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Kampf dem Wildwuchs

Kiel Kampf dem Wildwuchs

Die Stadt will dem Hindernisparcours in der Holstenstraße ein Ende bereiten. Die Aufsteller vor den Geschäften sollen weg, die Phalanx der Wurstwagen aufgebrochen werden. In einem umfangreichen Papier hat die Verwaltung jetzt verbindliche Regeln aufgestellt, um die Reklame in der Innenstadt auszudünnen und die City attraktiver zu machen.

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Bürgermeister Peter Todeskino will die Innenstadt aufräumen. Die massiven Steinquader um die Bäume in der Fußgängerzone sollen zum Teil filigraneren Bänken weichen. Auch Aufsteller sollen verschwinden.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Wenn der Bauausschuss zustimmt, treten die Leitlinien Anfang kommenden Jahres in Kraft.

 Besonders der Abschnitt zwischen Schevenbrücke und Holstenbrücke ist Bürgermeister Peter Todeskino ein Dorn im Auge. Die Aufsteller vor den Geschäften stehen gestaffelt in der Fußgängerzone, dazwischen zahlreiche Warenkörbe, die die Passanten in die Mitte des öffentlichen Raumes drängen. „Das ist hier ein einziges Tohuwabohu. Die Innenstadt wird den Ansprüchen einer vitalen Mitte einer Landehauptstadt nicht mehr gerecht“, kritisiert Todeskino bei einer Begehung. Die zahlreichen Wurstwagen an vielen Stellen will die Stadt nicht mehr erlauben. Jeweils nur noch zwei dürfen am Holstenplatz sowie am Asmus-Bremer-Platz stehen – die obere Holstenstraße ist für die Brater dann tabu.

 Geschäftsinhaber täten sich keinen Gefallen, wenn ihre Aufsteller zu weit von den Eingängen entfernt stehen, erklärt der Bürgermeister. Die Schilder würden die Passanten eher in die Mitte der Straße drängen, statt sie zu den Läden zu führen. Die massiven Betonquader rund um die Bäume sollen ebenfalls entfernt werden und einige durch filigranere Konstruktionen ersetzt werden, die den Einkäufern einen angenehmeren Platz zum Ausruhen bieten.

 Von einer Reglementierungswut der Verwaltung will der Bürgermeister allerdings nichts wissen: „Das sieht nun wirklich nicht schön aus. Es wird einfach mit privater Verkaufsfläche der öffentliche Raum blockiert.“ Der Kampf um die Aufmerksamkeit der Kunden führe in Spiralen zu immer größerer, immer mehr und immer auffälligerer Werbung.

 Die Stadt hat für den massiven Vorstoß zudem Rückendeckung. Auf Initiative des Arbeitskreises Einzelhandel wurde die „Gestaltungsoffensive Innenstadt“ (Goi) ins Leben gerufen. Daran beteiligt sind neben der Stadt und Kiel-Marketing auch zahlreiche Geschäftsleute, die in vielen Gesprächsrunden den Anstoß zu den neuen Leitlinien gegeben hatten. So wurden zwei Schutzzonen definiert (siehe Grafik). In Zone 1 werden die Aufsteller verboten. Warenauslagen und Verkaufsstände für Speisen und alkoholfreie Getränke müssen vor dem eigenen Geschäft aufgestellt werden und dürfen ab Hauswand eine Tiefe von 1,20 Metern haben. Nur 30 Prozent der Gesamtladenfront dürfen zugestellt werden. Mit Ausnahme von Postkartenständern ist eine maximale Höhe von 1,50 Metern erlaubt. In der Schutzzone 2 ist ein Aufsteller pro Geschäft erlaubt.

 Tische und Stühle, zum Beispiel vor Cafés, sollten aus hochwertigem Mobiliar bestehen. „Plastikmöbel werden dem Anspruch an eine attraktive Innenstadt nicht gerecht“, sagt Todeskino. Ein positives Beispiel ist für ihn der neugestaltete Klosterplatz. Wie dort praktiziert, können gut platzierte Pflanzkübel einen bestimmten Bereich abgrenzen, ohne eine direkte Trennung zu bewirken. Der Alte Markt mit den Pavillons ist für den Bürgermeister hingegen nach wie vor ein Sorgenkind. Hier gibt es Ideen, irgendwann einmal die Gebäude an der Nikolaikirche abzureißen, um wieder einen offenen Charakter zu erzeugen.

 Was Todeskino ebenfalls nicht passt, sind die teils massiven Dachüberstände in der Holstenstraße, die die Fußgängerzone verschatteten und die Gebäude in den Hintergrund rückten. Konstruktionen aus Glas würden Regenschutz und Lichteinfall zugleich bieten. Doch hier hat die Stadt keine Handhabe. Sie will daher an die Hausbesitzer appellieren, sich über eine Neugestaltung Gedanken zu machen. Sollte der Bauausschuss dem Gestaltungshandbuch zustimmen, müssen die Regelungen mit einer Übergangsfrist umgesetzt werden. Viele Geschäftsleute wissen schon Bescheid, andere werden informiert. „Wir scheuen keine ordnungsrechtliche Auseinandersetzung“, sagte Todeskino.

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Ein Artikel von
Günter Schellhase
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