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Gewaltexzess war kein versuchter Totschlag

Kiel-Suchsdorf Gewaltexzess war kein versuchter Totschlag

Nach sechstägiger Beweisaufnahme im Prozess um den lebensbedrohlichen Gewaltexzess dreier junger Männer in Kiel-Suchsdorf war trotz schwerster Kopfverletzungen des Opfers auch der Staatsanwalt vom Vorwurf des versuchten Totschlags abgerückt.

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Nach sechstägiger Beweisaufnahme im Prozess um den lebensbedrohlichen Gewaltexzess dreier junger Männer in Kiel-Suchsdorf war trotz schwerster Kopfverletzungen des Opfers auch der Staatsanwalt vom Vorwurf des versuchten Totschlags abgerückt.

Quelle: dpa

Kiel. Am Mittwoch verurteilte das Kieler Landgericht die drei Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung zu Jugend- oder Freiheitsstrafe von zwei beziehungsweise drei Jahren.

Der Sachverhalt: Nach durchgefeierter Disko-Nacht hatten sich die damals 20- bis 24-Jährigen am frühen Morgen des 8. Juni 2014 in einen Streit zwischen Gästen einer Raucherkneipe im Amrumring eingemischt. Als sich das Gerangel vor die Tür verlagerte, traten alle drei brutal auf einen betrunkenen Gast ein, stampften dem bewegungslos auf dem Bürgersteig liegenden Opfer wuchtig auf Gesicht und Schädel.

 Erst als eine Zeugin „hört auf, ihr bringt ihn um!“ rief, ließen die Angeklagten von dem aus Nase, Mund und Ohren blutenden Schwerverletzten ab und flüchteten. Der als Nebenkläger am Prozess beteiligte 42-Jährige erlitt multiple Schädel-, Stirnhöhlen-, Kiefer- und Gesichtsbrüche, wurde in der Intensivstation notversorgt und erholte sich später nur langsam: Bis zum Jahresende lebte er in einem Pflegeheim, erst seit März kann er ohne fremde Hilfe laufen.

 Im Rahmen eines Vergleichs einigten sich die Angeklagten mit dem Geschädigten auf 10000 Euro Schmerzensgeld. Sollten sie mit der Zahlung in Verzug kommen, verdreifacht sich laut Urteil die Summe. Weil der jüngste Beteiligte an der „völlig sinnlosen Spontantat“ noch Heranwachsender war, verhandelte die Jugendstrafkammer. Gegen die beiden erwachsenen Täter verhängte sie je drei Jahre Haft.

 Die zweijährige Jugendstrafe gegen den bisher nur wegen Sachbeschädigung aufgefallenen Jüngsten setzte das Gericht zur Bewährung aus. Der heute 21-Jährige habe Schulabschluss und Ausbildung, sei sozial integriert und von der Gruppendynamik mitgerissen worden. Als Bewährungsauflage muss er wochentäglich vier Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, bis er einen festen Job nachweisen kann.

 Zudem soll der 21-Jährige in einer Kieler Therapieeinrichtung an zehn Beratungsgesprächen zum Thema Alkohol und Drogen teilnehmen. Der Staatsanwalt hatte ihm dagegen die gleiche Verantwortung an dem Gewaltausbruch zugewiesen wie seinen älteren Freunden und drei Jahre Jugendstrafe gefordert.

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