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Kleingärtner beklagen erbärmlichen Zustand

Zufahrt marode Kleingärtner beklagen erbärmlichen Zustand

Die Kleingärtner aus Kiel-Elmschenhagen gehen auf die Barrikaden. Seit Jahren warten sie darauf, dass der marode Zufahrtsweg Böttgersberg saniert werden. Nun sind sie nicht länger bereit, die Folgen zu tragen.

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Obwohl erst kürzlich in Eigenarbeit aufgefüllt, sind viele Schlaglöcher schon wieder mehr als 10 Zentimeter tief. Jens Seyferth, Hans-Jürgen Jaensch, Peter Christensen und Birgit Lange (von links) demonstrieren das mit einem Zollstock.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Immer wieder werden die Kleingärtner in Kiel-Elmschenhagen von der Stadt vertröstet. „Jetzt ist Schluss“, sagt der zweite Vorsitzende des Vereins Uwe Hagelsteen, „wir sind nicht länger bereit, die Folgen zu tragen. Denn die sind erheblich.“ 54 Prozent der Parzellen, die über den Böttgersberg zu erreichen sind, stehen leer. „Das ist deutlich mehr als in anderen Teilen unserer Kleingartenanlage“, sagt Karl-Heiz Sommerfeld, 1. Vorsitzender von Kleingärtnerverein von 1946. Es gebe durchaus immer wieder Interessenten. „Aber wenn die den Böttgersberg und dann weiter den Kusitzaweg zu den Parzellen fahren, sagen die meisten: Nein, danke. Da fahre ich mir ja mein Auto kaputt.“

 Eine Befürchtung, die begründet ist, berichtet Kleingärtner Jens Seyferth, „von gebrochenen Federn über zerstörte Auspuffanlagen, Kugelgelenken und Gestängen reichen die Schäden. Alles unnötige Kosten, unnötiger Ärger, unnötiger Zeitaufwand.“ Noch bedenklicher findet Seyferth aber, dass alte Menschen, die zu Fuß in das Gelände kommen, und Radfahrer gefährdet sind. „Beide Gruppen erkennen oft zu spät, dass durch das Herausbrechen von Asphaltstücken regelrechte Treppenabsätze entstanden sind.“

 Doch das sind nicht die einzigen Folgen. „Denn für jede Parzelle müssen wir der Stadt Geld zahlen. Für die leerstehenden Kleingärten müssen wir anderen Kleingärtner diesen Beitrag mit aufbringen – rund 3000 Euro im Jahr. Für einen Verein wie unseren wirklich kein Pappenstiel“, sagt Uwe Hagelsteen. Außerdem müssen die anderen Kleingärtner die unverpachteten Zellen mitbetreuen. Birgit Lange kommt gerade von der Arbeit aus solchen Pflegegärten. Auch sie kann ihren Unmut kaum noch zähmen. „Die Stadt verlangt, dass wir die angrenzenden Grünflächen mitbetreuen. Das machen wir auch, mähen dort Rasen, schneiden Hecken, sorgen für Sauberkeit. Aber wenn die Stadt weiterhin ihren Teil der Abmachung nicht erfüllt und für eine ordentliche Zufahrt zum Gelände sorgt, dann werden wir diese Arbeit einstellen.“

 Erst kürzlich haben die Kleingärtner wieder in Eigenregie die Löcher im Böttgersberg aufgefüllt – wie so oft in den vergangenen Jahren. Aber das ist immer nur eine kurzfristige Lösung wie ein Besuch vor Ort zeigt: Der Böttgersberg hat ein starkes Gefälle. Bei Regen rauscht das Wasser mit Kraft hinunter und spült die Löcher wieder aus. „Dann ist nicht nur unsere Arbeit hin“, sagt Karl-Heinz Sommerfeld, „das herausgespülte Gemisch verstopft auch unsere Siele und beschert uns neue Arbeit.“

 Jens Seyferth sagt: „Das ist seit Jahren ein ewiger Kreislauf. Wir fühlen uns wie Sisyphos.“ Denn wenn die Siele nicht mehr funktionieren, ist ein tieferliegender öffentlicher Spazierweg nicht mehr passierbar. Und es kommt kein Wasser mehr in dem Teich an, den die Kleingärtner mit Bänken für alle Spaziergänger angelegt haben, die hier in Ruhe Frösche, Molche und die harmlose Ringelnatter beobachten können. „Bei der Stadt muss man endlich begreifen, welche Kettenreaktion der marode Zustand am Böttgersberg auslöst“, fordert Hagelsteen.

 Auf Nachfrage beteuert Joachim Kläschen vom Presseamt der Stadt, dass man um den Zustand der Straße Böttgersberg wisse und das Tiefbauamt nun für das vierte Quartal eine Instandsetzung vorsehe. Warum das nicht früher passiert ist? „Das war früher nicht zu realisieren. Einerseits, da das Fachpersonal auf anderen bedeutenderen Baustellen im Einsatz ist. Zudem ist aufgrund der regen Straßenbautätigkeit in Schleswig-Holstein und in Kiel auf der A210 und B76 der für die Deckschicht benötigte Asphalt gegenwärtig knapp und wird vorrangig an Großabnehmer abgegeben“, sagt der Stadtsprecher.

 Die Kleingärtner jedoch bleiben vorerst skeptisch. „Man hat uns schon zu oft versprochen, dass etwas passiert – die Stadt für den Böttgersberg und der Kleingartenverband für den Kusitzaweg, der auch in einem erbärmlichen Zustand ist“, sagt Jens Seyferth. „Wir glauben das erst, wenn wir hier der Bautrupp anrückt.“

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