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Jedes Kind soll schwimmen lernen

Landeshauptstadt Jedes Kind soll schwimmen lernen

Schon lange ist bekannt, dass fast jedes zweite Kind am Ende der Grundschulzeit nicht sicher schwimmen kann. Diese Tendenz verschärfe sich eher noch, warnen die Lebensrettungs-Gesellschaft DLRG und der Kinderschutzbund. Die Stadt Kiel will nun gegensteuern.

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Seit Jahresbeginn sind in Deutschland mindestens 425 Menschen ertrunken – 46 mehr als in den ersten acht Monaten des Vorjahres. Mit ein Grund dafür ist, dass fast die Hälfte aller Kinder nicht mehr richtig schwimmen lernt.

Quelle: dpa

Kiel. „Jedes Kind in einer Küstenstadt wie Kiel muss schwimmen lernen“, kündigten Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und Sozial- und Sportdezernent Gerwin Stöcken daher eine neue Kampagne an. Es sind Zahlen, die alarmieren: Erstmals seit Jahren ertranken in dieser Saison wieder mehr Vorschulkinder. In dieser Altersgruppe starben bundesweit 15 Jungen und Mädchen, sechs mehr als im Vorjahr.

Bei den Grundschulkindern stieg die Zahl der Opfer um vier auf zwölf. In der Gruppe der 11- bis 14-Jährigen ertranken neun Jugendliche mehr als im Vorjahreszeitraum. DLRG-Präsident Hans-Hubert Hatje kritisierte: „Diese Zahlen sind das Ergebnis der Bäderschließungen und damit verbundenen Ausfällen von Schwimmunterricht an den Schulen.“ Hinzu kämen unzählige Fälle, in denen Rettungsschwimmer das Schlimmste verhindert haben.

Ertrinken ist nach Angaben des Kinderschutzbundes eine der Haupt-Todesursachen für Kinder. Als besondere Risikogruppe sehen die Lebensretter Flüchtlinge. Seit Januar ertranken 56 Asylsuchende, mehr als doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2015.

Kieler Nachrichten unterstützen Kampagne

 Auch wenn in Kiel im vergangenen Jahr zum Glück kein tödlicher Badeunfall passierte, sagt Oberbürgermeister Kämpfer: „Wir haben das Problem erkannt und wollen handeln.“ Er verweist auf eine Imagekampagne, um im nächsten Jahr das Problem näher ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Unterstützt wird die Stadt dabei von den Kieler Nachrichten und der Förde Sparkasse, die die Initiative mit jeweils 5000 Euro fördern wollen.

 Warum so viele Kinder in Kiel zu spät und zu schlecht schwimmen lernen, hat viele Gründe: Ein verändertes Freizeitverhalten, weniger Zeit und erreichbare Schwimmangebote etwa. Aus einer Antwort auf eine Anfrage der Linken in Kiel ging hervor, dass von 65 Schulen in Kiel acht keinen Schwimmunterricht erteilen, weil etwa kein Schwimmlehrer an der Schule arbeitet oder kein Schwimmbad in angemessener Zeit erreichbar ist.

Seepferdchen genügt nicht

Manchmal ist laut Schwimmverband und Schulamt auch der Lehrplan so eng gestaltet, dass die Kinder sich höchstens eine halbe Stunde im Wasser bewegen könnten, bedauert Stöcken: „Kinder brauchen aber Zeit, um zu lernen und um die Angst vor dem Wasser zu verlieren.“ Das Abzeichen „Seepferdchen“ genügt nach Angaben von Experten nicht: Die nötige Sicherheit in der Ostsee setze ein Bronze-Abzeichen voraus.

 Die Stadt schnürt daher ein Bündel an Maßnahmen, um alle Kinder erreichen zu können. Das Ziel laut Kämpfer ist, dass jedes Kieler Kind spätestens in der sechsten Klasse schwimmen gelernt hat. Die Stadtspitze suchte in den vergangenen Wochen das Gespräch mit Schwimmverband, DLRG und Lehrern, um den Problemen zu begegnen.

So entstand die Idee, dass Ganztagsschulen und Vereine Patenschaften eingehen, die Universität ihre Schwimmhalle in den Semesterferien häufiger für Schüler öffnet, bestehende Kurse ausgeweitet und auch junge Erwachsene motiviert werden, die Schwimmlehrer-Lizenz zu erwerben. Die Stadt wiederum will ein besseres Flächenmanagement in den Hallen erreichen und setzt auch auf das Hörn-Bad, das nächstes Jahr seine Türen öffnen soll.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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