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Widerstand gegen Flüchtlingsaufnahme

Kiel Widerstand gegen Flüchtlingsaufnahme

Stadt und Land konkretisieren ihre Pläne zum Bau einer Erstaufnahmeeinrichtung für rund 600 Flüchtlinge in Kiel. Trotz teilweise emotional vorgetragener Bedenken von Anwohnern bei der ersten öffentlichen Vorstellung der Pläne am Bremerskamp sowie einer Übergangslösung auf dem Nordmarksportfeld bis zur Fertigstellung Ende 2016 wollen Stadt und Land an ihren Planungen festhalten.

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Stadt und Land konkretisieren ihre Pläne zum Bau einer Erstaufnahmeeinrichtung für rund 600 Flüchtlinge in Kiel.

Quelle: Boris Roessler/dpa

Kiel. Fast wäre die Vorstellung der Planungsdetails in einem Hörsaal der Universität in der ehemaligen Pädagogischen Hochschule an der Olshausenstraße aus dem Ruder gelaufen. „Sie lügen doch alle“, schrie ein Bremerskamp-Anwohner in den mit weit über 100 Besuchern fast voll besetzten Saal. Kiels Sozialdezernent Gerwin Stöcken verbat sich diese Unterstellung, betonte stattdessen: „Wir haben die Verpflichtung, den Auftrag und die Möglichkeit, solche Menschen in großer Not bei uns aufzunehmen. Das werden wir auch tun.“

 An eine Bürgerbeteiligung vor dem Bau der Erstaufnahmeeinrichtung in Kiel sei nicht gedacht, erklärte der beim Land zuständige Projektleiter Thiemo Lüeße: „Das geht schon aus Zeitgründen nicht. Wir stehen mit Planung und Bau der Einrichtungen mächtig unter Druck und die Menschen vor unserer Tür.“ Nach wie vor rechne das Land 2015 mit der Aufnahme von rund 20.000 Flüchtlingen. Standorte neuer Erstaufnahmeeinrichtungen sollen neben Kiel auch Flensburg und Lübeck sein.

 In der Hansestadt hatte eine Bürgerinitiative sich erfolgreich gegen die Erstaufnahmeeinrichtung Bornkamp gewehrt. Am vergangenen Donnerstag lehnte die Lübecker Bürgerschaft den Verkauf des Geländes an das Land ab. Begründung: 600 Flüchtlinge in einer Einrichtung im Neubaugebiet seien zu viel. Das Land wiederum lehnte den Lübecker Alternativvorschlag zum Bau von Außenstellen mit Wohnraum für jeweils 200 Flüchtlingen ab.

 Das gilt laut Thiemo Lüeße auch für Kiel, nachdem eine Anwohnerin ebenfalls die Zahl von 600 Flüchtlingen in der Erstaufnahmeeinrichtung am Bremerskamp als „viel zu viel“ kritisierte. Das Land sei laut Lüeße nach intensiven Prüfungen zu dem Schluss gekommen, dass eine Aufteilung der Flüchtlinge in kleinere Wohneinheiten nur Nachteile mit sich bringe: eine höhere Belastung der Flüchtlinge, schlechtere Qualität bei ihrer Betreuung sowie deutlich höhere Kosten.

 Auf Kritik der Bürger stieß auch die Unsicherheit, ob es angesichts zunehmender Flüchtlingsströme wirklich bei 600 Menschen in einer Erstaufnahmeeinrichtung mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von rund sechs Wochen bleibe. „Wir können zwar nicht in die Zukunft schauen“, räumte Stöcken ein. „Trotzdem bleibt es nach jetziger Planung bei 600 Flüchtlingen.“ Sollten die Gebäude am Bremerskamp in ein paar Jahren nicht mehr benötigt werden, stünden sie etwa 300 Studierenden als Wohnraum zur Verfügung. „Niemand muss die Einrichtung lieben“, betonte der Sozialdezernent, „aber keiner soll sie fürchten müssen.“

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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Im Grunde könnte ein Foto diesen Leitartikel ersetzen. Es zeigt 627 Flüchtlinge im Mittelmeer dichtgedrängt unter einem Tarnnetz an Deck des Kieler Tenders „Werra“ und war am vergangenen Donnerstag groß auf der Seite 1 dieser Zeitung zu sehen. Das Foto dokumentiert eindrucksvoll die Not und Hilfebedürftigkeit von Menschen, die aus Elend und Bedrohung in ihrer Heimat fliehen.

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