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Geld eintreiben für die Arbeitsagentur

Kiel Geld eintreiben für die Arbeitsagentur

Geld eintreiben ist nicht gerade der Wunschberuf von Frauen. Jeanette Geuenich ist dennoch glücklich, dass sie beim neuen Inkasso-Service der Kieler Arbeitsagentur arbeitet. Dort versucht sie, zu viel gezahltes Kindergeld, Arbeitslosengeld oder Hartz-IV zurückzuholen. „Trotzdem sind die meisten Leute über meinen Telefonanruf froh“, sagt die 24-Jährige.

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Anfang des Jahres hat Jeanette Geuenich (24) ihre Ausbildung zur Bürokauffrau beendet. Der Inkasso-Service der Arbeitsagentur ist ihre erste Stelle. „Mir macht das viel Freude, weil ich helfen kann, Konflikte zu lösen. Ich hoffe, dass ich hier auf Dauer bleiben kann.“

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. „Die Betroffenen sagen mir oft, endlich interessiert sich mal jemand für mich und versucht, mir zu helfen. Meist seien die Menschen ja unverschuldet an das Geld gekommen.“ Der Klassiker ist der Arbeitslose, der wieder Arbeit findet: Er meldet dies der Arbeitsagentur sofort, die nächste Überweisung ist aber schon auf dem Weg. Oder bei einer Berechnung ist ein Fehler unterlaufen. Oft haben Aufstocker auch ein stark schwankendes Einkommen. Da überweist das Jobcenter schnell mal zu viel.

 Natürlich gebe es auch selbstverschuldete Fälle, wenn Änderungen zum Beispiel nicht gemeldet werden. „Und ein paar versuchen auch, abzukassieren“, sagt Peter Leder, Leiter der Inkasso-Service Kiel: Die würden etwa schwarz arbeiten und Arbeitslosengeld kassieren. Oder das Kindergeld weiterlaufen lassen, obwohl der Nachwuchs eigenes Geld verdient. Oder Ersparnisse verschweigen und zu viel Hartz IV beziehen.

 Doch gleichgültig, wie die Außenstände zustande gekommen sind – Jeanette Geuenich und ihre Kollegen sollen es schaffen, dass möglichst alles an die Gemeinschaft zurückfließt. Über welchen Zeitraum und in welchen Raten – darüber können die Mitarbeiter aber je nach Einzelfall entscheiden. „Es geht darum, eine Lösung zu finden, die auch wirklich machbar ist. Der Betroffene muss die Perspektive haben: So kann ich die Schulden wieder los werden“, sagt die Bürokauffrau. Die meisten hätten bisher ja nichts überwiesen, weil sie das Geld einfach nicht hätten.

 Auch Peter Leder hält die individuelle Beratung am Telefon deshalb für sinnvoll. „Wir wissen, dass unsere Briefe früher oft im Papierkorb landeten oder gar nicht geöffnet wurden. Wenn am Ende der Zoll pfänden wollte, waren die Betroffenen vollstreckungsresistent.“ Davon hätten die Steuerkasse und Arbeitslosenversicherung gar nichts.

 Nehmen die Betroffenen aber das Gespräch an, wenn die Nummer der Arbeitsagentur erscheint? Man nutze eine andere Nummer und rufe bevorzugt Handynummern an, verrät Leder. „Wenn ich jemandem beim Discounter an der Kasse oder bei der Arbeit erwische, mache ich mit ihm natürlich einen anderen Termin ab“, betont Jeanette Geuenich, die selbst allerdings Teilzeit arbeitet, damit sie Arbeit und Kindererziehung vereinbaren kann. Die 24-Jährige hat zunächst einen Zwei-Jahres-Vertrag. Es gebe, sagt Leder, aber gute Chancen auf eine unbefristete Anstellung.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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