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Kiel: Bessere Verteilung soll allen helfen

Daz-Schulen Kiel: Bessere Verteilung soll allen helfen

Die Zahlen lassen aufhorchen: Rund 750 junge Flüchtlinge lernen an 13 Kieler allgemeinbildenden Schulen Deutsch als Zweitsprache (Daz). Eine Konzentration an manchen Schulen führte zu Klagen und Widerstand. Ab kommendem Schuljahr sollen sie gleichmäßiger auf 53 allgemeinbildende Schulen Kiels verteilt werden.

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So fröhlich und gelassen wie bei Dorota Pellmann in der Theodor-Storm-Schule geht es nicht überall im Daz-Unterricht zu. Nach der deutlichen Kritik der Kieler Schulrätin sollen im neuen Schuljahr weit mehr Schulen für eine bessere Verteilung der Daz-Schüler sorgen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Wie berichtet, hatte Kiels Schulrätin Barbara Weber bereits Anfang dieses Jahres auf Mängel bei der Verteilung junger Flüchtlinge in die Regelschulen hingewiesen: „Die Solidarität einiger Schulen lässt hierbei deutlich zu wünschen übrig.“ Anlass ihres Unmuts war die Weigerung einiger Gymnasien oder Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe, 13 Daz-Schüler trotz einer Gymnasialempfehlung aufzunehmen. Kurz darauf lagen die Aufnahmezusagen dann doch vor, nachdem das Schulministerium sich der Sache annahm.

 Trotzdem veränderte sich die angespannte Lage einiger Schulen mit besonders vielen Daz-Schülern offenbar nicht grundlegend. Besonders heraus ragt dabei die Gemeinschaftsschule Friedrichsort, die ihre 59 Daz-Schüler in nur zwei Gruppen betreuen muss. Zur räumlichen Entlastung will die Stadt nach Informationen dieser Zeitung nach den Sommerferien zwei bis maximal vier Unterrichtscontainer aufstellen lassen. Insider, die ihren Namen „auf keinen Fall“ öffentlich machen wollen, berichten aber nicht nur von räumlich äußerst beengten Verhältnissen. Es sei vereinzelt auch zu Handgreiflichkeiten, Belästigungen von Mädchen oder gar mutwilliger Zerstörung gekommen.

 Auf Nachfrage bestätigt das Ministerium zumindest eine solche „angestrengte Situation“ an einer Mettenhofer Schule, bei der Toiletten massiv beschädigt wurden. Die Verursacher sollen aus den Daz-Basiskursen stammen. Nach Angaben des Ministeriumssprechers Thomas Schunck sei dies jedoch noch nicht abschließend bestätigt worden.

 Als Grund für die Konzentration von Daz-Schülern mit den daraus folgenden Belastungen nennt das Ministerium, dass die Kieler Daz-Zentren mit ihren Außenstellen im Laufe der Zeit Basiskurse in einem Umfang aufnehmen mussten, „der nicht voraussehbar war“. Zudem habe dieses System einen hohen Organisationsaufwand nötig gemacht.

 Ab kommendem Schuljahr wird nun ein neues System aufgebaut. Statt der bislang zwei Daz-Zentren (inklusive Neben- und Außenstellen 13 Schulstandorte) soll es laut Ministerium an „mehr“ Schulen „aller Schularten“ Daz-Zentren mit jeweils ein bis zwei Basiskursen geben. An wie vielen Schulen dies geschehe, stehe noch nicht fest. Im Prinzip gelte dabei auch für Daz-Schüler eine freie Schulwahl. Sei die Aufnahmekapazität der Wunschschule erschöpft, entscheide die Schulaufsicht in Absprache mit Eltern und Schulleitungen.

 Die breitere Verteilung habe noch eine weitere Folge: Kinder und Jugendliche seien künftig bereits in Daz-Basiskursen „Schüler dieser Schule“. Das heißt: Sie lernen dort nicht nur die neue Sprache, sondern sollen dort auch „teil-integriert“ werden. Nach Vorstellung von Stadt und Land könne dies eine Teilnahme am regulären Unterricht ebenso bedeuten (wenn es vor allem sprachlich möglich und sinnvoll ist) wie die Teilnahme am Mittagessen oder an Ganztagsangeboten. Damit der entzerrende Wechsel auf Wunschschulen funktionieren kann, hat die Stadt nach Angaben des Ministeriums die Übernahme der Fahrtkosten in Form von Bustickets zugesichert. Die Stadt selbst hält sich zum Thema Kosten noch bedeckt: Ihre Höhe stehe noch nicht fest, man sei noch mit dem Land im Gespräch.

 Dass es überhaupt zu einer Neuordnung kommt, ist wohl vor allem dem Druck einiger Schulleiter sowie der Stadt beim Land zu verdanken. Auch dazu äußern sich beide Seiten nur vage. Die Stadt teilte dazu mit, man habe entsprechende „Ideen aus der Schullandschaft“ aufgegriffen. Das Ministerium bestätigte lediglich, Kiels Bildungsdezernentin Renate Treutel habe „mehrfach mit dem Ministerium kommuniziert und dabei ihre Vorstellungen formuliert“.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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