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Heime: Es gibt immer mehr Mängel

Kiel Heime: Es gibt immer mehr Mängel

Die Heimaufsicht stellt immer häufiger Mängel in Heimen für pflegebedürftige und behinderte Menschen fest. Zweimal wurden wegen ungeklärter Todesfälle Ermittlungen eingeleitet. Hauptursache für die Mängel: zu wenig Personal. Das geht aus dem aktuellen Bericht der Heimaufsicht für 2013 und 2014 hervor.

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Der Anstieg der festgestellten Mängel in Kieler Heimen ist erschreckend. Hauptursache: zu wenig Personal.

Quelle: Frank Rumpenhorst

Kiel. In den ungeklärten Todesfällen hatten die Prüfer einen Hinweis bekommen. Im ersten Fall fand man einen Widerspruch zwischen Dokumentation und vermuteter Todesursache. Bei der Obduktion stellte sich heraus, dass der Bewohner tatsächlich an einer anderen Erkrankung verstorben war. Weil ein Verschulden der Einrichtung aber nicht nachgewiesen werden konnte, wurde das Verfahren eingestellt. Bei dem zweiten Fall stand in der Dokumentation des Heimes, der Bewohner habe genug Flüssigkeit bekommen. Das Krankenhaus attestierte aber bei der Einlieferung eine unzureichende Flüssigkeitsversorgung. Das Verfahren läuft noch.

 Insgesamt erhielt die Heimaufsicht 112 Beschwerden. Gegenüber dem Bericht 2009/10 ist das eine Steigerung um mehr als 300 Prozent. „Leider weisen diese Beschwerden auch immer häufiger auf gravierende Mängel hin“, sagen die Prüfer. Allen 112 Beschwerden sei man schnell nachgegangen – und zwar immer unangemeldet.

 Und welche Mängel fanden die Prüfer? Fehler in Dienstplänen, rechtswidrige Gebühr für die Taschengeld-Verwaltung. Dazu in Einzelfällen rechtswidrig freiheitsentziehende Maßnahmen, unangemessene soziale Betreuung und zu viele Menschen, die dauerhaft im Heim blieben, obwohl sie wieder nach Hause gekonnt hätten. Bei einer Einrichtung gab es erhebliche bauliche Mängeln bis hin zu Schimmel.

 Vor allem aber stellten die Prüfer immer wieder fest, dass es nicht so viel Fachpersonal gab, wie es das Gesetz vorschreibt. Wenn Stellen frei wurden, hat es demnach teilweise mehrere Monate gedauert, bis sie wiederbesetzt wurden. Das lasten die Prüfer zwar nicht den Einrichtungen an, sondern dem wachsenden Fachkräftemangel gerade für Leitungspositionen. Dennoch hätten die Personalprobleme zu „erheblichen Qualitätsproblemen“ geführt. Unter anderem habe die Pflege der alten Menschen und die Dokumentation oftmals nicht dem anerkannten Fachstandard entsprochen. Dadurch hätten die Bewohner ein größeres Risiko, Folgeschäden zu erleiden.

 Bei einer Bewohnerin, die offenbar kurz vor dem Tod stand, hatte der Hausarzt angeordnet, die Medikamente zurückzufahren. Das tat das Pflegepersonal auch. Der Ernährungszustand wurde nicht mehr überwacht, die Frau nahm deutlich ab. Doch die Frau starb nicht. Nun hätte das Pflegepersonal aktiv werden müssen. Doch mehrere Monate vergingen, ohne dass man den Hausarzt kontaktierte, die Medikamentierung und Pflegeplanung wieder änderte.

 Wie hat die Heimaufsicht reagiert? Vor allem beraten und nachkontrolliert. Zweimal wurde ein freiwilliger Belegungsstopp erreicht, einmal ein Belegungsstopp verhängt. Möglicherweise wurde manches nicht entdeckt: 2014 gab es nur in 46 Prozent der Heime eine Regelprüfung. Es müssten 100 Prozent sein. Die Heimaufsicht hat selbst ein Personalproblem. 2016 soll es angepackt werden.

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