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Kirchenweg 34: Stadt droht mit Räumung

Kiel Kirchenweg 34: Stadt droht mit Räumung

Lärmbelästigung, Müll, Schimmel und andere Unzumutbarkeiten für die Bewohner: Drastisch beschrieben die Hauseigentümer der Initiative „Wohnwert Gaarden“ jüngst in einer Petition an den Kieler Oberbürgermeister die Zustände im Haus Kirchenweg 34. Jetzt hat die Stadt massive Auflagen erlassen.

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Hausverwalter Erik Währum stellt sich gegen die Anordnung der Stadt: „Ich schmeiße niemanden raus.“

Quelle: Martin Geist

Kiel. Die Räume der drei und sechs Zimmer großen Wohnungen im fünfgeschossigen Mehrfamilienhaus werden einzeln vermietet. Das ist nach Auskunft der Stadt „grundsätzlich zulässig“; allerdings seien vor wenigen Tagen bei einer Begehung „diverse bauliche Mängel“ festgestellt worden. Nicht zuletzt mangelt es laut Stadt am Brandschutz.

 Als hochproblematisch wird auch die dichte Belegung des Hauses betrachtet. Eine Befragung vor Ort ergab, dass dort 113 Menschen leben, offiziell bei der Stadt gemeldet sind sogar 140. Fakt ist jedenfalls nach Darstellung von Bürgermeister Peter Todeskino, dass oft drei und mehr Personen in einem Zimmer leben. Dies seien „unhaltbare Zustände, die die gesunden Wohnverhältnisse gefährden“. Nun hat der Stadtbaurat den Hauseigentümer aufgefordert, die baulichen Mängel zu beseitigen und die Zahl der Bewohner auf 40 zu senken. Er ordnete zudem den Sofortvollzug an: Das bedeutet, dass der Vermieter bis zum 15. September tätig werden muss.

 Auch Oberbürgermeister Ulf Kämpfer äußert sich kritisch über die Wohnverhältnisse in dem Haus, wo überwiegend Roma leben, die aus dem bulgarisch-rumänischen Grenzgebiet stammen: „Die Situation im Kirchenweg ist eine nicht hinnehmbare Zumutung für die Mieter, die Nachbarn und den ganzen Stadtteil. Es wird höchste Zeit, dass wir gegen diese Überbelegung vorgehen und den Vermieter zur Verantwortung ziehen.“

 Der Eigentümer hat nun die Möglichkeit, gegen die Auflagen und besonders gegen den Sofortvollzug ein Eilverfahren beim Verwaltungsgericht anzustrengen. Sollte er unterliegen oder unternimmt er nichts, müssen Brandschutzanforderungen und die Reduzierung der Bewohnerzahl bis zum 15. September erfüllt sein. Wenn nicht, kann die Stadt über eine sogenannte Ersatzvornahme selbst tätig werden – sprich das Haus räumen.

Chef reagiert verständnislos

 Was aber zur Folge hätte, dass sich die Stadt ein Obdachlosenproblem einhandeln würde, denn für die Unterbringung von Wohnungslosen sind die Kommunen verantwortlich. Erik Währum, Chef der für die Verwaltung des Hauses zuständigen Firma GF Consulting, reagiert verständnislos. „Die Stadt fordert mich zum Rechtsbruch auf“, kritisiert er. „Ich kann die Leute nicht rauswerfen, die haben einen gültigen Mietvertrag.“

 Währum wirft den Verantwortlichen im Rathaus zudem mangelnde Bereitschaft zum Dialog vor. Er habe stets Offenheit für Gespräche bekundet und schon viel unternommen, damit sich die Situation bessert. Wöchentlich werden nach Darstellung des Verwalters 18 Mülltonnen geleert; mit Hilfe von Dolmetschern versuche man, auf das Verhalten der überwiegend nicht oder kaum deutsch sprechenden Mieter einzuwirken. Das Ziel, die Zahl der Bewohner zu reduzieren verfolge man sowieso. „Das geht aber nicht von heute auf morgen“, sagt Währum. Der Stadt wirft er eilfertiges Vorpreschen im Sinne der „Wohnwert“-Initiative vor: „Das ist ein Politikum, um Leute zu beruhigen, die Angst haben, dass sie mit ihren Häusern zu wenig Geld verdienen“.

 Auch Sozialarbeiter Serdar Külahlioglu, der ein Gartenprojekt für die Kinder aus dem Kirchenweg 34 leitet, betrachtet das Vorgehen der Stadt skeptisch. Die Bewohnerzahl bis Mitte September auf ein Drittel zu reduzieren „geht nicht ohne ersichtlichen Auffangplan“. Niemand könne Interesse daran haben, unüberlegt Obdachlose zu produzieren. Positiv betrachtet Külahlioglu die Arbeit der Hausverwaltung. „Es wird pausenlos renoviert, die bemühen sich wirklich.“

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