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Zehn Etagen maritime Geschichte

Kiel/Hamburg Zehn Etagen maritime Geschichte

Wer in Hamburg durch das Maritime Museum wandelt, der bekommt einen kompletten Überblick über die Geschichte der Seefahrt. Vom Einbaum bis zum hochmodernen Windpark-Errichterschiff oder einem Brennstoffzellen-U-Boot ist alles zu sehen,was von Menschenhand für die Eroberung der Meere gebaut wurde.

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In einem klimatisierten Raum lagert Peter Tamm mehr als zehntausend Generalpläne deutscher Werften. Das sind fast alle Pläne der Neubauten seit 1945.

Quelle: Frank Behling

Kiel/Hamburg. Peter Tamm hat all die Modelle, Bilder, Uniformen und Werkzeuge zusammengetragen. Doch das, was da öffentlich auf 10000 Quadratmetern und zehn Etagen gezeigt wird, ist gerade mal die Hälfte seiner Sammlung.

Wenn Peter Tamm zu seinem Schlüsselbund auf dem großen Schreibtisch greift und die Zigarre ablegt, geht er gern mal dorthin, wo es eigentlich aussieht wie in einem Weinkeller. Hochregale mit runden Behältern, die bis an die Decke gestapelt sind. „Das Klima hier drinnen wird überwacht und geregelt. Das ist sehr wichtig“, sagt der 86-jährige Manager und Journalist. Was ihn lockt, sind aber nicht edle Tropfen, sondern altes Papier: Es ist das Vermächtnis der deutschen Werftindustrie. Tausende Generalpläne von Schiffen deutscher Werften lagern in einem gut gesicherten Raum des Heinemann-Speichers. Sortiert nach Registernummern sind die Pläne eingerollt und vor Sonnenlicht geschützt. Pläne von HDW-Containerschiffen liegen dort zusammen mit denen von Fähren der Flender Werft oder Fischdampfern aus Bremerhaven.

Immer wenn in den vergangenen 40 Jahren eine deutsche Werft dichtmachen musste, sicherte sich Tamm den Nachlass. „Das ist die größte zusammenhängende Sammlung dieser Art in Deutschland. Die ist von großer historischer Bedeutung“, sagt Tamm. Neben Historikern und Schiffbauern haben das inzwischen vor allem Privatleute entdeckt. „Die meisten Nachfragen kommen von Modellbauern, die auf der Suche nach Originalplänen sind. Sie wollen die Schiffe nachbauen“, erzählt Tamm, während er die nächste Tür aufschließt.

Dort öffnet sich eine weitere Halle. „Hier lagern noch mehr Schätze“, sagt er. Modelle stapeln sich bis unter die Decke. Die „President Jackson“ von HDW aus Kiel steht da direkt neben dem Forschungsschiff „Meteor“ von Schlichting aus Travemünde und der „Bismarck“ von Blohm + Voss. Etwas weiter steht Tamm dann plötzlich vor einem verwitterten Liegestuhl: „Der ist von der ,Hohenzollern’, der Jacht Kaiser Wilhelms II.“ – gebaut 1880 in Kiel.

In einem Raum, der Ähnlichkeit mit einer Asservatenkammer der Justiz hat, ist eine Sammlung von Nachlässen großer Seefahrer und Soldaten. „Da liegt Tirpitz“, sagt Tamm im Vorbeigehen. In einer Kiste mit der Aufschrift des Admirals werden Dinge aus dem Leben des Admirals, der die Weichen für den Aufbau der Kaiserlichen Marine und damit auch für den Aufbau Kiels gegeben hatte, aufbewahrt. Relikte aus Kiel finden sich überall. Mal sind es Torpedo-Bauteile, die einst in der kaiserlichen Werkstatt in Friedrichsort gebaut worden sind, mal ist es die Spitze des Leuchtturms vom Tiessenkai. „Der wurde 1895 eingeweiht“, weiß Tamm. Die Kuppel des Leuchtturms steht etwas abseits am Ufer eines Fleets neben dem Museum. Zu gern würde er diese Dinge prominenter präsentieren. „Das ist in Hamburg aber nicht so einfach. Es war schon sehr mühsam, eine Genehmigung für die Tonne ,Elbe 1’ zu bekommen und sie dort an die Straßen stellen zu dürfen“, sagt Tamm und deutet auf die Ansteuerungstonne, die Besuchern den Weg zum Kaispeicher B weisen soll.

 Direkt daneben ist der Heinemann-Speicher, in dem die verborgenen Schätze der Schifffahrtsgeschichte schlummern und auf eine Zukunft warten. Ob diese Zukunft irgendwann in Kiel sein wird, soll sich klären. „Das wäre mein Wunsch. Ich bin mit der Stadt sehr verbunden“, sagt Tamm.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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Frank Behling zu den Kieler Museumsplänen

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