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Wagen mit Geschichte auf dem Abstellgleis

Meimersdorf Wagen mit Geschichte auf dem Abstellgleis

Hinter einem Birkenwäldchen auf dem Rangierbahnhof in Meimersdorf steht das ausgebrannte Wrack eines Triebwagens. Der T3 aus dem Jahr 1961 wurde von der Kieler Motorenschmiede MaK gebaut und hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Wie es jetzt mit der historischen Bahn weitergeht, ist noch unklar.

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Der einst schmucke Triebwagen T3 vom Kieler Motorenbauer MaK steht auf dem Rangierbahnhof im Kieler Stadtteil Meimersdorf und bietet jetzt ein trauriges Bild. Nach einem Feuer im Jahr 2012 ist er in der Mitte gebrochen.

Quelle: Schellhase

Kiel. Jetzt bietet das einst kraftvolle Gefährt mit dem Knick in der Mitte einen trostlosen Anblick. Der Seehafen Kiel als einer der Nutzer des Rangierbahnhofes hat den Eigentümer mehrfach aufgefordert, den Triebwagen von der öffentlichen Gleisanlage zu entfernen. Doch passiert ist bisher nichts.

 Der T3 hat eine lange Historie. Er gehörte der Nordfriesischen Verkehrsbetriebe (NVAG) und pendelte mit einem anderen Triebwagen auf der Strecke Niebüll – Dagebüll. „Zu Beginn der 1990er Jahre sollten beide Fahrzeuge ersetzt werden. 1995 kam für den T3, der zwei Mal 240 PS hatte, ein Triebwagen vom Typ Jenbacher aus Österreich“, erzählte Rainer Dodt, Mitarbeiter der Hamburger Nahverkehrsnachrichten, der sich mit der Geschichte des Zuges beschäftigte. Der MaK-Triebwagen wurde ein Jahr später an den dänischen Verein Museumsbahn Tingleff – Tondern verkauft und fand seine neue Heimat im alten Bahnwerk Tondern. Im Nachbarland beförderte er auf der 26 Kilometer langen Strecke drei Jahre lang Touristen, bis der Verein das Bahnwerk räumen musste. „Ab 1999 stand der Wagen geschützt auf einem Industriegelände im Hafen von Apenrade“, sagte Dodt.

Keine Einigung mit neuem Eigentümer

 Der Triebwagen wurde später reaktiviert und für Sonderfahrten unter anderem nach Flensburg und Haderslev (Hadersleben) eingesetzt. 2003 wurde die Strecke wegen Mängeln gesperrt: Offensichtlich gab es keine Zukunft für den T3, so war der Wagen abgestellt und 2005 zum Verkauf angeboten worden. Einige Zeit stand er in Rodekrø (Rothenkrug), fuhr dann nach Tondern und wurde später nach Niebüll überführt, um dort bei der NEG, dem Nachfolger der NVAG, instandgesetzt zu werden. Doch eine Einigung mit dem neuen Eigentümer, der Deutschen Regional Eisenbahn in Berlin, kam nicht zustande, sodass der Wagen nach Tondern rollte und dort mehrere Jahre ungeschützt im Freien stand. „Nachdem auch die letzte Scheiben kaputt war, wurde der Wagen 2008 nach Kiel überführt und später auf das abgelegene Gleis auf dem Rangierbahnhof Meimersdorf abgeschoben“, erzählte Eisenbahnfreund Dodt.

 Dort stand der Wagen jahrelang, bot Jugendlichen ein gutes Versteck und wurde von oben bis unter mit Graffiti beschmiert. 2012 zerstörte ein Feuer den T3 vollständig. Durch die Hitze und das durch Rost angefressene Gestell brach der Triebwagen in der Mitte durch – er bietet jetzt ein Bild des Jammers: Die Innenverkleidung ist verbrannt, von den Sitzen und Bänken sind nur noch Stahlskelette übrig. Überall liegen leere Spraydosen. Die Außenhülle ist vom Rost zerfressen. Wenn überhaupt, so hat das einst stolze Gefährt nur noch Schrottwert. Doch was passiert jetzt mit dem Wrack?

Nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft

 „Schon vor dem Feuer haben wir den Eigentümer mehrfach aufgefordert, das damals schon beschädigte Fahrzeug vom Rangierbahnhof zu entfernen“, sagte Seehafen-Sprecher Ulf Jahnke. Doch die Deutsche Regional Eisenbahn in Berlin kam dieser Aufforderung bisher ebenso wenig nach wie weiteren nach dem Feuer. Als Besitzer des T3 ist das Unternehmen, das zahlreiche kürze Strecken in vielen Bundesländern betreibt, für die Entsorgung des Schrottes verantwortlich und muss die dadurch entstehenden Kosten übernehmen. Der Seehafen hat nach Angaben von Jahnke noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft: „Um fremdes Eigentum zu entfernen, muss ein gerichtsfester Titel erwirkt werden. Das Verfahren haben wir aber noch nicht eingeleitet“, so der Sprecher: Allerdings sei durch das abgestellte Fahrzeug der Betrieb in Meimersdorf nicht beeinträchtigt.

Mehrere Anrufe von KN-Online bei dem Eigentümer in Berlin blieben unbeantwortet. Somit ist es nicht unwahrscheinlich, dass der ehemals schmucke MaK Triebwagen vom Typ T3 noch länger hinter dem kleinen Birkenwäldchen auf der Endstation Abstellgleis verrostet.

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