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Das Projekt im Faktencheck

Kiel-Kanal Das Projekt im Faktencheck

Der geplante Bau des Kleinen Kiel-Kanals spaltet weiterhin die Stadt – obwohl die Idee im Jahr 2008 in einem Werkstattverfahren für Bürger entstanden ist, die Vorschläge zum Rahmenplan „Perspektiven für die Innenstadt“ machen sollten.

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Blick auf den Berliner Platz, der bis 2019 ein völlig neues Gesicht bekommen soll. Der „Kanal“ wird sich von dort bis zum Kleinen Kiel im Hintergrund erstrecken.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Eine Wasserverbindung wurde damals als Schlüsselmaßnahme gewertet. Während die Befürworter den Kleinen Kiel-Kanal als Zukunftsprojekt bejubeln, der die Innenstadt endlich aufwertet, bleiben die Gegner skeptisch: Sie warnen vor den hohen Kosten des Projekts, das im Herbst 2019 fertiggestellt sein soll. In einem sind sich alle einig: Das Zentrum Kiels, das in manchen Teilen einer Betonwüste gleicht, muss attraktiver werden, um den Ansprüchen als Tourismusmagnet und Landeshauptstadt mit hoher Lebensqualität gerecht zu werden. Nachdem die Vorbereitungsarbeiten gestartet sind, ist es daher Zeit für einen Daten- und Faktencheck.

 Wie soll eine Wasserverbindung zur Aufwertung beitragen können?

 Nach Vorstellung der Stadt soll ein großes, zehn Meter breites und 117,5 langes Stahlbetonbecken zum Kleinen Kiel und ein weiteres, 20 Meter breites Bassin zum Bootshafen (45,5 Meter lang) zum Verweilen und zu Aktivitäten einladen. Nach den Plänen des Siegerentwurfs der Gemeinschaft, Giesecke, Mohren, Richard (Berlin) mit Obermeyer Ingenieure (Potsdam) entstehen helle Aufenthaltsflächen und zwei Fußgängerbrücken, die einen barrierefreien Zugang ermöglichen. Während Kritiker zu viel Schatten, Müll und ein Umkippen des Wassers ins Feld führen, versichern Gutachter, das Areal erhalte genügend Sonnenlicht. Technische und biologische Filteranlagen sollen Stoffe, die zu einer Geruchsbelästigung führen könnten, herausfiltern. Das Wasser in den beiden Becken durchläuft demnach permanent einen Reinigungs- und Belüftungskreislauf. Die erhoffte Aufwertung soll samt Gastronomie den umliegenden Geschäftsvierteln zu Gute kommen. Bestärkt werden die Planer durch die breite Unterstützung von Industrie- und Handelskammer, dem Eigentümerverein Haus&Grund und Altstadt-Kaufleuten.

 Warum wird das Projekt nicht von den Eigentümern getragen, sondern aus Steuergeldern gezahlt?

 Eigentümer der Flächen ist die Landeshauptstadt Kiel, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, mit dem Projekt im direkten Umfeld private Investitionen auszulösen. Obwohl der Bau des Kleinen Kiel-Kanals erst im Juni 2017 beginnt, sind schon mehrere solcher Investitionen angekündigt worden – wie die Neugestaltung des C&A-Blocks, der Neubau des Woolworth-Gebäudes, die Aufwertung der Gebäude der Ahlmannstiftung und die Umgestaltung des alten Brücke-Kinos.

 Kritiker halten den Kleinen Kiel-Kanal mit Kosten in Höhe von 11,9 Millionen Euro für viel zu teuer. Was muss die Stadt allein schultern?

 Da das Land das Projekt zu 75 Prozent fördert, hat die Stadt etwa vier Millionen Euro aufzubringen. Sie verweist aber darauf, dass die dringend nötige Sanierung der Holstenbrücke, die auch ohne Kleiner Kiel-Kanal auf die Stadt zukäme, sich auf etwa 2,3 Millionen Euro belaufen würden. Für Reinigung und Wartung werden insgesamt rund 60000 Euro pro Jahr veranschlagt.

