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Der lange Abschied von der Plastiktüte

Ratsversammlung Der lange Abschied von der Plastiktüte

Es war ein Abschied auf Raten, der am Dienstag endgültig vollzogen wurde: Im Lebensmittelmarkt Rewe an der Projensdorfer Straße ging die allerletzte Plastiktüte über den Tisch. Für die Kieler ist der Vorstoß nichts Neues, sondern nach einem Beschluss der Ratsversammlung erklärter politischer Wille.

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Die letzte Rewe-Tüte aus Plastik: Künftig wird auch Karen Kröger ihren Einkauf anders nach Hause tragen.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Ab sofort erhalten Kunden, die eine Tragetasche für ihre Einkäufe benötigen, ausschließlich Produkte aus Papier, Pappe oder Baumwolle. Ein Bündnis von Einzelhandel, Abfallwirtschaftsbetrieb (ABK), Interessengemeinschaften, Verbänden und Verbraucherzentrale setzt sich seit 2015 für eine plastiktütenfreie Innenstadt ein, unter anderem mit einer Plakat- und Postkartenaktion.

 Die Akzeptanz der Kunden wächst, die Anzahl der ausgegebenen Plastiktüten im Einzelhandel sinkt. So jedenfalls lautet der Tenor vieler Geschäftsleute seit Beginn der Aktion. Und auch Stefan Karbach, Leiter des Rewe-Marktes in Projensdorf, bewertet die Reaktion seiner Kunden inzwischen als positiv. Das war nicht immer so, wie drei Kundenbefragungen während einer viermonatigen Testphase gezeigt hatten. „Am Anfang gab es viel Kritik, zum Beispiel daran, dass die Papiertüten im Regen nicht halten“, sagte Karbach bei der symbolischen Verabschiedung der letzten Plastiktüte. „Bei der dritten Befragung gab es dann aber 90 Prozent Zustimmung.“ Alles eine Frage der Gewöhnung? Seit 1. Juli gibt es bei Rewe bundesweit nur noch Papiertüten für 20 Cent, Pappkartons für einen Euro, Baumwolltaschen für 1,79 Euro und sogenannte Permanent-Taschen aus Recycling-Material für 99 Cent. „Am beliebtesten ist Papier, aber viele Leute bringen inzwischen auch immer öfter ihre eigenen Taschen mit.“

 So wie Gerda Thomsen, die ihre Lebensmittel grundsätzlich im mitgebrachten Korb verstaut. „Das ist besser so, der Umwelt zuliebe.“ Rewe, zweitgrößter Lebensmittelhändler Deutschlands, beziffert die Zahl der eingesparten Plastiktüten auf 140 Millionen und geht damit über die freiwillige Selbstverpflichtung hinaus. Danach sollen ab 1. Juni 2016 keine kostenlosen Plastiktüten mehr an Kunden abgegeben werden. „Es gibt inzwischen auch in Kiel etliche Unternehmen, die die Kostenpflicht eingeführt haben oder ganz auf Plastiktüten verzichten“, sagte Hans-Martin Bohac vom Einzelhandelsverband Nord. Für die Einzelhändler der Interessengemeinschaft „Die Holtenauer e.V.“ ist die Veränderung nach Angaben von Sprecherin Andrea Hake gar nicht so groß, weil viele ohnehin keine Plastiktüten mehr anbieten. „Sieben Geschäfte sind nach Beginn der Plakataktion noch aufgesprungen.“

 Seit die Buchhandlung Hugendubel in der Holtenauer Straße nicht mehr automatisch eine Tüte über den Tresen schiebt, seien auch die Kunden bewusster geworden, berichtet Susanne Kabke. Nach Ansicht von Nicoline Henkel, Umweltschutzamt Kiel, spielen die Kosten bei der Reduzierung eine große Rolle. Für Spontankäufe plane die Interessengemeinschaft Blücher e.V. derzeit die Einführung einer kleinen faltbaren Tasche, die in jeden Mantel passe. „Ganz werden wir die Plastiktüten nicht verdrängen, aber wir können vermeiden, dass so viele verschwendet werden.“

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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Tüten-Nostalgie
Foto: Martha Hesselbarth (83) besitzt nicht nur eine umfangreiche Sammlung alter Plastiktüten, sondern weiß sogar noch, was sie darin transportiert hat. „Was ich für wertvoll halte, will ich behalten“, erklärt die Kielerin ihre Tüten-Nostalgie.

Eigentlich ist sie gerade auf dem Rückzug, die gute, alte Plastiktüte mit Geschäfts-Logo, die es früher an jeder Kasse ungefragt zur Ware dazu gab und die heute als Umweltsünde schlechthin ganz langsam aus Läden und Haushalten verschwindet. Aber, Hand aufs Herz: Ein bisschen schade ist das ja schon.

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