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Willkommensinitiative bittet zum Dinner

Kiel-Friedrichsort Willkommensinitiative bittet zum Dinner

Die Willkommensinitiative Kiel-Friedrichsort steht den auf dem ehemaligen Areal des Marinefliegergeschwaders (MFG5) lebenden Flüchtlinge nicht nur im Alltag zur Seite. Sie schlägt auch Brücken zu den Menschen aus der Region. Neuestes Projekt ist das „Willkommensdinner“, bei dem Asylbewerber und Einheimische sich zum Abendessen treffen.

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Sam Galal (links) und Schiwan Alabdullah, die sich in der Reparaturwerkstatt engagieren, helfen beim Ausladen von gespendeten Fahrrädern.

Quelle: Ingrid Haese

Kiel. Ein Zuhause auf Zeit und eine erste Unterkunft haben die Flüchtlinge in den Kasernengebäuden am Schusterkrug gefunden. Dort werden sie vom Christlichen Verein zur Förderung sozialer Initiativen in Kiel betreut. Mit im Boot ist außerdem die Zentrale Bildungs- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Migranten (ZBBS), die unter anderem den Deutschunterricht organisiert. Dritter Ansprechpartner ist die Willkommensinitiative. Die Friedrichsorterin Stefanie Sievert gründete den inzwischen knapp 50 Mitglieder starken Verein im September 2014 und ist seine Vorsitzende. Zum Unterstützerkreis der Initiative gehören mittlerweile 150 Menschen, die zahlreiche Aktionen auf die Beine gestellt haben und Workshops anbieten.

 Die Kielerin Frederike Nicolaisen koordiniert federführend das Angebot „Willkommensdinner“. Die Einladung zum Abendessen sprechen dabei Gastgeber aus ganz Kiel aus. Sie bitten jeweils zwei Flüchtlinge zu sich nach Hause und kochen für sie. Beim gemeinsamen Essen ist dann Zeit, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich gegenseitig kennenzulernen. „Wir achten darauf, dass mindestens einer der Flüchtlinge schon etwas Deutsch spricht oder Englisch kann“, erläutert Stefanie Sievert zum Vermittlungsprozedere. Die Aktion ist erfolgreich angelaufen. „Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht, die Leute sind neugierig auf die Flüchtlinge, wollen wissen, was sie erlebt haben, und die Flüchtlinge finden es ganz spannend, zu sehen, wie Familien in Deutschland leben“, berichtet Stefanie Sievert.

 Ein Erfolg ist außerdem die Fahrradwerkstatt. Dort sorgen Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer dafür, dass alle gespendeten Drahtesel fahrtüchtig sind. Die Werkstatt, die noch keinen festen Stützpunkt auf dem Gelände hat, soll demnächst in einen Container ziehen. Für seine Anschaffung hat die Willkommensinitiative bereits 2800 Euro an Spenden zusammengetragen, 800 Euro fehlen jetzt noch. „Fahrräder sind unheimlich wichtig, damit die Menschen mobil sind, besonders aktiv ist hier Christiane Kampen, die schon 200 Fahrräder eingesammelt hat, aber wir benötigen noch mehr, und Fahrradschlösser fehlen uns außerdem“, fasst Stefanie Sievert zusammen. Auf der Wunschliste der Willkommensinitiative steht noch dazu ein Kleintransporter, um Flüchtlinge zu Veranstaltungen fahren zu können. „Ein eigener Kleinbus wäre praktisch, wir organisieren die Fahrten jetzt mit unseren privaten Autos oder fahren mit Linienbussen, aber da fehlt uns weiteres Geld für die Fahrkarten, deshalb wünsche ich mir, dass es für den Verein Busfahrkarten regnet, denn Mobilität ist der Schlüssel zu allem“, erläutert Stefanie Sievert. Die Nähwerkstatt ist ebenfalls noch nicht komplett ausgestattet, die Gruppe unter der Leitung von Ulrike Thoms benötigt vor allem Kurzwaren.

 Für den Mannschaftssport Beachvolleyball ist hingegen das Equipment vollständig. Das auf dem MFG 5 Gelände vorhandene Spielfeld, das von Grün überwuchert war, hat eine Gruppe von Flüchtlingen wieder bespielbar gemacht. Den neuen Sand lieferte die Stadt Kiel. Und abgeschlossen ist ebenso das Filmprojekt. Die Willkommensinitiative drehte einen 20-minütigen Kurzfilm. „Lailas erster Schultag“ heißt er. Im Zentrum der fiktiven Geschichte steht ein Mädchen aus Afghanistan, das von deutschen Mitschülerinnen gemobbt wird, aber eine Freundin findet, die zu ihr hält und gegen die Bande vorgeht. Der Film soll in Grundschulen gezeigt werden. „Xavier Naidoo hat uns sogar erlaubt, seinen Song ,Bitte hör’ nicht zu träumen“ für unseren Film zu benutzen“, berichtet Stefanie Sievert. Die Willkommensinitiative Friedrichsort bringt derzeit ein weiteres Angebot auf den Weg, möchte eine Musik- und Tanzgruppe etablieren.

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