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Zeltstadt bietet Raum für Begegnungen

Kiel Zeltstadt bietet Raum für Begegnungen

Der Zustrom von Flüchtlinge nach Kiel ist ungebrochen. Jede Woche kommen bis zu 40 Menschen aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster in die Landehauptstadt. Eines der drei alten Kasernengebäude auf dem MFG5-Gelände ist bereits belegt, in den anderen sind auch schon einige Flüchtlinge untergebracht.

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Mathias Balke vom DRK, Sozialdezernent Gerwin Stöcken und Sönke Bergemann (Haus & Grund, von links) schauen sich Hubschrauberhalle mit Zelten sowie Tischen und Bänken an. Hier sollen sich die Flüchtlinge aufhalten und essen. Im Hintergrund links ist das Gebetszelt zu sehen, es gibt auch Platz zum Kochen.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Doch es gibt Lieferschwierigkeiten mit den Küchen. Um den Menschen zumindest etwas Aufenthaltsqualität bieten zu können, hat das DRK nach Absprache mit der Stadt in einer alten Hubschrauberhalle Zelte aufgestellt – in einem liegt sogar ein Teppich zum Beten, nach Mekka ausgerichtet.

Der Ramadan beginnt, essen dürfen Muslime dann nur zwischen elf Uhr nachts und vier Uhr in der Früh. „Es wird nicht ganz einfach, einen Lieferservice zu finden, der in dieser Zeit Speisen bringt“, sagte Mathias Balke, DRK-Referent für Katastrophenschutz. In der Halle stehen Tische und Bänke, an denen gegessen werden kann. In den Zelten können sich die Flüchtlinge in Gruppen aufhalten, aber auch Unterricht kann hier stattfinden. „Am vergangenen Montag gab es die Besprechung mit der Stadt. Am Abend hatten wir die Halle eingerichtet“, so der DRK-Mann. Die Hilfsorganisation hat Zelte aufgestellt, weil es sonst wegen des hohen Raumes eine zu starke Schallentwicklung gegeben hätte. Strom und Licht sind vorhanden. „Das DRK hat durch seinen pragmatischen Einsatz eindrucksvoll seine Kompetenz unter Beweis gestellt“, sagte Sozialdezernent Gerwin Stöcken.

Die Stadt musste schnell reagieren, weil während der Kieler Woche die Kapazitäten in den Hotels ausgeschöpft sind. „Es ist aber nur eine Übergangslösung bis Ende Juli. Wir gehen davon aus, dass bis dahin die anderen beiden ehemaligen Kasernengebäude komplett mit Küchen eingerichtet sind“, sagte Stöcken. Dann sind auf dem Gelände etwa 300 Menschen untergebracht. Es gibt zwar noch andere Häuser, die dort schnell genutzt werden könnten. „Ja, das geht im Prinzip, aber wir wollen kein Dorf in der Stadt“, sagte der Sozialdezernent. Um den weiteren Zustrom bewältigen zu können, will die Stadt deshalb bis zum Herbst die Räume der Marinetechnikschule im Marinequartier in der Wik einrichten. „Wir gehen davon aus, auch dort 300 bis maximal 450 Menschen unterbringen zu können“, sagte Stöcken. Das ist dringend erforderlich: Kiel hat in diesem Jahr bereits 574 Flüchtlinge aufgenommen, im Jahr 2014 waren es insgesamt 680.

Der Eigentümerverein Haus&Grund will ebenfalls helfen. „Wir sind uns sicher, dass eine Reihe der nahezu 12000 Mitglieder über bisher nicht oder nicht mehr genutzten Wohnraum verfügen“, sagte Geschäftsführer Sönke Bergemann. Solche Leerstände den Menschen in Bedrängnis zur Verfügung zu stellen, sei ebenso human wie dringend erforderlich. „Diese Menschen sind keine Verbrecher, sondern sie fliehen vor Verbrechern. Es kann ihnen nicht gut gehen“, sagte Bergemann. Darum sei jede ordentliche Wohnung besser als eine geschlossene Unterbringung in Containerdörfern. Die Stadt zahlt die Miete. Hilfe gab es bereits von anderer Seite: Die Willkommensinitiative Friedrichsort hat Teppiche, Decken und Sitzkissen auf das MFG5-Gelände gebracht.

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Ein Artikel von
Günter Schellhase
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