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Kiel, Hauptstadt der Fahrraddiebe

Explodierende Zahl Kiel, Hauptstadt der Fahrraddiebe

Fahrraddiebstahl hat im Land gerade im Frühling Hochkonjunktur. Landesweit ist die Zahl gestohlener Räder im Vorjahr leicht gestiegen, in Kiel ist sie 2015 sogar regelrecht explodiert: Mit einem Zuwachs um 40 Prozent gegenüber 2014 hat Kiel den Titel Hauptstadt der Fahrraddiebe eindrucksvoll verteidigt.

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Kiel wird zur Hauptstadt der Fahrraddiebe.

Quelle: Friso Gentsch / dpa

Kiel. Auch im Kreis Segeberg gab es mit knapp neun Prozent einen klaren Anstieg. Zudem nutzen osteuropäische Banden Schleswig-Holstein verstärkt als Transitland, um hochwertige Räder aus Dänemark in ihre Heimat zu schaffen.

 Immer mehr Menschen besonders in den Städten setzen auf die umweltfreundlichen Verkehrsmittel und kaufen sich hochwertige Räder oder E-Bikes ab 1000 Euro aufwärts. Mit dem Frühling, wenn die schmucken Gefährte aus dem Keller geholt werden, beginnt die Hochsaison für Fahrraddiebe – in diesem Jahr kamen schon mehr als 3000 Räder weg. Landesweit bleiben die Zahlen auf hohem Niveau: Gab es in Schleswig-Holstein 2014 noch 15285 Taten, nahm die Polizei im vergangenen Jahr 15396 Anzeigen auf. Die Aufklärungsquote sank von 6,7 in 2014 auf 5,8 Prozent – nur 887 Diebstähle wurden aufgeklärt.

Besonders dramatisch ist die Lage in Kiel: Gab es hier 2014 noch 2235 Diebstähle mit einer Schadenssumme von mehr als 900000 Euro (Durchschnittswert der gestohlenen Räder: 412 Euro), wurden im vergangenen Jahr schon 3128 Taten angezeigt, Durchschnittswert der Räder: 411 Euro. Die Aufklärungsquote bei der Kieler Polizei ist noch niedriger als landesweit: Bei 112 Fällen lag sie 2014 bei fünf Prozent, im vergangenen Jahr waren es 140 Fälle (4,5 Prozent).

 Die Beamten machen zwei Gruppen für die Straftaten verantwortlich. „Wir haben es auf der einen Seite mit Beschaffungskriminalität zu tun, also mit Menschen, die ein Rad stehlen und es in An- und Verkaufsläden oder bei Ebay weiterverkaufen“, erklärt Matthias Arends, Sprecher der Polizeidirektion Kiel. Große Sorgen bereitet der Polizei aber der sogenannte strukturierte Diebstahl: „Die Täter fahren mit einem Kleintransporter los und sammeln die Räder einfach ein“, sagt Arends. Ein Indiz für den organisierten Klau sei, dass über Nacht mehrere an einer Stelle angeschlossene Räder verschwinden.

Nicht selten werden sie über die Grenze geschafft und dort verkauft. Welche Preise in den Nachbarländern für ein 1000-Euro-Rad erzielt werden, entzieht sich der Kenntnis der Polizei – mangels Austausch mit den dortigen Behörden. Die Banden treiben ihr Unwesen derzeit auch in Dänemark. „Die Dänen sind ein fahrradverrücktes Volk und kaufen sich immer mehr wertvolle Räder“, sagte Bundespolizeisprecher Heiko Kraft. Immer wieder stoppen die Beamten in Schleswig-Holstein Transporter mit ausländischen Kennzeichen – im Laderaum lauter hochwertige Fahrräder.

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Ein Artikel von
Günter Schellhase
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Fahrraddiebe
Foto: Diebe greifen zur Gartenschere oder Werkzeugen wie Bolzenschneider und Brecheisen, um Fahrradschlösser zu knacken.

Im Land sind die Fahrraddiebe unterwegs. Abgesehen haben sie es auf hochwertige Räder, aber auch günstige oder ältere Modelle werden gern schnell mitgenommen. Dabei gehen die Diebe brutal vor. Mit Bolzenschneider, Säge und anderen Werkzeugen brechen sie die Fahrradschlösser auf.

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