 Wieso reicht eine Sanierung der Holstenbrücke nicht aus?

 Ein Umbau der Straße zu einer platzartigen Fläche würde bis zu 4,5 Millionen Euro kosten. Eine bloße Ergänzung des Fußgängerbereichs erhöht die gewünschte Verweildauer der Besucher nach Markt-Untersuchungen nicht. Kiels Fußgängerzone gilt ohnehin mit drei Kilometern für Käuferströme als zu lang.

 Wie wirkt sich Umbau auf den Verkehr aus?

 Die Holstenbrücke und der Berliner Platz haben bereits heute eine nur noch untergeordnete Verkehrsbedeutung im Straßennetz. Etwa die Hälfte aller Autofahrer im täglichen Durchgangsverkehr steuert nach Schätzungen gar kein Ziel in der Innenstadt an. „In der Tat wäre eine gute Aufenthaltsqualität für die Besucherinnen und Besucher nicht gegeben, wenn der Autoverkehr weiterhin durch die Holstenbrücke fahren könnte“, erklärt die Stadt. Mit Baubeginn ab Juni 2017 ist die Straße dauerhaft für den Autoverkehr gesperrt. Als Ersatz für die entfallenden Bushaltestellen in der Holstenstraße werden zwei neue im Martensdamm vor der HSH Nordbank und in der Rathausstraße unterhalb des Rathausplatzes entstehen. Für Fußgänger und Radler soll sich die Situation im Vergleich zu heute entspannen.

 Warum kam es nicht wie bei Möbel Kraft zum Bürgerentscheid?

 Das Projekt noch per Bürgervotum kippen zu wollen, ist nur noch theoretisch möglich. Denn im Unterschied zu anderen Projekten wie Möbel Kraft oder Freibad Katzheide hat keine Bürgerinitiative oder Partei die Option Bürgerbegehren gezogen, obwohl der Streit sich schon so lange hinzieht. Der entscheidende Ratsbeschluss für den Kleinen Kiel-Kanal kam mit den Stimmen von SPD, Grünen und SSW im Juli 2015 durch. CDU, FDP und Linke sagten Nein. Entgegen anderslautenden Behauptungen hat Oberbürgermeister Ulf Kämpfer sich zwar im Wahlkampf sehr skeptisch zum Kleinen Kiel-Kanal geäußert, jedoch nie einen Bürgerentscheid versprochen, wohl aber eine breite Bürgerbeteiligung. Die hat aus Sicht der Stadt auch stattgefunden: Mehr als 650 Bürger reichten in Planungsverfahren Vorschläge zur Gestaltung ein, die in die Planung einflossen, wie etwa Freianlagen mit Holzbelägen.

Sie haben die Wahl

Das Interesse unserer Leserinnen und Leser, den endgültigen Namen für den Kleinen Kiel-Kanal zu beeinflussen, ist enorm. Hunderte haben in den vergangenen Tagen bereits an unserer Abstimmung teilgenommen und ihr Votum abgegeben. Einsendeschluss ist der 31. Juli 2016. Danach veröffentlichen wir das Ergebnis. Sie haben die Wahl zwischen

1. Tom-Kyle-Kanal

2. Sprotten-Kanal

3. Holsten-Fleet

4. Altstadt-Fleet und

5. Kielwasser.

Bitte schicken Sie uns Ihren Favoriten an lokalredaktion@kieler-nachrichten.de oder mit der klassischen Post an die Kieler Nachrichten, Stichwort „Kiel-Kanal“, Lokalredaktion, Fleethörn 1-7, 24103 Kiel. Berücksichtigt werden nur Einsendungen mit kompletter Namens- und Adressnennung. Zur Belohnung verlosen wir unter allen Einsendern drei mal zwei Freikarten , die für folgende Shows in der Sparkassenarena eingesetzt werden können: Paul Panzer (24.9.), Beatrice Egli (4.11.), Polizei-Show (12.11.) oder die Musical Show Scotland (19.11.). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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