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Kleingartenverein steht vor der Pleite

Gaarden-Süd Kleingartenverein steht vor der Pleite

Die Laubenpiepern in Neumühlen-Dietrichsdorf fürchten derzeit um ihre Parzellen. Jetzt ziehen auch düstere Wolken über den Schollen des Kleingartenvereins Kiel-Gaarden-Süd auf: Wegen Zahlungsrückständen ist der Verein akut von der Insolvenz bedroht.

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Der Kleingartenverein Kiel-Gaarden-Süd beschreitet innovative Wege, auch mit Kulturveranstaltungen.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Eine Sonderumlage der Mitglieder soll die drohende Pleite zwar abwenden, doch ob das gelingt, ist ungewiss. Mit dem Kreisverband der Kleingärtner kommuniziert man zudem nur noch über Anwälte.

1100 Parzellen hat der Kleingartenverein Kiel-Gaarden-Süd nach Angaben seines Vorsitzenden Thorsten Bergunde in seiner Regie. Etwa 220 davon stehen allerdings leer, weil sie sich zu dicht an der Bundesstraße 76 befinden oder auf vernässtem Boden. Und auch, weil in diesem Bereich von Kiel einfach die Nachfrage zu gering ist. Das Kieler System indes sieht, dass die einzelnen Vereine 13 Cent Pacht pro Quadratmeter an ihren Kreisverband abführen müssen, egal wie viele Parzellen leer stehen.

 Die Folge: Für 2014 hat sich bei den Gaardenern ein Finanzloch von 21000 Euro aufgetan, und genauso zeichnet sich das für 2015 ab. Nach erfolglosen Gesprächen mit dem Kreisverband reagierte der Vorstand und schlug auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung vor, die Krise mit einer Sonderumlage von 26 Euro pro Mitglied zumindest vorerst zu beheben. „Dafür fanden wir aber keine Mehrheit“, berichtete Bergunde dem Ortsbeirat in seiner jüngsten Sitzung.

 Viele Kleingärtner vertrauen nach seiner Einschätzung darauf, dass irgendwer dem Verein schon irgendwie helfen würde. „Wir sehen das anders“, sagt Bergunde, der deshalb für den 5. August eine weitere Versammlung einberief. Diesmal ging die Umlage durch, und zwar mit gleich 35 statt zuvor 26 Euro. So wollte sich der Verein einen Puffer schaffen, falls einzelne Laubenpieper die Zahlung verweigern.

 Die Überlegung war mehr als berechtigt. Obwohl Ende August Stichtag war, haben laut Bergunde bislang erst 41 Prozent der Mitglieder bezahlt. Es könnte also gut sein, dass die kalkulierte Verweigerer-Quote von 20 Prozent deutlich übertroffen wird und damit immer noch ein beträchtliches Finanzloch bleibt. Mehr noch: Offenbar drohen dem Verein seitens des Kreisverbands weitere Nachforderungen, weil leerstandsbedingte Pachtnachlässe aus früheren Jahren rechtswidrig gewesen seien.

 Wie es weitergeht, ist ungewiss. „Gespräche mit dem Kreisverband haben nichts gebracht“, erzählt Thorsten Bergunde: „Die sagen, sie hätten keinen Spielraum und seien nur das Inkassobüro der Stadt.“ Die Situation führte jedenfalls dazu, dass beide Seiten inzwischen nur noch ihre Anwälte reden lassen und hüben wie drüben einiger Flurschaden droht. Bergunde bilanziert: „Wir sind eigentlich pleite.“ Sollte man Insolvenz anmelden müssen, fielen die Parzellen sofort an die Stadt zurück und Gartenfreunde, die oft über Jahrzehnte liebevoll ihre Beete gepflegt hätten, stünden vor dem Nichts.

 „Das wäre das Schlimmste“, meinte SPD-Ratsherr Michael Schmalz. Er kündigte an, dass eine Vertretung seiner Fraktion kommende Woche mit dem Kreisverband über die Lage beraten und nach Lösungen suchen werde.

 Einig war er sich mit dem Vorstand des Kleingartenvereins, dass die Laubenpieper derzeit für Fehler der Vergangenheit bluten müssen. Im Finanzgebaren des Kreisverbands habe ein „Riesentohuwabohu“ geherrscht, so dass die Stadt mit dem seit 2014 beschlossenen Generalpachtvertrag die Zügel stramm angezogen habe. Für die Gärtner aus Gaarden bedeutet das: Während früher die Leerstandsverluste auf irgendwelchen eher nicht so ganz geraden Wegen ausgeglichen werden konnten, ist diese Hintertür nun versperrt.

 Ganze Vereine gegen die Wand fahren zu lassen, nur weil zeitweilig gar zu locker mit Geld jongliert wurde, das kann aus Sicht von Schmalz aber auch nicht die Lösung sein.

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