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Serieneinbrecher mit Messer attackiert

Gaarden Serieneinbrecher mit Messer attackiert

Dutzendweise Straftaten hatte ein junger Einbrecher aus Kiel-Gaarden auf dem Kerbholz, als er Anfang Dezember auf der Suche nach Diebesgut bei einer arabischen Familie in der Kaiserstraße einstieg.

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Dutzendweise Straftaten hatte ein junger Einbrecher aus Kiel-Gaarden auf dem Kerbholz, als er Anfang Dezember auf der Suche nach Diebesgut bei einer arabischen Familie in der Kaiserstraße einstieg.

Quelle: dpa

Kiel. Dort wurde der 20-Jährige von einem Bewohner gestellt und mit einem Messer lebensgefährlich verletzt. Nun verurteilte ihn ein Jugendschöffengericht wegen 15 Einbruchs- und Betrugsdelikten zu drei Jahren Jugendstrafe.

Nach seiner vorläufig letzten Tat war der Serientäter mit Messerstichen in Lunge, Milz und Oberarm in die Uniklinik eingewiesen und notoperiert worden. Die Jugendrichterin („Wir kennen uns schon länger“) besuchte ihn am Krankenbett, nahm ihm das Versprechen ab, nicht zu flüchten. Sobald der in Heimen und bei Pflegeeltern aufgewachsene Heranwachsende wieder auf den Beinen war, kam er wegen Wiederholungsgefahr in U-Haft. Zum Prozess wurde der junge Mann, der als stolzer Vater den Vornamen seines einjährigen Sohnes als Riesen-Tattoo auf dem Arm trägt, in Handfesseln vorgeführt. Vor Gericht gab er sich ausgesprochen höflich und einsichtig. War die Konfrontation mit dem bewaffneten Tatopfer, das nun ebenfalls ein Strafverfahren am Hals hat, ein heilsamer Schock?

Schon bei der ersten Vernehmung des Verletzten war ein Polizeibeamter (52) „angenehm überrascht“ von dessen Offenheit. Der Angeklagte räumte fast alle Vorwürfe unumwunden ein. Ob sich in den von ihm heimgesuchten Wohnungen jemand aufhielt oder nicht, hatte für den Drogenabhängigen im November offenbar keine Rolle gespielt. Sobald er im Parterre oder ersten Stock irgendwo ein Fenster auf Kipp sah, gab es für ihn kein Halten mehr.

Dann kletterte der schlanke große Täter über Mauern, stieg über Mülltonnen auf Balkone, raffte drinnen die Wertsachen der Mieter zusammen. Einem Kieler Feuerwehrmann stahl er die Uhrensammlung, Dienst- und Organspenderausweis, während der Inhaber arglos in der Wohnküche saß. Einem Schlafenden in der Iltisstraße entwendete er morgens um acht Uhr Laptop, 200 Euro Bargeld und EC-Karte. Letztere setzte er anschließend beim Shoppen in diversen Supermärkten ein. Auch ein Pärchen aus der Sörensenstraße verschlief den Besuch des nächtlichen Gastes. Am nächsten Morgen vermisste es Laptop, Schmuck, Handys, Ausweispapiere und Bankkarte. Als der Einbrecher sich damit noch in derselben Nacht in einer Tankstelle mit Zigaretten eindeckte, hielt ihn eine Überwachungskamera fest.

Das Risiko einer Festnahme ging der Täter auch ein, als er morgens gegen 8.30 Uhr in der Heischstraße zur Bergung des Diebesgutes wiederholt beladen vom Balkon über ein Vordach in den Hof stieg. Dabei schleppte er auch einen großen Flachbildfernseher in einer Wolldecke mit. Nun will er sich erstmals einer Therapie öffnen, nimmt bereits an einer Suchtgruppe und psychologischen Einzelgesprächen teil. Er wolle „nie wieder einbrechen“ gelobte er am Montag vor dem Jugendgericht, das mehrere ältere Urteile in die Strafe miteinbezog. Da sein Traum von einer Tischlerlehre schon am fehlenden Schulabschluss scheitert, will es der Angeklagte in der Haftzeit mit einer Ausbildung zum Gerüstbauer versuchen. Dann kann er weiterklettern – ganz legal.

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