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Wer stoppt die Fahrraddiebe?

Landeshauptstadt Wer stoppt die Fahrraddiebe?

2015 wurden in Kiel durchschnittlich acht Fahrräder pro Tag gestohlen. Der Allgemeine Fahrradclub Deutschland (ADFC) wünscht sich deshalb mehr abschließbare Fahrradboxen, damit die Räder sicher in der Landeshauptstadt abgestellt werden können. Darüber denkt die Verwaltung nach.

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In den Fahrradboxen am Blücherplatz kann man sein Rad sicher verschließen. Für die Plätze gibt es schon eine Warteliste. Louis Reinicke (19) stellt sein Rad trotzdem lieber in den eigenen Keller.

Quelle: Sven Janssen

Kiel.  Kiel ist in Schleswig-Holstein die Hauptstadt der Fahrraddiebe: Im Jahr 2014 registrierte die Polizei noch 2235 Taten, im vergangenen Jahr stieg die Zahl dann extrem an auf 3128 Fälle. Der durchschnittliche Wert eines geklauten Rades liegt bei etwa 412 Euro. „Die Polizei führt seit Anfang dieses Monats einen Einsatz mit dem sogenannten Kriminalitätsbekämpfungssystem durch“, sagte Behördensprecher Oliver Pohl. Darin seien täglich sieben Beamte eingebunden.

 Die Ermittler gucken nach Angaben von Pohl, an welchen Orten und zu welchen Uhrzeiten die Räder gestohlen werden. „An den Brennpunkten erhöhen wir dann die Präsenz, um die Diebe auf frischer Tat zu stellen“, sagte der Polizeisprecher. Besonders im Bereich um die Universität mit den vielen Studentenwohnungen und am Hauptbahnhof kamen in der vergangenen Zeit die meisten Drahtesel weg – oftmals mehrere in einer Nacht.

Banden klauen Fahrräder in Kiel

 Das ist ein Indiz für die Polizei, dass Banden in Kiel ihr Unwesen treiben, die die Räder später in An- und Verkaufsläden, bei Ebay oder im osteuropäischen Ausland verkaufen. „Zu unseren taktischen Maßnahmen, wie wir gegen diese Tätergruppe vorgehen, machen wir keine Angaben“, sagte Pohl. Nur so viel: Die Polizei kontrolliere Gebrauchtwarenläden, Fahrradankaufgeschäfte und Internetangebote. Auch auffällige Kleintransporter würden angehalten und durchsucht.

 Dass Räder in Kiel wegkommen, ist für den ADFC nicht verwunderlich – nur die gestiegene Zahl löst bei den Fahrradfreunden Betroffenheit aus. „Kiel belegt beim Ranking der fahrradfreundlichen Städte immer einen oberen Platz. Die vielen Diebstähle sind offensichtlich der Preis des Erfolgs, den die Stadt zahlen muss“, sagte ADFC-Landesgeschäftsführer Carsten Massau. Die gute Infrastruktur mit den vielen Velorouten bewege immer mehr Kieler dazu, auf das Rad umzusteigen.

Hochwertige Räder locken Profidiebe an

 „Die Leute sehen, dass sich hochwertige Räder lohnen, und das lockt die Profidiebe an“, erklärte Massau. Er sehe, dass Kiel mit dem Umsteiger, Fahrradboxen am Blücherplatz und den Tausenden Kieler Bügeln schon viel gegen den Klau getan hat. Doch das Angebot sei ausbaufähig – gehe allerdings zu Lasten von Stellflächen für Autos. „Denkbar sind zum Beispiel mehr Boxen oder sogar kleinere Radhäuser mit Platz für etwa zehn Zweiräder“, sagte er.

 Tatsächlich gibt es in der Verwaltung die Idee für einen „Mini-Umsteiger“ mit sicherer Stellfläche – ähnlich wie am Hauptbahnhof. Wo der entstehen könnte, steht allerdings noch nicht fest. „Nachgedacht wird auch über weitere Fahrradboxen wie am Blücherplatz oder am Haltepunkt Russee. In der Prüfung ist, ob auch welche am Haltepunkt Suchsdorf aufgestellt werden können“, sagte Joachim Kläschen vom Presseamt der Stadt. Die Versorgung mit Abstellanlagen sei nach Ansicht der Stadt aber gut, weil Kiel beim Fahrradklimatest in dieser Kategorie immer vordere Plätze belegt habe. Kläschen: „Sicher auch, weil die Fahrradstation im Umsteiger so gut angenommen wird.“

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