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Praktikum in der Müllverbrennung

Kiel Praktikum in der Müllverbrennung

Wie lassen sich Energiegewinnung, Betriebs- und andere Abläufe weiter verbessern? Diese Fragen treiben nicht nur die Mitarbeiter der Müllverbrennung Kiel (MVK) an. Auch Studenten und Studentinnen der Fachhochschulen beschäftigen sich in Praktika und Bachelor- oder Master-Arbeiten mit der Optimierung des Betriebes der MVK. Und das mit gutem wirtschaftlichen Erfolg, wie MVK-Betriebsleiter Thomas Bäumann erklärt. Dank dieser Zusammenarbeit konnte die Müllverbrennung bereits Tausende von Euros einsparen.

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MVK-Betriebsleiter Thomas Bäumann (rechts) freut sich über das gelungene Projekt von FH-Student Jonathan Sell. Die Investitionskosten von 20 000 Euro werden sich bald rentieren.

Quelle: Jennifer Ruske

Kiel. „Seit rund zehn Jahren forcieren wir die Zusammenarbeit zwischen den (Fach-)Hochschulen des Landes und der Müllverbrennung Kiel,“ erklärt Betriebsleiter Bäumann. Seitdem absolvieren „nicht jedes Jahr, aber regelmäßig“ Studenten ihr dreimonatiges Betriebspraktikum in dem Unternehmen, kümmern sich um eine von der MVK vorgegebene Aufgabe und verfassen – wenn alles gut läuft – am Ende ihre Master- oder Bachelor-Thesis darüber. Vier bis fünf Abschlussarbeiten sind so in den vergangen zehn Jahren entstanden – mit positiven Auswirkungen auf die Betriebsabläufe der MVK. „Eine FH-Studentin hat zum Beispiel eine Gefährdungs- und Belastungsanalyse der Arbeitsplätze verfasst“, erzählt Bäumann. „Diese Arbeit ist bei uns mit in die gesetzlich verordnete Analyse eingeflossen, die jedes Werk erstellen muss.“ Eine andere Abschlussarbeit untersuchte die Möglichkeit, Kosten bei der Stromerzeugung zu sparen. „Durch die genauen Messungen eines Kieler Studenten wurden wir auf eine mögliche Optimierung des Generators aufmerksam“, so Bäumann. „Das hat uns 3000 bis 5000 Euro pro Jahr gespart.“

 Die Zusammenarbeit ist eine Win-win-Situation für Studenten und Unternehmen: „Die Studenten erweitern durch die Arbeit ihre theoretischen Kenntnisse um Praxis-Erfahrungen, und wir optimieren unseren Anlagenbetrieb“, sagt Bäumann. Das ist dem Unternehmen auch dank der mit „sehr gut“ bewerteten Bachelor-Thesis von Jonathan Sell gelungen. Der 31-Jährige, der an der FH Flensburg regenerative Energietechnik studierte, hat über die „Energetische Nutzung von Wrasendampf bei der Müllverbrennung Kiel GmbH & Co KG“ geschrieben und ausgerechnet, ob eine zusätzliche Wärmerückgewinnung technisch möglich und wirtschaftlich darstellbar wäre. Das Thema hatte Bäumann vorgeschlagen, den es beschäftigte, dass an einer Stelle des Betriebsablaufes der MVK heißer Wasserdampf in die Luft abgegeben wird, der bis dato nicht für die Energiegewinnung genutzt werden konnte. „Das Thema ist so komplex, dass wir zwar die Optimierungsmöglichkeit erkannt haben, aber im Arbeitsalltag keine Zeit hatten, uns darum zu kümmern“, so Bäumann. Anders als Jonathan Sell, der komplexe Berechnungen angestellt und Angebote für eine entsprechende Konstruktion eingeholt hatte. Das Resultat: „Die MVK gewinnt dadurch jährlich 1850 Megawattstunden mehr an Wärmeenergie, mit der zusätzlich circa 200 Haushalte mit Wärme versorgt werden können.“ Nach kurzer Zeit, hatte Sell berechnet, würden sich die Investitionskosten von 20000 Euro rentieren. Die Zahlen überzeugten – der Wrasendampfkondensator wurde im Januar 2015 in Betrieb genommen. „Es macht mich stolz, zu sehen, dass meine Arbeit praktischen Nutzen findet“, freut sich Sell. Auch Betriebsleiter Thomas Bäumann lobt die gelungene Zusammenarbeit: „Die Steigerung der Energieeffizienz ist ein wesentlicher Baustein der Energiewende. Mit diesem Projekt haben wir gemeinsam einen Beitrag in dieser Richtung leisten können.“

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