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Flora und Fauna auf dem Urnenfriedhof

Kiel Flora und Fauna auf dem Urnenfriedhof

Ein Friedhof ist zwar ein Ort der ewigen Ruhe, doch er ist auch Lebensraum für eine Fülle an Fauna und Flora. Für Insekten in Wildwiesen, Vögel in Bäumen und Kleintieren im Gehölz: Leiter Jörg Hantelmann zeigte, was auf dem Alten Urnenfriedhof alles kreucht und fleucht, fleißig brummt und summt.

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Es gibt viel zu entdecken, der schöne Urnenfriedhof lädt zum Verweilen und Entspannen ein.

Quelle: Katharina Dreyer

Kiel. 1916 entstand der Alte Urnenfriedhof an der Eichhofstraße als kleiner Hain im Zuge des Krematoriumsbaus. Heute gehört er mit seinen 7,4 Hektar zu den schönsten Kieler Grünflächen. Das er sich seit seiner Gründung so vielfältig entwickelt hat, liegt vor allem an der Liberalisierung des deutschen Bestattungswesens. „Ganz viele lassen sich mittlerweile anonym, in Wäldern oder zur See bestatten. Dabei bleiben die Friedhöfe auf der Strecke“, erklärte Hantelmann. Um mit dem Trend zu gehen, wird der Alte Urnenfriedhof deshalb seit sieben Jahren vom klassischen Friedhof zum Bestattungspark umgestaltet. 

Ob Gräber im Rasen oder direkt unter Bäumen, gefragt ist vor allem die Verbundenheit mit der Natur. Und so wundert es nicht, dass auf einem Grabfeld ein Insektenhotel steht, eine wilde Wiese mit seinen Brummern genügend Nahrung für die Libellen des friedhofseigenen Teiches bieten und Lebensraum für Vögel wie Grün- und Buntspecht oder Schwanzmeise ist. Am Rande des Friedhofes stehen seit fünf Jahren zudem zehn Bienenvölker des Imkers Jens Köhn, der den Besuchern zeigte, wie das Innenleben aussieht. „Das Nahrungsangebot ist für die Bienen sehr groß und abwechslungsreich, außerdem wird kein Pflanzengift verwendet und das Team steht mir sehr zur Seite“, zählte der Imker mit 20-jähriger Erfahrung die Vorzüge des Standortes auf. Das einzige, wogegen er etwas unternehmen müsste, seien die Milben in den Bienenkästen. „Dagegen wird 60 bis 85 prozentige Ameisensäure in den Kästen gestellt, die Säure verdunstet und das mögen die Milben nicht“, beschrieb er. Würde die Ameisensäure nicht zum Einsatz kommen, könnten die Bienen innerhalb von zwei Jahren sterben.  Die kleinen Besucher fanden besonders den Schaukasten mit einem Bienenvolk spannend, darin konnten sie die mit einem blauen Stern markierte Königin finden. Ebenso gab es Geschmacksproben seines Honigs. „Am Anfang war der Imker etwas zögerlich, nach kurzer Zeit aber begeistert von dem Standort“, verriet Hantelmann. Er ist sich sicher: „Es gibt keinen besseren und gesünderen Honig“. Das kann auch Imkerin und Besucherin Helga Sigg aus Kiel bezeugen. „Honig von Friedhofsbienen ist immer gut, weil es viel Nahrung für sie gibt, vor allem bei den Spätblütlern“, sagt sie.

Es gibt viel zu entdecken, der schöne Urnenfriedhof lädt zum Verweilen und Entspannen ein. Nur ein Tier möchte bislang noch nicht hierherziehen: „Wir haben seit einiger Zeit Fledermauskästen aufgestellt, doch die sind alle nicht genutzt worden“, bedauert Hantelmann.

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