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Die Opfer fühlen sich oft selbst schuldig

K.o.-Tropfen Die Opfer fühlen sich oft selbst schuldig

Kommt das Blackout von K.-o.-Tropfen oder vom übermäßigen Alkoholkonsum? Diese Frage kann nicht immer eindeutig beantwortet werden. Die Grauzone ist groß, denn die Substanzen sind schwer nachprüfbar.

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Ursula Schele, Geschäftsführerin des Kieler Petze-Präventionsbüros in der Dänischen Straße, gibt Tipps, um Klarheit über den benebelten Zustand zu bekommen.

Quelle: Christoph Jürgensen

Kiel. Bei vielen Opfern sitzt die Scham über den Blackout. Auf der anderen Seite schieben manche diese Tropfen auch vor, um den Alkohol-Filmriss zu vertuschen. Ursula Schele, Geschäftsführerin des Kieler Petze-Präventionsbüros in der Dänischen Straße, gibt Tipps, um Klarheit über den benebelten Zustand zu bekommen.

 40 der jährlich 1000 Hilfesuchenden im Petze-Büro, die Opfer körperlicher Gewalt wurden, haben K.-o.-Tropfen verabreicht bekommen. „Studien haben ergeben, dass die Dunkelziffer bei mindestens dem Zwanzigfachen liegt“, erklärt Schele. Dass diese Zahl so groß ist, liege daran, dass bei den Betroffenen oft keine Erinnerungen vorhanden sind und diese sich mitschuldig fühlen. Unter dem Sammelbegriff „K.-o.-Tropfen“ werden Tranquilizer, Schlafmittel, Muskelrelaxantien, Betäubungsmittel und die Partydroge GHB (Liquid Ecstasy) zusammengefasst. Da die Mittel weitestgehend geruchs-, geschmacks- und farblos sind, erkennt man nicht, wenn die Tropfen im Getränk sind. Nach rund 20 Minuten spürt man aber die Wirkung: Schwindel, Erinnerungsverlust und Widerstandsunfähigkeit könnte man vielleicht noch auf den Alkohol zurück führen, aber die sexuelle Enthemmtheit ist das Kernmerkmal, das K.-o.-Tropfen auszeichnet. „Die Täter nutzen die Mittel, um ihre Opfer auszurauben, zu vergewaltigen oder auch zur pornografischen Darstellung.“

 Die Polizei erhalte meistens erst derart verspätet zur Kenntnis, dass ein medizinischer Nachweis von Substanzen im Blut nicht mehr möglich ist. Daher verwundere auch nicht, das für 2014 und 2015 keinerlei Tropfen-Opfer polizeilich erfasst sind. „Eine Zunahme an Delikten, bei denen eine mögliche Verabreichung von K.-o.-Tropfen geschildert wird, kann bestätigt werden“, so ein Pressesprecher der Kieler Polizei. Die Anzahl der Fälle, bei denen Mittel eine Rolle gespielt haben könnten, lagen bei 15 (2014) und zehn (2015). Betroffen sind vorwiegend junge Frauen.

 Auch wenn es vielen Opfern schwer falle, über das Geschehene zu sprechen: Die schnelle, fachgerechte Diagnose ist das A und O, um die Spuren der Tropfen zu sichern. „Man sollte immer in die forensische Abteilung der Uniklinik gehen. Der Hausarzt hat oftmals nicht die ideale Ausstattung zur Untersuchung“, erklärt Schele. Der Klinik-Besuch sollte schnellstmöglich erfolgen, denn die K.-o.-Tropfen sind nur zwischen vier und 72 Stunden nach Zufuhr nachweisbar. Während im Blut nur sechs bis acht Stunden nach Einnahme Spuren zu finden sind, lässt sich in Haaren noch Wochen danach eine Identifikation vornehmen.

 Die Untersuchungen sind teuer. 300 Euro kostet eine Blut- oder Urinprobe, für eine Haaranalyse müssen bis zu 2400 Euro ausgegeben werden. Für Polizei und Forensik ist es daher besonders ärgerlich, wenn die K.-o.-Tropfen nur vorgeschoben werden, weil der Alkoholkonsum ausgeufert ist. „Alle Hinweise werden ernst genommen, aber eine Haaranalyse wird nur bei nachweislich vorliegendem Verdacht gemacht“, so Schele. Die Polizei rät daher zur Prävention: „Niemals das Getränk unbeaufsichtigt stehen lassen, nicht Getränke von fremden Personen ausgeben lassen und aufeinander achten.“

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