘? Weder noch“, sagt Peter Leder, Leiter des neuen Inkasso-Services bei der Arbeitsagentur Kiel. „In der Mehrheit wurde zu viel Geld ausgezahlt, weil sich der Vorgang verwaltungstechnisch nicht mehr aufhalten ließ.“ Eine andere wesentliche Ursache sei, dass Leistungsempfänger erst verspätet Änderungen ihrer Einkommenssituation melden, etwa wenn jemand wieder Arbeit gefunden hat. „Natürlich gibt es auch schwarze Schafe, die Geld kassiert haben, ohne einen Anspruch zu haben. Das ist aber eine kleine Minderheit“, sagt Leder.

 Bisher haben Familienkassen, Arbeitsagenturen oder Jobcenter solche Außenstände an spezielle Stellen in den zehn Regionaldirektionen gemeldet. Dort wurde dann das verwaltungstechnische Standardverfahren abgespult: schriftliche Zahlungsaufforderung, Mahnschreiben, dann Vollstreckung durch den Zoll. Fand man bei der Taschenpfändung kein Bargeld, ging es an Lohn oder Gehalt, ans Konto und an Wertgegenstände, bei hohen Beträgen sogar an die Immobilie.

 Der Erfolg war jedoch verbesserungswürdig. Gezahlt wurde allzu oft erst stark verspätet, in jedem zehnten Fall gar nicht. „Das Problem war, dass der strikte Verwaltungsablauf keine Rücksicht genommen hat auf die individuelle Situation der Betroffenen“, sagt Leder. Das soll sich nun ändern. Hilfe vor Drohung und Vollstreckung, lautet die neue Strategie. Bei einem Feldversuch in Kiel soll sich das bereits bewährt haben. 150 Mitarbeiter auf 121 Stellen sollen daher allein von Kiel aus säumige Bürger anrufen, mit ihnen nach einer Lösung wie etwa Ratenzahlung suchen und diese auch festklopfen. Bei der Bundesagentur für Arbeit erwartet man, auf diesem Weg in diesem Jahr 3,5 Milliarden Euro zurückholen, den Rückfluss beschleunigen und die Außenstände reduzieren zu können. „Außenstände wird man bei Leistungen von 74 Milliarden Euro allein im Jahr 2014 aber nie vermeiden können“, stellt Leder klar.

 Bei der Bundesagentur hofft man, dass mit weniger Personal effizienter Inkasso gemacht wird. Eine Strategie, die nicht überall Freude auslöst. Kiel gehört jedoch mit 70 zusätzlichen Arbeitsplätzen zu den Gewinnern: Etliche Stellen sind übrigens noch unbesetzt.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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Foto: Anfang des Jahres hat Jeanette Geuenich (24) ihre Ausbildung zur Bürokauffrau beendet. Der Inkasso-Service der Arbeitsagentur ist ihre erste Stelle. „Mir macht das viel Freude, weil ich helfen kann, Konflikte zu lösen. Ich hoffe, dass ich hier auf Dauer bleiben kann.“

Geld eintreiben ist nicht gerade der Wunschberuf von Frauen. Jeanette Geuenich ist dennoch glücklich, dass sie beim neuen Inkasso-Service der Kieler Arbeitsagentur arbeitet. Dort versucht sie, zu viel gezahltes Kindergeld, Arbeitslosengeld oder Hartz-IV zurückzuholen. „Trotzdem sind die meisten Leute über meinen Telefonanruf froh“, sagt die 24-Jährige.

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