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Die Altstadt bleibt auf der Strecke

Einzelhandel Die Altstadt bleibt auf der Strecke

Zu viele Baustellen, zu hohe Mieten: Viele Einzelhändler in der Innenstadt von Kiel geben auf oder suchen sich einen anderen Standort. Kochfest schließt bereits in wenigen Wochen.

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Mitte September muss auch „Kochfest“, der Laden für hochwertigen Küchenbedarf am Alten Markt, zum großen Bedauern der Inhaberin schließen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Die Kieler Innenstadt steht vor einem Entwicklungsschub: von Schlossquartier, Alte Feuerwachse bis hin zum Hotel- und Wohnkomplex am Bootshafen und dem Kleinen Kiel-Kanal. Während die Industrie- und Handelskammer und die Stadt auf positive, längst überfällige Impulse für Kiels Mitte hoffen, wenn alle Projekte bis 2019 fertig gebaut sind, geht bei kleinen Einzelhändlern aktuell die Existenzangst um. Schon jetzt schreckten die Straßensperrungen und Baustellen Kunden ab, heißt es.

 Wer derzeit durch die Altstadt bummelt, dessen Weg führt vorbei an Baustellen und etlichen Schaufenstern mit Schildern „zu vermieten“ sowie Leerständen. „Die Lage wird langsam bedrohlich. Wir fühlen uns teilweise hermetisch abgeriegelt“, klagt Ruth König, Inhaberin vom Musikgeschäft Klassik und Jazz in der Dänischen Straße. Seit zweieinhalb Jahren sei der Jensendamm wegen des Wohnprojekts Alte Feuerwache bereits gesperrt. Dazu kämen die Sperrungen wegen der Bauarbeiten in der Eggerstedtstraße. Auch in der Kehdenstraße ging eine zeitlang nichts mehr, weil die Stadtwerke Leitungen verlegen mussten. Die Folge: Gerade ältere Stammkunden seien seltener in Königs Geschäft gekommen, zumal viele Auswärtige Probleme hatten, die Zufahrten der Parkhäuser zu finden.

 Warum alle Baustellen auf einmal?

 Bis zu zehn Prozent Umsatz habe sie verloren, schätzt Ruth König, die am 4. Oktober ihr 20-jähriges Geschäftsjubiläum feiert und ihre Kunden beraten will, solange es gesundheitlich geht. Doch der Blick in die nächste Zukunft fällt ein wenig düster aus: „Dass durch die Wohnprojekte Leben in die Altstadt kommt, finde ich gut. Die Baustellen müssen sein, aber warum alle auf einmal?“

 Tatsache ist, dass Kiels Zentrum vor der größten Umgestaltung seit Jahrzehnten steht: Neue Geschäfte, Wohnungen, Hotels, Lokale und die Neugestaltung der Holstenbrücke durch den Kleinen Kiel-Kanal werden der gesamten Innenstadt bis 2019 ein völlig neues Gesicht geben. Darin aber liegt das Dilemma. Es wird in den nächsten drei Jahren an vielen Stellen gleichzeitig kräftig gebuddelt – Lärm, Staub und Verkehrsbehinderungen inklusive. Gerade die kleinen Einzelhändler, denen ohnehin auch der Internethandel zu schaffen macht, wissen nicht, wie sie die Durststrecke bis dahin überleben sollen.

 Kochfest schließt im September

 Karolina Hofmann, Inhaberin von „Kochfest“, hat bereits aufgegeben: Am 15. September schließt sie den Laden für hochwertigen Küchenbedarf am Alten Markt, nachdem sie ebenso wie ihre Angestellten mit „Herzblut“ hinter der Theke gestanden hat. Baustellen, fehlende Parkplätze und Laufkundschaft, hohe Miete und die Konkurrenz durch den Internet-Handel – dass sie erst jetzt zum Räumungsverkauf mit Rabatten bis zu 30 Prozent viele bekannte Kunden wiedersieht, enttäuscht sie maßlos: „Viele bedauern die Geschäftsaufgabe, haben sich aber lange nicht blicken lassen. Von drei Monaten im Jahr kann man aber nicht überleben.“

 Nur ein paar Meter weiter sucht ein Modeladen einen Nachfolger, ein anderer ist bereits ausgeräumt. In der Dänischen Straße hat der Schmuck- und Modeladen „Konplott“ am 31. Juli geschlossen. Auf einem Schild ist zu lesen, warum: „Leider lassen uns die Baustellen um uns herum keine andere Wahl.“

 Lösung gesucht

 Wie sich die Lage am Alten Markt schon kurzfristig verbessern könnte, darauf hat Ruth König eine Antwort parat: „Die privaten Vermieter müssten alle mit der Miete runtergehen, damit sich neue Geschäfte ansiedeln könnten.“ Angesichts der bekannten Probleme mit so mancher Erbengemeinschaft und einigen auf schnellen Profit fixierten Eigentümern weiß sie, „aber das ist wohl ein Traum“.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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