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Neues Portal zeigt Raritäten

Kiel Neues Portal zeigt Raritäten

Vorhang auf für das erste virtuelle Münzkabinett: Ministerin Anke Spoorendonk schaltete am Montag in der Landesbibliothek in Kiel eine Datenbank frei, die sieben Museen und Institute eingerichtet haben. Zum ersten Mal können so Schätze wie antike Münzen, Medaillen, Banknoten und Kieler Notgeld einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden.

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Maike Manske, Mitarbeiterin der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek, präsentiert eine Medaille von Christian V. von Dänemark vom 1. Juli 1677. Sie wurde anlässlich der siegreichen Seeschlachten über die Schweden angefertigt.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Unter dem Namen Kenom (kooperative Erschließung und Nutzung der Objektdaten von Münzsammlungen) fanden sich Numismatik-Experten verschiedener Sachgebiete und aus unterschiedlichen Bundesländern zusammen. Zwei Jahre lang arbeiteten sie an der Online-Plattform, digitalisierten 20000 Objekte und erschlossen sie auch für die Forschung. Nicht nur Projektleiter Frank Dührkop von der Zentrale des Bibliotheksverbundes in Göttingen bewertete die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit 220000 Euro geförderte Vernetzung als Riesenfortschritt: Ob Forscher, historisch Interessierte oder Sammler – sie alle können jetzt auch in Bestände schauen, die meist, in Eichenschränken gelagert, in Kellerräumen aufbewahrt oder in Tresoren weggesperrt, ein verborgenes Dasein führten. Dass Numismatiker die verschiedenenartigen Geldquellen so aufbereiten, dass sie als Zeitdokumente wertvolle Einblicke in die Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Gesellschaften liefern, lobte auch Ministerin Spoorendonk.

 Ein gutes Beispiel für eine solche Zeitreise ist die Schausammlung der Notgeldscheine, die in der Landesbibliothek zu sehen ist. Dr. Maike Manske digitalisierte etwa 4000 der insgesamt 5000 Scheine umfassenden Notgeld-Kollektion Rasmussen. Es ist der größte Bestand von Zahlungsmitteln aus Krisenzeiten in Schleswig-Holstein von 1795 bis 1948. Darunter sind Raritäten wie eine Fünf-Millionen-Mark-Note mit Kieler Stadtwappen oder sogenannte mit Propaganda versehene Plebiszit-Scheine während des Abstimmungskampfes zwischen Dänen und Deutschen. Nach Angaben von Historikerin Manske sind dies alles „Glanzstücke aus Papier“, die während der Weimarer Zeit wegen ihres Bildreichtums und der künstlerischen Gestaltung auch Sammler auf den Plan riefen. Der gebürtige Schleswiger Rasmussen kam schon früh zu seiner Sammelleidenschaft: Als 1922 in Zeiten der Hyperinflation der Wert des Geldes quasi täglich um die Mittagszeit neu gesetzt wurde und ein Ei schon mal unglaubliche 80 Milliarden Mark kostete, durfte er im Lebensmittelladen seiner Mutter die Notgeldscheine zum rechtzeitigen Abgeben vorsortieren. Der höchste in Schleswig-Holstein je ausgegebene Nominalwert mit sage und schreibe „10 Billionen Mark“, die die „Stadthauptkasse“ gegen Einlieferung hätte herausrücken müssen, gehört ebenfalls zum Kieler Notgeld: Der schlichte Schein mit 13 Nullen stammt von 1923.

 Auch die anderen Kenom-Partner stellten Preziosen ins Netz und kündigten an, den Fundus mit weiteren Daten zu bestücken: So steuert das Archäologische Institut der Uni Göttingen römische Münzen bei, das Kunstmuseum Moritzburg seltene Kunstmedaillen, das niedersächsische Münzkabinett 2000 Münzen aus der Zeit der deutsch-britischen Doppelmonarchien und die Universität Jena orientalische Prägungen. Auf den Münzen, die vor dem 15. Jahrhundert als Urkunden galten, geben bis zu 150 Worte einen Überblick über die Geschichte der Herrscher-Familie.

 Kenom erlaubt Nutzern über das Online-Portal www.kenom.de Zugang zu bisher nur Spezialisten offenstehenden Magazinbeständen. Der Quellenbestand wird mit hochauflösenden Bildern und einer umfangreichen Dokumentation präsentiert.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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