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Gaarden: Investition in Mietshäuser

Kiel Gaarden: Investition in Mietshäuser

Dass Besitzer von Mietshäusern mehr als 200000 Euro in ihren Bestand investieren, kommt oft vor. Im Fall von Herbert Nottelmann ist es dennoch etwas Besonderes. Zum Abschluss der anderthalbjährigen Bauarbeiten im Kirchenweg 55 gratulierten der Bürgermeister, der Chef von Haus&Grund und viele weitere hochrangige Gäste. Nicht zuletzt, weil sich das Ganze im Kirchenweg abspielte.

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Herbert Nottelmann, seine Frau Silke und Sohn Thomas engagieren sich für ihr Haus im Kirchenweg. Für ihre Mieter haben sie eine Dachterrasse mit tollem Ausblick geschaffen.

Quelle: Martin Geist

Kiel. „Ich glaube an den Standort Gaarden“, sagt Herbert Nottelmann, der sein Haus von Öl auf Fernwärme umstellte, die Wärmedämmung wesentlich verbesserte, moderne Briefkästen anbringen ließ, den Flur hübscher machte und viele weitere Schritte zur Aufwertung des Hauses unternahm.

 Häufig allerdings führen solche Bemühungen zu höheren Mieten. Weil Nottelmann aber die seinen behalten wollte, ließ er sich etwas einfallen: Er stockte sein Gebäude auf, schuf zu den bisherigen elf Wohnungen zwei neue Einheiten im Dachgeschoss und holt damit einen ordentlichen Teil der Finanzierungskosten herein. Als Bonbon reichte es sogar noch zu einer Dachterrasse, die allen Mietern offensteht und einen fantastischen Blick auf Kiel gewährt.

 Bürgermeister Peter Todeskino verschweigt nicht, dass um das ungewöhnliche Projekt „einige Kämpfe geführt“ worden sind. Bei der Dachterrasse galt es, die Skepsis der Nachbarn zu überwinden, die Aufstockung erwies sich baurechtlich als kniffelige Angelegenheit. Nun aber meint Todeskino anerkennend: „Es hat sich gelohnt.“

 So sieht es auch Wulf Dau-Schmidt, der das am Haus Nottelmann eng beteiligte Projekt „Wohnwert Gaarden“ koordiniert und das Ergebnis als „enorm wichtig“ bezeichnet. Gerade der Kirchenweg sei es schließlich, der „uns mit ganz anderen Entwicklungen belastet“, sagt der Stadtplaner. Mit Sozialarbeiter Metin Alkis und Matthäus Weiß vom Landesverband der Sinti und Roma war er jüngst zum Ortstermin an der Ecke Kirchenweg/Steinmarderweg und fand nach eigenen Worten eine „ganz andere Welt“ vor. Drei, vier und manchmal noch mehr überwiegend aus Rumänien und Bulgarien stammende Menschen leben und schlafen dort in einem Zimmer und halten sich notgedrungen so oft wie möglich im Freien auf. Anwohner beschweren sich über entsprechende Lärmbelästigung, hinzu kommt ein erhebliches Müllproblem, das die Lage auch nicht gerade entspannter macht.

 „Kein Wunder, dass viele Leute wegziehen“, bestätigt draußen auf der Straße eine Rentnerin die Probleme. Interesse an besseren Zuständen haben auch Herbert Nottelmann und die anderen Engagierten bei „Wohnwert Gaarden“. Immerhin die Hälfte der Hausbesitzer im Kirchenweg zwischen Elisabeth- und Iltisstraße hat sich der Initiative angeschlossen und müht sich, mit den Eigentümern der Problemhäuser ins Gespräch zu kommen.

 Was durchaus gelingt. Das Gebäude an der Ecke Steinmarderweg hat innerhalb kurzer Zeit zum dritten Mal den Besitzer gewechselt, und der neue zeigt sich ebenso dialog- wie tatenbereit. Er ließ eine große Rattenbekämpfungsaktion vornehmen, besorgte mehr und bessere Mülltonnen, setzte einen Verwalter ein, der sich regelmäßig kümmert. Viel mehr, sagt Dau-Schmidt, sei erst einmal nicht drin. Dass es nicht ausreichend ist und das Haus eine stärkere sozialarbeiterliche Betreuung braucht, steht für ihn deshalb außer Frage. Immerhin: Auch mit der Arbeiterwohlfahrt befinden sich die „Wohnwert-Leute“ im Gespräch, um an einem Konzept zu basteln.

 Herbert Nottelmann ist derweil froh, ein gutes Stück entfernt zu sein von dieser Ecke. „So ein Haus gleich nebenan, das zieht runter“, weiß er. Bei Nottelmann dagegen geht’s eher rauf. Die Zahl der Bewerber um freie Wohnungen nimmt zu, im Kirchenweg 55 und etlichen anderen gepflegten Häusern von Gaarden ziehen längst überwiegend Mieter aus der Mittelschicht ein.

 Und das, so betont Wulf Dau-Schmidt, „ist gut für den ganzen Stadtteil“.

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