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Melika: Empörung über Bürokratie

Kiel Melika: Empörung über Bürokratie

Die Geschichte der elfjährigen Melika, die seit fünf Monaten vergeblich um eine Krankenversicherung kämpft, hat Empörung, massive Kritik, aber auch eine ungeahnte Hilfsbereitschaft ausgelöst. Der Kinderschutzbund fordert eine Gesundheitskarte für alle Kinder: „Es kann nicht sein, dass Kinder wie Melika Opfer der Bürokratie werden“, kritisiert die Landesvorsitzende Irene Johns.

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Verloren im Behörden-Dschungel fühlen sich Melika und Maryam Rezai, hier mit ihrer Rechtsanwältin Faeghen Alizadeh-Aghdame.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Sowohl in der Redaktion als auch bei der Rechtsanwältin von Melikas Mutter stand das Telefon am Freitag nicht still. Das Schicksal von Melika, die als anerkannter Flüchtling mit ihrer Mutter in Kiel lebt, wurde immer wieder als „empörend“, „unfassbar“ und „menschenverachtend“ kritisiert. Melika wird die Krankenversicherung verweigert, weil sie keine Geburtsbescheinigung vom iranischen Staat vorweisen kann und damit für die Behörden und die AOK nicht nachgewiesen ist, dass sie die leibliche Tochter von Maryam Rezai ist. Melika braucht aber dringend eine Brille.

 Viele Leser boten an, einen schnellen Augenarzttermin zu vermitteln oder sogar auf den eigenen Termin zu verzichten. Andere wollten spontan die Brille für Melika aus eigener Tasche bezahlen. Beides ist aber nicht notwendig: Zahlreiche Augenärzte, Optiker, aber auch die Praxis ohne Grenzen in Bad Segeberg haben Hilfe angeboten. Melika wird also schnell bei Optiker Moll eine Brille bekommen und dann auch im Gymnasium wieder alles von der Tafel lesen können.

 Hilfsangebote gab es auch für einen Abstammungstest: Maryam Rezai möchte damit ihre Mutterschaft für Melika nachweisen und so eine Familienversicherung erreichen. Bisher konnte die Hartz-IV-Empfängerin die Kosten für den Test aber nicht aufbringen. Nun übernimmt dies die Firma Planton.

 Maryam Rezai möchte auf diesem Weg allen Menschen, die spontan Hilfe angeboten haben, von Herzen danken. Das grundsätzliche Problem einer regulären Krankenversicherung ist damit aber noch nicht gelöst. Und es ist offenbar kein Einzelfall: Andere Eltern, die durch Flucht oder die politischen Verhältnisse in dem Heimatland keine Geburtsurkunde beibringen können, haben Ähnliches erlebt. Und es sollen auch Kinder, die allein flüchten oder auf ihrer Flucht ihre Eltern verloren haben, betroffen sein. „Wir halten die Regelung auch für völlig unbefriedigend. Aber wir müssen uns an die Bestimmungen halten“, sagte Jens Kuschel, Sprecher der AOK Nordwest.

 Irene Johns vom Kinderschutzbund verweist auf die UN-Kinderrechtskonvention und die EU-Aufnahmerichtlinie: „Es ist unsere humanitäre Pflicht, Flüchtlingskindern möglichst schnell freien Zugang zum Gesundheitssystem zu verschaffen – am besten in Form einer Gesundheitskarte.“

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