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Platz für 300 weitere Flüchtlinge

Kiel Platz für 300 weitere Flüchtlinge

Die Stadt Kiel bereitet sich auf die Aufnahme weiterer Flüchtlinge vor. Nachdem der Hauptausschuss vergangene Woche grünes Licht gegeben hat, kann die Sanierung der alten Marinetechnikschule in der Wik beginnen.

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Wohnungsdezernent Gerwin Stöcken steht vor der Marinetechnikschule in der Arkonastraße, die zu einer Flüchtlingsunterkunft umgebaut werden soll.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Wenn der 4,5 Millionen Euro teure Umbau nach Plan läuft, könnten bereits im Oktober die ersten der etwa 300 Flüchtlinge in den roten Backstein-Gebäudekomplex einziehen.

 Das Gelände, wo zwischen 1913 und 2002 die Schiffstechniker der Marine ausgebildet wurden, nutzt „Tatort“-Kommissar Borowski immer wieder mal für Dreharbeiten. Schräg gegenüber in der Arkonastraße, wo die Unterkunft gebaut werden soll, folgt jetzt als erster Schritt eine dringend notwendige Asbest-Sanierung. Zwischen den ehemaligen Büros, berichtet Wohnungsdezernent Gerwin Stöcken (SPD), wurden Wände mit dem verbotenen Stoff hochgezogen. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, kurz Bima genannt, überlässt der Stadt für die Aufnahme der vor Kriegen geflüchteten Menschen, meist aus Syrien und Eritrea, das Gebäude kostenlos. Die Gesamtkosten von 4,5 Millionen Euro übernehmen das Land, das 70 Prozent trägt, und die Stadt.

 Schon einmal war die Wik im Gespräch, aber als Standort für eine Erstaufnahmeeinrichtung. Doch angesichts der gravierenden Umbaumaßnahmen war die Idee schnell vom Tisch, nachdem von Kosten von mehr als 16 Millionen Euro die Rede war. Nach eingehender Prüfung entschied sich das Land gemeinsam mit der Stadt für einen neuen Zweckbau für 700 Flüchtlinge auf dem uninahen Bremerskamp. Erst vor wenigen Tagen stellte sich der Akademische Senat der Kieler Uni mit großer Mehrheit hinter diese Pläne. Es sei ein wichtiges Zeichen der Solidarität, sich zu diesem humanitären Projekt zu bekennen, betonte CAU-Präsident Prof. Lutz Kipp. Die Flüchtlingsaufnahme sei eine „staatsbürgerliche Pflicht“. Die Universität begrüßt zudem die Idee, im Quartier eine Begegnungsstätte einzurichten.

 Es sind diese Äußerungen und Hilfsangebote, die Stadtrat Gerwin Stöcken hoffen lassen, dass die große Herausforderung, den Zustrom der Flüchtlinge zu bewältigen, in Kiel gelingen kann – dank des Engagements seiner Mitarbeiter, der Helfer und der Bevölkerung. Im Wiker Marinequartier könnte sogar so etwas wie lebendige Nachbarschaft entstehen, wenn Studierende in einem Teil des Gebäudes wohnen könnten. Doch erst einmal gilt es abzuwarten, wie viele Flüchtlinge Kiel zugewiesen werden. Platz wäre für maximal 450 Bewohner. Dass eine solche Unterkunft deutlich günstiger als eine Erstaufnahmestelle kommt, erklärt Stöcken damit, dass ganz andere Anforderungen bestehen. Im Gegensatz zu einer Erstaufnahmeeinrichtung braucht eine Gemeinschaftsunterkunft keine Dienststellen und Mensen. „Wir richten das Gebäude mit unterschiedlich großen Räumen und Küchen her, da die Menschen selbst kochen“, berichtet Stöcken. Fürchtet er Bedenken gegen eine weitere Unterkunft in Kiel? „Ich kann die Angst niemandem verbieten, aber ich kann erwarten, dass den Menschen in Not mit Anstand begegnet wird“, verspricht er, Befürchtungen von Bürgern ernstzunehmen und sie wie den Ortsbeirat über alles zügig zu informieren. Ende August lädt die Stadt zu einer Informationsveranstaltung ein. Für die Nachbarn vom Bremerskamp plant die Stadt einen Stammtisch.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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