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Gaarden sieht neues Minarett gelassen

Islam in Kiel Gaarden sieht neues Minarett gelassen

Wer im Stadtteil Gaarden zum neuen Minarett – dem zweiten in Kiel – gefragt wird, bezieht sich oft nicht auf dessen religiöse Bedeutung, sondern schlicht darauf, wie es aussieht. Zum Aufreger taugt das Bauwerk, das am Freitag um 10.30 Uhr offiziell eingeweiht wird, nicht.

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Der Blick auf das Minarett an der Großen Moschee in Kiel-Gaarden, Werftstraße/Elisabethstraße, ist frei, der Bau ist fast fertiggestellt.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Dsa gilt vor Ort noch nicht einmal angesichts der von der AfD befeuerten Anti-Islam-Diskussion.

 Nur wenige Meter entfernt von dem 24 Meter hohen Türmchen betreibt Hanne Löfgen das Hotel Runge. „Wir sind zur Einweihung eingeladen und gehen natürlich auch hin“, erzählt sie und betont das „gute Verhältnis“ zur benachbarten „Ulu Camii“, der „Großen Moschee“. Persönlich findet Hanne Löfgen das Minarett „wirklich hübsch“, sie bedauert höchstens, dass es ein bisschen arg in die Ecke hineingestellt wirkt: „Vielleicht hätte man dafür mehr Platz geben sollen.“

 Allein ist die über 70-jährige Ur-Gaardenerin nicht mit ihrer Entspanntheit. Unter den Gästen des stets gut ausgelasteten Hotels hat sich nach ihren Angaben bisher kein einziger über den Turm der islamischen Nachbarn aufgeregt. „Die Leute reden eigentlich gar nicht drüber“, sagt sie und fügt hinzu, dass beim Einkaufen im Stadtteil ebenfalls eher übers Wetter als übers Minarett geredet wird.

 Tahir Ibriamov und Ali Kurt pflastern gerade die kleine Fläche ums Minarett fertig. Bis Freitag soll alles schick sein. Gestört werden die beiden Handwerker bei ihrer Arbeit nicht. „Uns spricht keiner an“, sagt Ali Kurt. Nach seinem Eindruck ist das Minarett für die Leute einfach kein großes Thema.

 Drei Werftarbeiter, die an dem Turm vorbei Richtung HDW gehen, bestätigen das. „Mich stört’s nicht“, meint einer von ihnen, und der andere weist darauf hin, dass diese Bausache auch im weiten Kreis der Kollegen so gar kein Thema sei. Ein Paar, das denselben Weg geht, sieht es sogar eher positiv. „Ist doch ganz nett“, meint sie. „Mich stört’s nicht“, ergänzt er mit tatsächlich denselben Worten wie kurz zuvor die Werftarbeiter ihr Begleiter.

 Von einer „Frechheit“ spricht dagegen ein junger Mann, der nebenan in der Technischen Fakultät der Uni Kiel studiert. Sicher, gibt er zu, die einen bauen Kirchtürme und die anderen eben Minarette, doch in Gaarden nimmt es für seinen Geschmack überhand. Die ganze Elisabethstraße von türkischen Geschäften geprägt, dazu die Moscheen und jetzt noch ein Minarett, das ist dem im Stadtteil aufgewachsenen Studenten, der betont, bestimmt nicht rechts zu sein, in der Summe einfach zu viel des Fremden.

 In seiner Familie, so fügt er hinzu, seien die Meinungen „teilweise noch viel extremer“. Was erst recht fürs Internet zutrifft, wo sich ebenfalls sehr harsche Kommentare zu dem Thema finden.

 „Ach ja, Facebook“, sagt ein anderer Student der Fakultät. Draufloszupoltern und dabei seinen wahren Namen zu verbergen, das sei halt eine leichte Übung. Persönlich hat Jonas Maaßen mit dem Gaardener Minarett kein Problem. Nicht dass er das hohe Lied der Toleranz singen würde, das Minarett interessiert ihn einfach nicht besonders: „Von mir aus kann das da stehen bleiben.“

 Ein Rentner trauert derweil den alten Gaardener Zeiten nach. „Besser ist es nicht geworden“, bedauert er und denkt dabei allerdings an die vielen schönen Geschäfte, die es früher gab und heute eben nicht mehr. Übers Minarett sagt er, was fast alle sagen: „Mich stört es nicht.“

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Sehr geehrte Beatrix von Storch, ab übermorgen schallt hier in Kiel jeweils freitags zur Mittagszeit ein Gebetsruf von einem Minarett – es ist schon das zweite in der Stadt. Das wird Ihnen wahrscheinlich nicht gefallen. 

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