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Jugendliche pflegen Kriegsgräber

Kiel Jugendliche pflegen Kriegsgräber

Stück für Stück hoben die 30 Jugendlichen aus der Ukraine, der Türkei, Weißrussland, Deutschland und Italien die Pflastersteine aus dem Rasen des Parkfriedhofs Eichhof. „Hier sollen später die Grabsteine der Kieler Bombenopfer aus dem Zweiten Weltkrieg eingelassen werden“, erklärte Projektleiter Thies Mielke vom Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge. Die Arbeit ist anstrengend, aber schaffbar.

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Irina Pidvisoszka (24) aus der Ukraine hebt die schweren Steine aus dem Boden des Parkfriedhofs Eichhof. Später sollen hier die Grabsteine der Kieler Bombenopfer aus dem Zweiten Weltkrieg eingeebnet werden.

Quelle: Frank Peter

Kiel. „Wir haben uns für dieses Projekt entschieden, weil es während des dreiwöchigen Aufenthalts abschließbar ist“, so Mielke weiter. Es sei für die Teilnehmer ein schönerer Abschluss, wenn sie sehen, was sie erreicht haben. Außerdem falle in diesem Jahr auf dem Nordfriedhof, auf dem die vorherigen Gruppen sonst arbeiteten, nicht so viel Arbeit an.

 „Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden“ ist das Motto des internationalen Jugendcamps. „Meiner Meinung nach sollten die Menschen alles tun, um den Frieden zu erhalten“, erklärte Irina Pidvisoszka aus der Ukraine. Die 24-Jährige nimmt zum zweiten Mal an einem der Camps teil. „Es ist mir wichtig, Menschen aus anderen Ländern zu treffen und ihre Politik, Kultur und Religion kennenzulernen, und sie besser zu verstehen.“, begründete sie ihr Interesse an der Arbeit. Auch Cem Denizsel aus der Türkei ist hier, um andere Nationen kennenzulernen und mit Vorurteilen aufzuräumen. „Jede Nation ist mit Vorurteilen behaftet. Sie sind in den Köpfen der Menschen verankert.“, so der 16-jährige Schüler. Auf viele junge Menschen, so glaubt er, wirkt diese Art von Arbeit nicht attraktiv. Denizsel kann das nicht verstehen: „Die Arbeit verbessert meine Sicht auf die Dinge und erweitert meinen Horizont“, betonte er.

 Die Vormittage verbringt die Gruppe auf dem Friedhof, aber das Programm ist vielfältig. Neben Besuchen bei Gedenkstätten und Museen, soll auch der Spaß nicht zu kurz kommen. „Schließlich haben die jungen Menschen ja Ferien“, so Mielke. An den Workcamps vom Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge können offiziell Jugendliche im Alter von zwölf bis 26 Jahren teilnehmen. Es werden aber auch Ausnahmen gemacht. „Es geht schließlich um Völkerverständigung und dafür ist niemand zu alt“, erklärte Mielke. Ein Eigenanteil von 150 bis 400 Euro, je nach Land und Anreisestrecke, muss selbst getragen werden. Das Programm inklusive der Ausflüge und der damit verbundenen Reisekosten sowie Unterkunft, Vollverpflegung und Versicherungen sind damit gedeckt. Jeder Landesverband führt im Jahr mehrere Workcamps im In- und Ausland durch.

 Auch wenn offiziell fast nur Englisch gesprochen wird, erhofft sich Günes Tekiz aus der Türkei, besser Deutsch zu lernen. Mit den Betreuern und anderen deutschen Teilnehmer sucht sie deshalb besonders den Kontakt. Auch die anderen Jugendlichen bringen sich stolz gegenseitig Teile ihrer Landessprachen bei. Und so blieb „What do you say for?“, wohl der meistgesprochene wenn auch grammatikalisch verbesserungswürdige Satz während der Arbeit auf dem Parkfriedhof.

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Ein Artikel von
Kerstin Tietgen
Volontärin

Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
NOK und der Ostsee.

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