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„Emden“-Familie ging in Kiel an Land

Schleswig-Holstein „Emden“-Familie ging in Kiel an Land

Viele von ihnen tragen „Emden“ als Teil ihres Nachnamens: An diesem Wochenende besuchen etwa 60 Nachfahren der Besatzung des Kleinen Marinekreuzers „Emden“ die Landeshauptstadt.

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Tradition für ein friedliches Miteinander: Viele Nachfahren der „Emden“-Besatzung sind an diesem Wochenende zu Besuch in Kiel. Mittlerweile gehört die fünfte Generation zu der Gruppe, die sich jährlich in einer anderen Stadt in Deutschland trifft.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Das Schiff und seine Mannschaft waren im Ersten Weltkrieg berühmt geworden. Die Geschichte der Überlebenden wurde mehrfach verfilmt, zuletzt im ARD-Zweiteiler „Die Männer der Emden“, der im vergangenen Frühjahr ausgestrahlt wurde.

 Die realen Nachkommen der Protagonisten nennen sich „Emden“-Familie und besuchen in jedem Jahr gemeinsam eine andere Stadt. An diesem Wochenende ist Kiel das Ziel der Reisegruppe. Auf dem Besuchsprogramm stehen unter anderem die Besichtigung der „Gorch Fock“, ein Besuch am Ehrenmal in Laboe sowie eine Hafenrundfahrt und Vorträge. Aus ganz Deutschland sind Kinder, Enkel und Urenkel der einstigen „Emden“-Besatzung in den Norden gekommen. Zuletzt war die „Emden“-Familie 1964 gemeinsam an der Förde, damals noch mit lebenden Besatzungsmitgliedern. Am Freitagmittag stand auch ein Besuch im Rathaus an. Die „Emden“-Familie stehe nicht für eine „falsche Glorifizierung, sondern als Mahnung für ein friedliches Miteinander“, unterstrich Stadtrat Wolfgang Röttgers beim Empfang im Namen der Stadt.

 Henning Bess, Flottillenadmiral a.D. und Sprecher der Gruppe, erinnerte an die Verbindungen, die die „Emden“ mit dem Marinestandort Kiel hatte. So wurde das Schiff schon kurz nach dem Stapellauf 1908 in Danzig an die Förde geschickt und dort eingedockt. Grund waren Probleme mit der Geschwindigkeit des Schiffes. Auch das erste offizielle Foto der „Emden“ entstand in Kiel. Nach einigen Übungen auf der Förde passierte das Schiff den damaligen Kaiser-Wilhelm-Kanal und wurde während einer Probefahrt unter der Levensauer-Hochbrücke aufgenommen.

 Jens Jacobus, ehemaliger Leiter des Kieler Hochbauamtes, gehört ebenfalls zu den Nachfahren der „Emden“-Besatzung. Sein Großvater Hellmuth von Mücke diente als Erster Offizier auf dem Kriegsschiff und führte als einer von 50 Überlebenden die Besatzung auf einer eindrucksvollen Reise mit Segelschiffen und Kamelen zurück ins damalige Deutsche Reich. Vor etwa drei Jahren ist sein Enkel Jens Jacobus zur „Emden“-Familie gestoßen, hat jetzt den Besuch der Gruppe an der Förde organisiert. „Ich bin eigentlich durch einen Zufall und Recherche im Internet zur „Emden“-Familie gekommen“, erinnerte sich Jacobus. Schnell habe er die Mitglieder der Gruppe kennengelernt und gemerkt: „Das hat mit Heldenverehrung nichts zu tun.“

 Etwas, was viele Familienmitglieder bis heute verbindet ist der Name „Emden“. Der preußische Innenminister erlaubte den zurückgekehrten Besatzungsmitgliedern damals, „Emden“ als Zusatz des Nachnamens zu führen. Diese im deutschen Namensrecht einmalige Möglichkeit gilt seit fast 100 Jahren bis heute und wird von einer ganzen Reihe der Nachfahren genutzt.

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Ein Artikel von
Paul Wagner
Redaktion Lokales Kiel/SH

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