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Wetterballon fliegt in militärisches Sperrgebiet

Südfriedhof Wetterballon fliegt in militärisches Sperrgebiet

Mittwochmorgen, 9 Uhr: Die 11a des Beruflichen Gymnasiums im Regionalen Bildungszentrum Wirtschaft lässt 3000 Liter Helium in einen Ballon, knotet bei Minusgraden einen Fallschirm und eine Styropor-Box mit Kameras und Messinstrumenten an die Hülle, um sie dann in den strahlend blauen Himmel steigen zu lassen.

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Bis auf 30 000 Meter Höhe stieg der Wetterballon der Schüler des RBZ Wirtschaft am Mittwoch auf. Vier Schüler fuhren diesem mit ihrem Lehrer hinterher bis nach Rerik in Mecklenburg Vorpommern hinterher.

Quelle: Sven Janssen

Südfriedhof. Und das alles für die Forschung. Die Gymnasiasten sollen mit diesem praktischen Projekt nämlich nicht nur lernen, welche Temperatur- und Luftdruckgefälle in den verschiedenen Schichten der Atmosphäre herrschen. Auch Themen wie Wolkenbildung, Schwerkraft, Windsysteme oder Klimawandel werden bei dieser Aktion erforscht. „Was man im Unterricht behandelt, wird oftmals vergessen, aber solche Aktionen bleiben in Erinnerung“, sagt Lehrer Matthias Nissen. Der 31-jährige Referendar hat das Projekt in seinem Geografie-Unterricht angeregt.

Den Kautschuk-Latex-Ballon, der aussieht wie ein überdimensionierter Kürbis, hatten die Schüler über das Internet bestellt. Die Styropor-Box bauten sie eigenhändig: „Neben den beiden Kameras mit ihrem Akku haben wir ein Thermometer, ein Barometer sowie einen GPS-Tracker eingebaut“, sagt Dilayla Seving (17). Anhand der Aufnahmen wollen die Schüler den Weg des Ballons nachvollziehen und die Entdeckungen aufzeichnen. „Wir mussten das Styropor so zurecht schleifen, dass es nicht die Kameralinse behindert“, sagt Mia Adrian (16).

Rund 800 Gramm wiegt die Box am Ballon, der mit fünf Metern pro Sekunde steigen sollte. „Die Wetterbedingungen sind gut“, sagt Schüler Sabiel Shah. Der 18-Jährige war in der Gruppe Meteorologie, die sich mit der Wetter- und der Flugbahnvorhersage auseinandersetzte. „Das Starten des Ballons erforderte einige Genehmigungen, unter anderem von der Deutschen Flugsicherung, der schleswig-holsteinischen Luftfahrtbehörde und dem Flughafentower Kiel-Holtenau“, sagt Nissen.

In mehreren tausend Metern Höhe sieht Fehmarn ganz klein aus.

In mehreren tausend Metern Höhe sieht Fehmarn ganz klein aus.

Quelle: RBZ Wirtschaft

Beim ersten Anlauf wollte der Ballon nicht aufsteigen und mutierte zum Querflieger. Die Schüler füllten weitere 1000 Liter Helium nach – und der Ballon stieg um 9.45 Uhr schnurgerade nach oben auf. Der Ballon sollte laut Berechnungen rund zweieinhalb Stunden unterwegs sein und bis zu 200 Kilometer weit reisen. In einer Höhe von 30000 Metern sollte der Ballon platzen. Grund: Bei sinkendem Außendruck auf den Ballon dehnt sich das Helium soweit aus, dass die Ballonhülle dem nicht mehr standhält. Mit dem Fallschirm segelt dann die Box mit den Kameras und Messgeräten zurück gen Boden.

Vier Schüler fuhren mit ihrem Lehrer dem Ballon hinterher und verfolgten dessen GPS-Signal. Der Ballon flog tatsächlich rund 200 Kilometer und landete etwa 100 Meter vor dem Ostseebad Rerik (Mecklenburg Vorpommern) im Wasser, direkt im militärischen Sperrgebiet. „Wir konnten die Box nicht einfach aus dem Wasser holen und mussten die Wasserschutzpolizei alarmieren“, berichtet Nissen. Diese konnte die Box erst am Donnerstagmorgen finden, weil Mittwoch zu schlechte Sicht war „Jetzt werden wir die Ergebnisse auswerten.“

AG Fachdidaktik

Fachdidaktik

Matthias Nissen war ein ehemaliger Geo-Lehramts-Student an der CAU Kiel. Mehr zur AG Fachdidaktik finden Sie hier: https://www.geographiedidaktik.uni-kiel.de/de/aktuelles-1/aktuelles

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Ein Artikel von
Gunda Meyer
Holsteiner Zeitung

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