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Mit dem Nordlicht geht es bergab

Geschäftshaus Mit dem Nordlicht geht es bergab

Schon vor zwei Jahren sollte das Nordlicht-Geschäftshaus in Kiel im wörtlichen Sinn heller strahlen. Doch umgesetzt wurde das „Revitalisierungskonzept“ im seit seiner Fertigstellung Ende 2012 viel kritisierten Gebäude am ehemaligen Karstadt-Standort in der Holstenstraße immer noch nicht.

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Wie lassen sich die Kundenströme in das Einkaufszentrum Nordlicht lotsen? Im Gespräch waren schon eine bessere Ausleuchtung, eine neue Farbgestaltung und eine übersichtlichere Wegeführung – passiert ist bisher jedoch nichts.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Zum Beispiel sollte eine bessere Ausleuchtung, eine neue Farbgestaltung im Innenbereich oder eine übersichtlichere Wegeführung helfen. Gründe dafür vermag Center-Manager Norbert Fels auf Nachfrage nicht nennen: „Es tut mir leid, aber mir sind die Hände gebunden.“

 Stillstand herrscht auch bei der Vermietung eines wahren Premium-Ladenlokals im Nordlicht. So sieht die rund 650 Quadratmeter große Fläche in der ersten Etage mit Panoramablick über den Bootshafen nach wie vor so aus, als hätten die Bauleute sie gerade erst verlassen. Dabei hatte der Center-Manager vor einem Jahr verkündet, der Vertragsabschluss mit einem Gastronomen für sein „gehobenes“ Asia-Konzept stehe unmittelbar bevor. Warum es nicht zum Vertragsabschluss kam und trotz bester Lage offenbar auch kein weiterer Interessent in Sicht ist, will Norbert Fels ebenfalls nicht sagen.

Rechtsstreit konnte beendet werden

 Sicher ist nach KN-Informationen bislang nur: Der zähe Rechtsstreit zwischen den Eigentümern der Immobilie – der weltweit agierenden Investmentgesellschaft Aerium mit Hauptsitz in London – und dem für die Errichtung des Gebäudes zuständigen Generalunternehmers konnte inzwischen beendet werden. In dem Verfahren ging es um die Klärung der kniffligen wie strittigen Frage, welche Leistungen der Generalunternehmer laut Auftrag damals hätte umsetzen müssen und welche nicht.

 Abgeschlossen sind inzwischen nicht nur die Streitigkeiten vor Gericht, sondern auch die technischen Anpassungen im Gebäude mit einem Investitionsvolumen von mehreren Hundertausend Euro. Nach Angaben des Center-Managers mussten zum Beispiel die Lüftung sowie die Sicherheitstechnik neu eingestellt oder sogar umgebaut werden. Auch eine zusätzliche Kundentoilette im nach wie vor steril wirkenden Verbindungsgang von der Holstenstraße zum Bootshafen (heißt im Kundenjargon mittlerweile Pathologie-Gang) wurde vor knapp einem Jahr eingebaut. „Damit sind Technik und Betrieb im Gebäude jetzt mängelfrei“, betont Norbert Fels.

 Ob es bei allen 15 Mietern im Nordlicht inzwischen ebenfalls mängelfrei zugeht, ist allerdings zweifelhaft. So hieß es im Comfort-Städtereport Kiel 2015 der Hamburger Gewerbeimmobilien-Analysten: „Hier sind die Erwartungen der Einzelhändler offensichtlich bisher noch nicht voll erfüllt worden.“

Nordlicht taucht in Kiel-Report 2016 nicht mehr auf

 Im neuen Kiel-Report 2016 taucht das Nordlicht gar nicht mehr auf. Grund dafür: „Es hat sich in der Zwischenzeit nichts getan“, erklärt der Mitautor der jährlich erscheinenden Studie, Olaf Petersen, auf Nachfrage. Damit meint der aus Eckernförde stammende Diplom-Volkswirt insbesondere den Stillstand bei der geschäftlichen Entwicklung von Nordlicht. „Das Geschäftshaus hat unter dem Strich noch nicht die zunächst erwartete Anziehungsdynamik. Zu wenig Zugkraft entfaltet bislang auch die Komposition der Mieter.“

 Wer die Nordlicht-Mieter selbst nach ihren Erwartungen und Erfahrungen fragt, stößt auf eine Mauer des Schweigens. Keiner der Filialleiter oder Geschäftsführer will über Nordlicht reden, schon gar nicht über Umsätze oder Gedankenspiele, den Standort möglicherweise aufzugeben. Tenor der Antworten: „Es ist schon so viel Negatives über Nordlicht berichtet worden. Da wollen wir uns den Standort nicht noch weiter kaputtreden.“

 In den Gesprächen wird aber auch deutlich: Am Gebäude alleine liege es nicht, dass die Unzufriedenheit vieler Mieter immer weiter steigt: Der Holstenstraße fehle einfach der nötige „Kundenlauf“. „Schauen Sie sich hier doch mal um“, sagt einer der Geschäftsführer und deutet auf die verwahrlost wirkenden leeren Ladenlokale in der Nordlicht-Nachbarschaft: „Da ist es doch kein Wunder, dass Kunden hier keine Lust mehr auf einen Einkaufsbummel haben.“

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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