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Fröhliches Willkommensfest mit leisen Sorgen

Gaarden Fröhliches Willkommensfest mit leisen Sorgen

Die Zeiten sind merkwürdig schnelllebig. Erst wurden die Flüchtlinge freudigen Herzens begrüßt, dann kippte die willkommenskulturelle Offenheit in Krisenstimmung. Und jetzt breitet sich gleich wieder die Furcht vor einer neuen Krise aus.

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Einfach an die Hand nehmen und loslegen: Ausgiebig wurde auf dem Vinetaplatz zu arabischer Musik getanzt.

Quelle: Martin Geist

Gaarden. „Welcome Gaarden“ hieß es am Sonntag auf dem Gaardener Vinetaplatz. Bioladen-Besitzer Thilo Pfennig und einige Mitstreiter hatten den Tag organisiert, um zu zeigen, dass der Stadtteil all denen ein freundliches Gesicht zeigt, die aus Syrien, dem Irak, Afghanistan oder von sonst woher gekommen sind, weil sie nach Sicherheit und einem Leben mit Perspektive streben.

 In der Tat war die Atmosphäre typisch Gaarden. Entspannt, tolerant, freundlich und fröhlich feierten die Einheimischen wie die Fremden, mischten sich beim Tanz untereinander, applaudierten zu arabischer Musik ebenso wie zu deutschem Rap. Zudem nutzten Initiativen und Organisationen, die sich schon lange vor dem großen Thema Flüchtlingszuzug für ein harmonisches Miteinander stark machten, das Fest als Forum. Die Türkische Gemeinde, seit 20 Jahren präsent und vom Sprachkurs bis zum Coaching auch für die geflüchteten Neu-Kieler im Einsatz, war dabei. Die Arbeiterwohlfahrt als Wohlfahrtsverband, der sich schon seit Jahrzehnten für Zuwanderer engagiert, zeigte ebenso Präsenz wie die Tauschbörse Kiel, die einen sympathisch anderen Ansatz verfolgt. Getauscht werden hier keine Dinge, sondern Kompetenzen. Jeder kann etwas, das der andere nicht kann, lautet die grundlegende Annahme. Also lernt man – egal ob einheimisch geboren, einheimisch geworden oder frisch dazugekommen – gegenseitig voneinander.

 So funktioniert irgendwie auch Gaarden. Etwa ein Viertel aller seit vergangenem Jahr in Kiel aufgenommenen Flüchtlinge lebt dort inzwischen, der Stadtteil hat damit mehr als doppelt so viele aufgenommen, wie es seinem Anteil an der Einwohnerzahl der Stadt entsprechen würde. Negativ bemerkbar macht sich das im Alltag der Menschen im Grunde gar nicht, es passiert mit einer Selbstverständlichkeit, wie sie wahrscheinlich nur dort anzutreffen ist, wo die Leute Übung darin haben, sich zusammenzuraufen.

 „Irgendwie haben wir immer das Gefühl, wir kriegen das schon hin in Gaarden“, sagte beim Fest ein Ortsbeirat, der sich gleichwohl besorgt zeigte. Nicht wegen der Flüchtlingskrise, sondern wegen der möglichen Folgen des gescheiterten Staatsstreichs in der Türkei. Zwar reagiert ein großer Teil der türkischstämmigen Einwohner sehr gelassen auf die Geschehnisse, doch gibt es offenbar zumindest vereinzelte Bestrebungen, den Konflikt auch in Kiel politisch zu instrumentalisieren. Das gute Miteinander, so sieht es aus, ist halt auch im Kieler Vielvölker-Stadtteil ein Gut, das sorg- und wachsam gepflegt werden muss.

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