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Flüchtlingsbetreuung in Gefahr

Kiel Flüchtlingsbetreuung in Gefahr

Schleswig-Holstein gibt mehr Geld für Flüchtlinge aus. Trotzdem schlagen die Diakonie und der Flüchtlingsbeauftragte Alarm: Sie fürchten, dass die Flüchtlinge weniger Beratung in rechtlichen und psychosozialen Fragen bekommen.

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„Obwohl es mehr Geld gibt, befürchten wir, dass es zu einer Zersplitterung der Koordination kommen wird“, sagte Landespastor Heiko Naß am Dienstag in Kiel.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Der Flüchtlingsbeauftragte und der Landespastor in Schleswig-Holstein sehen die professionelle Flüchtlingsbetreuung in Gefahr. Das Land stelle zwar mehr Geld zur Verfügung. Doch offenbar solle dieses Geld nicht in dem Maße wie bisher für die Fachberatung in rechtlichen und (psycho)sozialen Fragen eingesetzt werden. „Diese Beratung durch Fachkräfte muss aber allen Flüchtlingen zugänglich gemacht werden und darf nicht davon abhängig sein, ob eine Gemeinde oder ein Amt dafür Geld ausgeben möchte“, sagte Torsten Döhring, stellvertretender Flüchtlingsbeauftragter, in Kiel.

Für Döhring steht fest, dass nicht nur die Flüchtlinge, sondern auch die vielen ehrenamtlichen Flüchtlingsunterstützer im Land hauptamtliche Berater als feste Ansprechpartner benötigen. „Wenn Flüchtlinge eine Wohnung anmieten, eine Versicherung abschließen, wenn sie Sozialleistungen beantragen oder die passende Schule suchen, dann sollten sie von professionellen Betreuern begleitet werden“, ist auch Landespastor Heiko Naß überzeugt. Die Erfahrung zeige, dass nur so rechtliche Probleme im Nachhinein vermieden werden könnten.

Bisher sei die hauptamtliche Begleitung durch die Kreise und kreisfreien Städte organisiert worden – oft in Kooperation mit Wohlfahrtsverbänden. Bezahlt wurde das von den 95 Euro, die die Kreise und kreisfreien Städte pro Quartal für einen Asylbewerber bekommen. Der Flüchtlingspakt des Landes, den Döring und Naß ausdrücklich begrüßen, stellt das System nun um. Künftig gibt es einmalig 900 Euro für jeden Asylbewerber, und das Geld fließt direkt an die Kommunen und Ämter. Sie können das Geld so einsetzen wie sie es für sinnvoll halten. Die Kreise haben keine Einflussmöglichkeit mehr, ihre Verträge mit den Wohlfahrtsverbänden stehen zur Disposition.

Die Folgen könnten nicht nur für die 80 hauptamtlichen Flüchtlingsberater bei der Diakonie gravierend sein, mahnt Landespastor Naß: „Es geht vor allem um die Flüchtlinge und ehrenamtlichen Helfer. Bisher hatten sie einen oder zwei feste Ansprechpartner in Fachfragen, künftig könnten es 14 bis 20 in den Gemeinden sein.“ Döhring fordert, dass ein gewisser Beratungsstandard flächendeckend sichergestellt wird. Stattdessen drohe den Flüchtlingen ein kaum zu überschauender Flickenteppich an Hilfen: „Welchen Umfang und welche Qualität die Betreuung hat, hängt dann davon ab, in welcher Gemeinde die Flüchtlinge landen. Es muss daher nachgesteuert werden.“ 

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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