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Verrostet, klapprig und mit Platten

Kiel Verrostet, klapprig und mit Platten

Reifen ohne Luft, aufgeschlitzte Sättel oder zerrissene Kettenglieder: Hunderte vergammelte Fahrräder säumen die Straßen Kiels und blockieren die ohnehin schon knappen Fahrradständer – sehr zum Ärger von Radfahrern auf der Suche nach einem Stellplatz.

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Manches altes Fahrrad scheint herrenlos zu sein.

Quelle: Paul Wagner

Kiel. Doch ab wann gilt ein Exemplar als herrenloser Schrott und wann hat sein Besitzer einfach nur einen ausgefallenen Geschmack? Immerhin sammelt die Landeshauptstadt pro Jahr etwa 700 Räder ein.

Julian Lemburg ist genervt. Der 32-jährige Mathematiker ist viel und gern mit dem Rad in Kiel unterwegs. Immer wieder hat er Probleme, einen Stellplatz für sein Fahrrad zu finden. Oft blockieren schrottreife Modelle die wenigen Fahrradständer. Vor allem in der Nähe der Uni und am Hauptbahnhof, sagt Lemburg. „Mich ärgert das einfach, wenn ich irgendwo hinkomme und sechs von zehn Plätzen mit Schrott belegt sind“, betont er. „Wenn jemand ein paar Wochen Urlaub macht und sein Rad vor dem Bahnhof abstellt, ist das ja okay. Aber bei vielen ist es offensichtlich, dass sie schon Monate nicht mehr bewegt wurden.“

 Als Lemburg vor etwa zwei Monaten ein Rad vor einer beliebten Studentenkneipe sah, welches schon Moos auf Sattel, Lenker und Rädern angesetzt hatte, kam er auf die Idee, Schrotträder bei der Stadtverwaltung zu melden. Von 38 Fahrrädern hat er nach eigenen Angaben bisher Fotos gemacht und diese mitsamt Standort und Zustandsbeschreibung an die Abfallwirtschaft Kiel (ABK) geschickt. Dort sind zwei Mitarbeiter, die sich das Ost- und das Westufer teilen, für die Beseitigung der Schrotträder zuständig.

 Wird ein Rad als schrottreif identifiziert, kleben die Mitarbeiter der Stadt aus rechtlichen Gründen zunächst eine orangefarbene Banderole an das Rad. Dann hat der Besitzer 14 Tage Zeit, das Fahrrad abzuholen. Steht es nach dieser Frist noch, dürfen die ABK-Leute es mitnehmen. Immerhin 1000 Mal haben die Mitarbeiter im vergangenen Jahr Banderolen verteilt, rund 300 Räder wurden danach – offenbar von ihren Besitzern – abgeholt.

 Alle anderen Räder, die von den Mitarbeitern mit Bolzenschneider und Flex losgeschnitten werden, müssen nach Angaben von Stadtsprecher Arne Gloy danach noch einmal drei Monate auf dem Gelände der Deponie Schönwohld gelagert werden. So haben die Besitzer auch dort noch die Gelegenheit, sie abzuholen. Fährräder oder Teile, die dann noch verwendbar sind, werden dann an die Rabs GmbH am Kieler Ostufer gegeben. In der gemeinnützigen Gesellschaft arbeiten Arbeitssuchende die Fahrräder auf.

 Zuletzt startete die Stadt nach Beschwerden mehrerer Geschäftsinhaber eine große Aktion in der Holtenauer Straße. Allein dort kamen vor wenigen Wochen rund 40 Schrotträder zusammen.

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Ein Artikel von
Paul Wagner
Redaktion Lokales Kiel/SH

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