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Netzwerke halten Stadtteil zusammen

Kiel-Mettenhof Netzwerke halten Stadtteil zusammen

Während der Kieler Woche 1965 fiel mit der Grundsteinlegung das offizielle Startsignal: Wegen der Wohnungsnot in Kiel sollte ein neuer Stadtteil mit einem alten Namen, aber moderner Skyline entstehen: Mettenhof. Geplant war das gesamte Areal für 40000 Einwohner und eine Autobahn. Doch es kam anders. Eine Serie beleuchtet die Entwicklung der kleinen Stadt in der Stadt. Heute: Bildung und soziale Infrastruktur.

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Bunt sind nicht nur die T-Shirts der Kinder in der Ganztags-Grundschuie am Heidenberger Teich. Ebenso so groß ist auch die Vielfalt der Kulturen. Aus 25 Nationen stammen die Schüler, die nicht nur aus Mettenhof, sondern auch aus anderen Stadtteilen hierher kommen.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Viel Kriminalität, Armut, hohe Ausländerdichte: Diese Negativ-Etiketten haften schon seit vielen Jahren an Mettenhof wie hartnäckige Kletten, die man einfach nicht los wird. Und so manche erschreckende Zahl scheint dies auf den ersten Blick auch zu bestätigen. Zum Beispiel die zur Kinderarmut: Rund 62 Prozent aller unter 15-Jährigen sind auf staatliche Unterstützung (ehemals Sozialhilfe) angewiesen. Diese Zahl ist damit mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnittswert in Kiel, der bei 29,6 Prozent liegt.

 Zur ganzen Wahrheit gehört aus Sicht von Kiels Bildungsdezernentin Renate Treutel aber auch: „In Mettenhof sind viele modellhafte Projekte entstanden, die heute in anderen Stadtteilen selbstverständlich sind.“ Zu ihnen zähle zum Beispiel die dort schon in den 90er-Jahren auf den Weg gebrachte, zunächst jedoch hoch umstrittene, intensive Zusammenarbeit von Polizei und Jugendhilfe zur Kriminalitätsvorbeugung. Ebenfalls als modellhaft für andere Stadtteile könnten das Bürgerhaus, das Stadtteilbüro, Stadtteilkonferenzen, die vielen runden Tische und Arbeitskreise wie der kriminalpräventive Rat gelten. „All das wäre ohne dieses erstklassige soziale Netzwerk nicht denkbar in diesem Stadtteil, in dem fast jeder jeden kennt.“

 Gegen das Negativimage kämpft die Stadt vor allem mit Bildungs- und Beratungsangeboten. Zum Beispiel durch die drei Familienzentren – so viele wie in keinem anderen Stadtteil. Oder mit dem Ausbau von Krippen und Kitas. Das Angebot von Plätzen für 81,4 Prozent der null- bis sechsjährigen Kinder in Mettenhof sei zwar ein Spitzenwert in der Stadt, reiche aber immer noch nicht aus. Lange Wartelisten seien die Folge.

 Solche Wartelisten mit bis zu 30 Kindern plus rund ebenso vielen aus Kapazitätsgründen abgelehnten Schülern gibt es auch in der Grundschule am Heidenberger Teich. Schon seit ihrer Gründung Anfang der 1970er-Jahre ist sie überlaufen. 453 Kinder aus 25 Nationen verbringen derzeit hier bis 16 Uhr ihren Tag. Nicht nur mit Lernen. Ob Schach-AG, Yoga, Kinder-Kochprojekte, diverse Bands, Theaterwerkstatt, Reit-AG oder Segeln: Das Angebot an den Nachmittagen ist an der gebundenen Ganztagsgrundschule (einer von insgesamt vier in Kiel) ungewöhnlich groß.

 Für Schulleiterin Ulrike Schmidt-Hansen ist diese oft durch Sponsoren mitfinanzierte Vielfalt der Angebote Bestandteil des pädagogischen Konzeptes: „Wir versuchen, die Kinder so breitgefächert wie möglich zu fördern. Denn viele Eltern könnten privat solche Angebote gar nicht finanzieren.“ Die Förderung „vieler kluger Kinder bei uns“ zahlt sich aus Sicht der Schulleiterin aus. Ob Mathe-Olympiade oder Sportturniere auf Landes- und Kreisebene: „Oft sind unsere Schüler ganz vorne mit dabei.“

 Und noch eine weitere Besonderheit gibt es in der Bildungslandschaft Mettenhofs: das einzige Gymnasium der Stadt mit einem sogenannten Y-Modell, bei dem G8- und G9 parallel zum Abitur führen. Aus Sicht von Schulleiter Ralph Stolze entwickelte sich diese Möglichkeit des neunjährigen Bildungsgangs am Thor-Heyerdahl-Gymnasium zum Erfolgsmodell: Fast alle Schüler hätten sich in diesem Schuljahr nach Abschluss der fünften Klassen für G9 entschieden.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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