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Aus für die Stadtregionalbahn

Kiel Aus für die Stadtregionalbahn

Paukenschlag im Kieler Rathaus: Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) hat am Dienstag bei einer Pressekonferenz zum öffentlichen Nahverkehr das heftig umstrittene Projekt Stadtregionalbahn für gescheitert erklärt.

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Die Stadtregionalbahn brachte vor allem wegen der auf 380 Millionen Euro geschätzten Kosten viele Gegner auf die Barrikaden.

Quelle: hfr

Kiel. Das Projekt einer Stadtregionalbahn ist gescheitert. Mit diesen klaren Worten verabschiedete sich am Dienstag Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) von dem heftig umstrittenen 380-Millionen-Euro-Vorhaben. Es sei der richtige Zeitpunkt für eine Zäsur, eine Absage an Schienensysteme sei das aber nicht. Er schlägt der Ratsversammlung nun vor, in den kommenden zwei Jahren in einem „Masterplan Mobilität“ über andere Möglichkeiten zum Ausbau des Nahverkehrs wie etwa über eine Stadtbahn zu beraten.

Nach Angaben der Stadt Kiel fielen in den vergangenen Jahren für das gescheiterte Projekt 810000 Euro an Sachkosten an. Aus Sicht von CDU und FDP war der Kursschwenk der Stadt Kiel längst überfällig. „Seit Jahren wurden die für den schnelleren Ausbau der S4 und S21 dringend benötigten Regionalisierungsmittel für die unsinnige grüne Bimmelbahn in Kiel blockiert“, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Jörn Arp.

Schon vor 15 Jahren entstanden erste Pläne, Kiel mit dem Umland über eine Bahn zu verbinden. Vor allem die Kostenschätzungen und Zweifel an der Wirtschaftlichkeit riefen Gegner auf den Plan. Im Dezember 2014 zog sich der Kreis Rendsburg-Eckernförde aus den rot-grün-blauen Plänen zurück, so dass allein der Kreis Plön zusammen mit Kiel an einer abgespeckten Variante festhielt. Dies sei symptomatisch für das Scheitern gewesen, wie Ulf Kämpfer es ausdrückte: Die Stadtregionalbahn habe in den vergangenen Jahren nie die notwendige „kritische Masse der Unterstützung“ erreicht. Gleichzeitig machte er klar, dass das Ende des Projekts nicht gleichzusetzen sei mit einer Absage an den schienengebundenen Verkehr. Kiel und die Region brauchten ein besseres ÖPNV-Angebot, zumal die Zahl der Pendler nach Kiel rein und raus ständig wachse. Er versprach: „Ich werde mich insbesondere dafür einsetzen, dass der Ausbau der Hein-Schönberg-Bahn jetzt möglichst schnell vorangetrieben wird.“

30 Jahre nach Ende der Straßenbahn Linie 4 in Kiel bringen SPD, Grüne und SSW, die sich auf Landes- und Kommunalebene hinter Kämpfer stellen, eine Stadtbahn ins Spiel, die möglicherweise später über die Stadtgrenzen hinaus erweitert werden könnte. Das Ende der Stadtregionalbahn, erklärte Kai Vogel, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, eröffne neue Förderperspektiven. Die Industrie- und Handelskammer zu Kiel dankte Kämpfer für die Entscheidung: Stadt und Wirtschaft sollten nach Ansicht von Hauptgeschäftsführer Jörg Orlemann gemeinsam nach ideologiefreien Lösungen suchen. Zustimmung für Kämpfer kommt auch aus Rendsburg-Eckernförde: Landrat Rolf-Oliver Schwemer sieht die Absage als Chance, gemeinsam andere Projekte voranzubringen.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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