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Daten, die Stadtgeschichte erzählen

Kiel Daten, die Stadtgeschichte erzählen

862 Professoren und Professorinnen auf einen Klick – seit Donnerstag ist das „Kieler Gelehrtenverzeichnis“ als Onlinekatalog freigeschaltet. Es ist ein ungewöhnliches Projekt, betont der Kieler Regionalhistoriker Prof. Oliver Auge: „Die Datenfülle, die wir liefern, ist bisher unerreicht.“ Ein Blick in das elektronische Verzeichnis verspricht, auch bisher unbekannte Details der Stadtgeschichte zu entdecken.

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Dr. Else Wischermann, Leiterin der Universitätsbibliothek (links), Prof. Oliver Auge und Swantje Piotrowski präsentieren die in der Ausstellung über exzellente Köpfe gezeigte Adelsurkunde und Ordenskette des Medizin-Gelehrten Friedrich von Esmarch.

Quelle: Frank Peter

KIEL. Von Abert bis Zschucke: Mit der Musikwissenschaftlerin Anna Abert, eine der nur acht aufgelisteten Professorinnen, startet die Sammlung über die Gelehrten, die an der Kieler Uni von 1919 bis 1965 gewirkt haben. Mit dem Tropenmediziner Johannes Zschucke, der 1953 bei dem Versuch, einen Bergsteiger in den Alpen zu retten, starb, endet sie. Fünf Jahre lang trugen Arbeitsgruppen am Historischen Seminar und der Informatik Daten über die Professoren zusammen, werteten sie aus und verknüpften sie. Dabei gab es unzählige für Historiker typische Erkundungen in Archiven. Die Informatiker um Prof. Norbert Luttenberger, die 2013 zum Projekt stießen, wiederum verwandten Methoden des Semantic Web. In der Cloud wurden Zusammenhänge deutlich, die in einer normalen Datenbank unentdeckt geblieben sind: „Man kann entdecken, spielen und lernt viel dabei.“ Neben Fotos, Kurzbiografien, persönlichen Daten, wissenschaftlichem Profil und Lebensstationen sind auch Informationen über Familienmitglieder, Wohnorte, Herkunft, Ehrungen und Konfessions- und Parteizugehörigkeit aufgelistet – so weit sie zugänglich waren. Dass ein Schwerpunkt des Verzeichnisses sich mit der Tätigkeit der Professoren in der Nazizeit befasst, stuft Auge ebenfalls als ein Alleinstellungsmerkmal des Kieler Katalogs ein: Von insgesamt 256 Professoren gehörten laut der Recherche 171 der NSDAP an.

Die Angaben über die Wohnorte und Stadtpläne ergaben in einigen Fällen, dass es in Kiel Häuser gab, in denen zeitgleich mehrere Professoren lebten. Die meisten ließen sich in Düsternbrook nieder, aber mit den Jahren entwickelte demnach auch Kronshagen Sogwirkung auf die Gelehrten. Im Schnitt hatten die Kieler Professoren, so Auge, 2,3 Kinder, während ihre Kolleginnen, in dem Untersuchungszeitraum alle noch außerplanmäßig oder als Honorarkräfte berufen, in der Regel ledig und kinderlos waren. Prof. Hermann Anschütz, der 1904 den Kreiselkompass entwickelte, war mit acht Kindern die Ausnahme. Die Bedeutung des Familienstammbaums war immens, was sich im 20. Jahrhundert in Professoren-Dynastien wie den Rendtorffs und „Vererbung“ von Lehrstühlen niederschlug, berichtet Auges Mitarbeiterin und Historikerin Swantje Piotrowski. 4000 Informationen zu Verwandten sind im Gelehrtenverzeichnis zu finden. Ende des Jubiläumsjahres zum 350. Uni-Geburtstag läuft das vom Präsidium der Uni unterstützte Projekt aus. Ob und wie es weitergeht, ist noch nicht geklärt. Derzeit werden aber bereits weitere Daten von Professoren nach 1965 gesammelt und daran gearbeitet, dass auch Audiobeiträge im Verzeichnis abgerufen werden können. Das Verzeichnis ist online unter www.gelehrtenverzeichnis.de

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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