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AOK zieht sich aus Gaarden zurück

Kiel AOK zieht sich aus Gaarden zurück

Lange vorbei sind auf dem Vinetaplatz die Zeiten des Kaufhauses Stahl & Stiller. Vorbei sind nun auch die Zeiten der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK), die bislang den größten Teil des historischen Gebäudes genutzt hatte.

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Das ehemalige Kaufhaus Stahl & Stiller ist ein prägendes Gebäude auf dem Vinetaplatz. Mit der AOK ist nun eine wichtige Mieterin ausgezogen.

Quelle: Martin Geist

Gaarden. Was aus dem prominenten Leerstand wird, ist noch offen. Immer mehr Dienstleister schließen heutzutage Filialen, weil ein zunehmender Teil des Geschäfts via Internet erledigt wird. In diesem Fall verhält es sich eher gegenteilig. „Wir hatten in Gaarden unsere Kapazitätsgrenzen erreicht und mussten eine andere Lösung suchen“, beschreibt Maik Vonau das Problem. Nach Darstellung des Regionaldirektors sind zahllose AOK-Kunden lieber physisch als online präsent. Und zwar mit „hoher Frequenz“.

 Derzeit schauen Woche für Woche ungefähr 1000 Versicherte persönlich bei der Kasse vorbei, was in Gaarden zu teils erheblichen Wartezeiten führte. Den bereits vorhandenen Standort in der Raiffeisenstraße 1 hat die AOK nun erheblich aufgestockt. Statt acht sind dort jetzt mehr als 20 Kräfte beschäftigt, so dass laut Vonau die Wartezeiten insgesamt stark verkürzt werden können. Ein weiterer Vorteil besteht aus seiner Sicht darin, dass das neue Kundencenter direkt beim Hauptbahnhof liegt und mit öffentlichen Verkehrsmitteln „ideal erreichbar“ ist. Für Versicherte aus dem Gaardener Zentrum sei sogar der Fußweg zur neuen Adresse nicht übermäßig lang.

 Beschwerden oder gar Proteste hat es nach Angaben des Regionaldirektors wegen der Schließung so gut wie nicht gegeben: „Es war sehr, sehr ruhig.“ Maßgeblich lag das nach seiner Einschätzung daran, dass die Angelegenheit früh kommuniziert wurde und in vielen persönlichen Gesprächen die Hintergründe erläutert wurden.

Grundsätzlich profitiert die AOK derzeit offenbar davon, dass andere Kassen weniger Präsenz vor Ort zeigen. Weil man nach wie vor von Mensch zu Mensch ansprechbar sei, habe man „eine ganze Menge Kunden dazugewonnen“, sagt Vonau.

Unterdessen steht die zukünftige Nutzung des mehr als 100 Jahre alten Hauses, das zu den schönsten am Vinetaplatz gehört, in den Sternen. Mehr als 900 Quadratmeter umfasst die Nutzfläche, mit zwei Etagen zuzüglich Keller fürs Archiv hatte die AOK den allergrößten Teil davon belegt. Offiziell tut sie das immer noch, denn der Mietvertrag läuft am 30. September aus. Gleichwohl löst der Rückzug der Kasse im Stadtteil schon deshalb keine Begeisterung aus, weil Leerstand an einem so herausgehobenen Ort immer ein unschönes Bild bietet. Auch dürfte es nicht ganz einfach werden, ein Objekt dieser Größe zu vermieten.

 Zumal nach Möglichkeit nicht irgendjemand einziehen soll, sondern ein vielleicht in Handel oder Gastronomie angesiedeltes Gewerbe, das belebend aufs Gaardener Zentrum insgesamt wirkt. Ob daraus etwas wird, lässt sich nicht absehen. Die Vermarktung der Immobilie hat noch nicht begonnen.  Die Fragezeichen ums ehemalige Kaufhaus Stahl & Stiller reihen sich in eine lang anhaltende Serie des Rückzugs traditionsreicher Geschäfte ein. 2004 schloss in der Elisabethstraße das Möbelhaus Strunk, 2006 folgte Spielwaren Schönfelder, und seit Anfang 2010 ist auch Betten Mohr Geschichte.

Ein spezifisch Gaardener Trend ist das allerdings nicht, sondern vielmehr die Folge davon, dass vom Ostseepark Schwentinental bis zum CITTI-Park in Kiel die Konkurrenz auf der grünen Wiese den Fachhändlern in den Stadtteilen das Wasser abgräbt.

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