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Thea wusste genau, was zu tun ist

Kiel Thea wusste genau, was zu tun ist

Öffentlicher Auftritt in der Rettungsleitstelle in Kiel. Außer Mitarbeitern von Feuerwehr und Rettungsdienst sind auch die Plöner Landrätin Stephanie Ladwig und der Kieler Feuerwehrdezernent Wolfgang Röttgers angereist, um eine ganze besondere Rettungsaktion zu würdigen.

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„Jetzt sind alle wieder gesund“, freut sich Mutter Nicole mit Thea und den Brüdern Erik (Mitte) und Bent.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Und die hat mit einem kleinen, höchst besonnenen Mädchen zu tun. Ein bisschen unangenehm ist Thea der ganze Rummel schon. Sie steht nicht gern im Mittelpunkt und versteckt sich erst einmal hinter ihrer Mutter Nicole. Dabei ist die Siebenjährige eine kleine Heldin. Mit ihrem überlegten Handeln hat sie im März ihrem Vater das Leben gerettet.

 Es war ein dramatischer Abend vor vier Monaten in der Wohnung nahe der Ostsee im Kreis Plön. Die sieben Jahre alte Thea will mit ihrem Vater und dem einjährigen Bruder Erik Abendbrot essen. Die Mutter hat gerade Bent, das dritte Kind der Familie, zur Welt gebracht und ist noch im Krankenhaus. Plötzlich bricht der Vater bewusstlos zusammen. „Ich habe mich so erschreckt. Papa ist mit dem Kopf auf den Tisch aufgeschlagen und hat sich nicht mehr bewegt. Und ich wusste gar nicht, was ich tun sollte“, erinnert sich Thea. Doch ihr kommt in den Sinn, dass sie am Vormittag hinter einem Krankenwagen hergefahren sind. „Da stand 112 drauf. Also habe ich einfach das Telefon genommen und den Krankenwagen gerufen“, weiß sie noch. Am anderen Ende der Leitung in der Rettungsleitstelle in Kiel sitzt der Disponent Tim Körber. Etwa 1200 Anrufe gehen täglich in der Leitstelle ein. In 400 bis 600 Fällen werden aus den Anrufen echte Einsätze für Rettungsdienst, Polizei und Feuerwehr. Der erfahrene Rettungsassistent merkt gleich, dass das Mädchen nicht aus Spaß anruft.

 „Thea war ganz ruhig und verhalten und hat mir geschildert, dass ihr Vater auf dem Boden liege und sich nicht mehr rühre. Sie hatte aber Angst, hinzugehen und genauer nachzusehen“, berichtet Körber. Er versucht herauszubekommen, wo das Kind überhaupt wohnt, um schon mal die Rettungswagen in die richtige Richtung loszuschicken. „Thea war so fit, dass sie mir Ort, Straße und Hausnummer nennen konnte. Das ist oft selbst bei Erwachsenen schwierig. Wenn sie in Panik sind, schreien sie und können keinen klaren Gedanken fassen. Aber das kleine Mädchen war klasse“, so der Disponent.

 Er unterhält sich weiter mit der jungen Anruferin. „Thea hatte Angst und sagte, sie höre Geräusche. Es war also unklar, ob sich eine fremde Person in der Wohnung befindet. Da habe ich die Polizei losgeschickt“, berichtet er. Dann bekommt er die Schülerin dazu, sich dem Vater doch zu nähern. Thea kann dem Rettungsassistenten sagen, dass der Vater zwar blass, aber nicht blau angelaufen ist. Sie prüft, ob ihr kleiner Bruder sicher im Hochstuhl festgeschnallt ist und nicht herausfallen kann, und wartet mit Tim Körber am Telefon auf die Rettungswagen.

 Der Vater kommt zu sich, nimmt der Tochter das Telefon aus der Hand und schaltet es aus. Tim Körber ruft zurück und spricht mit dem Vater. Der bricht wieder zusammen, als die Rettungskräfte eintreffen. Die Kollegen vor Ort übernehmen den Patienten und kümmern sich um die Kinder. „Ich habe den Rettungswagenfahrer noch mal angerufen und gefragt, ob wir eine Betreuung organisieren müssen. Doch die Großeltern wohnen nebenan und konnten sich um Thea und Erik kümmern“, erinnert sich Körber und muss ein wenig schmunzeln, dass Thea eher auf die Idee gekommen ist, den Rettungsdienst zu alarmieren, als zu den Großeltern zu laufen.

 Mutter Nicole ist auf ihre Tochter sehr stolz. „Ich lag ja mit meinem Neugeborenen im Krankenhaus und bekam da einen Anruf. Mein Vater war dran und meinte, ich solle mich mal hinsetzen, weil er mir etwas erzählen wolle“, berichtet sie. Als ihr Mann im Krankenhaus eintrifft, steht sie schon in der Notaufnahme und begrüßt ihn. Thea kommt nach der Aufregung am nächsten Tag später in die Schule und erzählt nur, dass ihr Vater ins Krankenhaus gekommen sei. Dass sie ihn gerettet hat, verschweigt sie. „Ich mag nicht so wichtig sein und im Mittelpunkt stehen“, sagt sie und ist froh, dass inzwischen die ganze fünfköpfige Familie gesund und munter zu Hause ist und die dramatische Nacht vergessen kann.

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