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Mehr Kunst im öffentlichen Raum

Gaarden Mehr Kunst im öffentlichen Raum

Am Donnerstag begann der Gaardener Kulturfrühling offiziell, einen kleinen Vorgeschmack darauf lieferten tags zuvor im Ortsbeirat bereits Theatermacher Norbert Aust und Sänger Gerd Sell. Mit Texten über die Eigenheiten der Deutschen und Liedern zum Mitsingen bewirkten sie so manches Schmunzeln und brachten den kompletten Saal zum Mitsingen.

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Immer wieder ist die Schlecker-Galerie in Gaarden auch Performance-Schauplatz. Eine Szene der Vernissage der aktuellen Ausstellung.

Quelle: Martin Geist

Gaarden. Ein singender Ortsbeirat, das gefiel ganz offenkundig auch Stadträtin Renate Treutel, die unter anderem fürs Thema kreative Stadt zuständig ist, und Werner Kässens, Wirtschaftsförderer und ambitionierter Freizeit-Saxofonist. Die beiden verfolgten die Darbietungen äußerst engagiert und enthielten sich nicht ihrer Stimmen, als es an den gesanglichen Teil der Sitzung ging.

Kreative Stadt am Standort Gaarden

Erzählen durften sie ebenfalls etwas. Und zwar zum Thema Kreative Stadt und Standort Gaarden. Seit anderthalb Jahren nimmt sich das Rathaus innerhalb eines Projektes dieses Bereichs gezielt an, einer der Schwerpunkte ist dabei der Ostufer-Stadtteil. Renate Treutel sprach davon, dass dort die Kunst- und Kulturszene zwar „sehr stark ausgeprägt“ sei, doch kaum ein Akteur schaffe es, „sich davon zu ernähren und Geld zu verdienen“. Was Dirk Hoffmeister, Vorsitzender des Künstlervereins K34, ausdrücklich bestätigte. Schon in Ermangelung eines wirklichen Kunstmarktes in Schleswig-Holstein leben nach seiner Schätzung nicht nur in Gaarden 90 Prozent der Bildenden Künstler unter prekären Umständen. Mikrokredite und andere klassische Instrumente der Wirtschaftsförderung seien insofern untauglich. Für Hoffmeister kann der Weg vielmehr nur darin bestehen, mit Künstlern sowie Vertretern von Verwaltung, Wirtschaftsförderung und Politik „gemeinsam etwas für den Stadtteil zu entwickeln“. Dazu gehört aus seiner Sicht ausdrücklich auch das Sozialdezernat.

Wirklich weit weg von Renate Treutel und Werner Kässens, dem Chef der Kieler Wirtschaftsförderungsgesellschaft KiWi, ist Hoffmeister damit nicht. Kässens betonte, dass Kiel aufgrund der Ergebnisse des Kreative-Stadt-Projektes erstmals eine Verbindung zwischen Wirtschafts- und Kulturförderung anstrebt. Seine Kollegin aus dem Rathaus versicherte ebenfalls, dass die Förderung der kreativen Kieler Seiten als Aufgabe zu betrachten sei, die im Zweifel alle Amtsstuben erfasst.

Kunst im öffentlichen Raum

Konkret sprach sich Treutel dafür aus, speziell in Gaarden auf Kunst im öffentlichen Raum zu setzen. Dafür stehen nach ihren Angaben übers Programm Soziale Stadt 50000 Euro bereit, weitere 5000 Euro im Jahr hat die Ratsversammlung bereits bewilligt und auch schon erstmals ausgeschüttet, um kreative Kleinunternehmer zu unterstützen. Ein großes Thema für die Kreativen in der ganzen Stadt ist derweil der Bedarf an bezahlbaren Wohn- und Arbeitsräumen. Doch damit, das geht aus dem von Jasmin Tarhouni und Cetin Yildirim von Pickardt im Ortsbeirat präsentierten Tätigkeitsbericht des Wirtschaftsbüros Gaarden hervor, sieht es im Stadtteil nicht mehr sonderlich rosig aus. Als das Büro im Herbst 2014 eröffnete, galt es noch, etwa 40 leerstehende Geschäfte an den Mann oder die Frau zu bringen, aktuell sind allerdings nur noch 15 gewerbliche Immobilien verwaist.

 Auf Nachfrage von Ortsbeiratsmitglied Nesimi Temel (SPD) bekräftigte Yildirim von Pickardt, dass Selbstständige mit ausländischen Wurzeln nicht nur prägend, sondern auch unverzichtbar fürs Gaardener Geschäftsleben sind: „Etwa 80 Prozent der Geschäfte in der Elisabethstraße sind der migrantischen Ökonomie zuzurechnen. Man muss sich das nur wegdenken und sich vorstellen, wie der Stadtteil dann aussehen würde.“

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Kulturfrühling Gaarden
Foto: Eindeutig: Julius Ohlemann trug im Hasenkostüm das sexuelle Alphabet der Tiere vor.

Fulminant ist der am Donnerstag vergangener Woche eröffnete Gaardener Kulturfrühling angelaufen. Gleich beim Start waren mehrere Hundert Teilnehmer und Besucher dabei, ähnlich ging es weiter. Vor allem in der Szene-Kneipe Medusa.

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