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Wie Bakterien unser Leben bestimmen

Kiel Life Science Wie Bakterien unser Leben bestimmen

Mikroorganismen sind die eigentlich beherrschende Kraft im Leben. Diese Erkenntnis stellt der Berliner Schriftsteller Bernhard Kegel in seinem im vergangenen Jahr erschienenen Buch „Die Herrscher der Welt. Wie Mikroben unser Leben bestimmen“ vor, aus dem er am Mittwochabend beim Neujahrsempfang des Forschungsschwerpunkts „Kiel Life Science“ (KLS) der Christian-Albrechts-Universität im Zoologischen Museum vorlas.

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Prof. Thomas Bosch (links) und der Schriftsteller Bernhard Kegel rückten mikroskopisch kleine Organismen im Zoologischen Museum ins Rampenlicht. Auch der Riesenkalmar im Hintergrund sei voll von Mikroben, betonte Bosch.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Der Mensch ist kein Individuum. Denn er ist niemals allein in seinem eigenen Körper: Unzählige Bakterien kleben an seinen Händen, belegen seine Zunge und leben in seinem Gedärm. Und ohne diese Vielzahl von verschiedenen Mikroben funktionieren auch viele Stoffwechselprozesse nicht oder nicht richtig. Radikal zu Ende gedacht: Mikroorganismen sind die eigentlich beherrschende Kraft im Leben. Ohne sie klappt es nun mal nicht.

Für Bernahrd Kegel als studierten Biologen und Chemiker sei das ein überaus spannendes Thema gewesen, sagte er rückblickend auf den Schreibprozess: „Denn es widerspricht dem, was ich einmal gelernt habe.“ Noch vor wenigen Jahren nämlich galten Symbiosen als Ausnahme. „Die Ausnahme ist aber die Regel“, sagt Kegel, der für sein Buch auch in Kiel recherchiert hat. „Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel, ja vor einer Revolution.“ Damit setzte er das Thema für die anschließende Diskussion, bei der Kieler Wissenschaftler auf dem Podium saßen und aus ihrer Praxis berichteten.

Neuer Sonderforschungsbereich an der Uni Kiel

Seit Anfang dieses Jahres gibt es dazu einen neuen Sonderforschungsbereich (SFB 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“). Dieser ist zunächst für vier Jahre genehmigt und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit zehn Millionen Euro gefördert. Prof. Thomas Bosch zufolge, der zugleich Sprecher vom CAU-Forschungsschwerpunkt und vom Sonderforschungsbereich ist, wollen die Wissenschaftler langfristig verstehen, wie sich dieses Zusammenspiel auf die menschliche Gesundheit auswirkt. „Gesund ist man, wenn man mit den vielen Organismen in einem Gleichgewicht lebt“, erläuterte er. „Krank wird man, wenn das Gleichgewicht gestört wird.“

Die Forschung soll dabei helfen, die Entstehung von Entzündungen oder Krebs besser zu verstehen, hofft Bosch, der seine Erkenntnisse demnächst auch in ein neues Schulbuch einfließen lassen will. Ganz wesentlich: Nur gut 200 Bakterien machen den Menschen krank, Hunderttausende andere aber verhalten sich wohlwollend oder sind möglicherweise sogar essenziell für das Leben.

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Sonderforschungsbereich
Foto: Die CAU Kiel erhält für einen Sonderforschungsbereich zehn Millionen Euro.

Die CAU Kiel erhält für einen Sonderforschungsbereich, der sich dem Zusammenhang von Proteinspaltung und Krankheitsentstehung widmet, gut zehn Millionen Euro.

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